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Reisekasse organisieren : Bezahlen im Urlaub leichtgemacht

  • -Aktualisiert am

Lieber nicht: Die Wechselstube im Urlaubsland aufzusuchen ist keine gute Idee. Bild: imageBROKER/Jochen Tack

Reiseschecks, Kreditkarten, Barzahlungen: Wer schöne Ferien haben will, muss die Reisekasse gut sortieren und sollte sich vorher gründlich bei der Bank informieren.

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          Mit den Osterferien in der kommenden Woche beginnt die erste große Reisewelle des Jahres. Doch bevor es in den Flieger geht, stellt sich für viele Urlauber die Frage: Wie komme ich in den Ferien am besten an mein Geld? Und wo wechselt man am besten Geld, wenn man in ein Land außerhalb des Euroraumes fährt?

          Grundsätzlich ist zu beachten, dass es keinen Sinn ergibt, vor dem Urlaub große Mengen an Bargeld umzutauschen, da hohe Summen im Portemonnaie oder im Koffer schnell zum Ziel für Taschendiebe werden. Besser ist es, einen kleinen Geldbetrag zwischen 50 und 100 Euro in der Landeswährung mitzunehmen, um die erste Taxifahrt ins Hotel bezahlen zu können.

          Reisebanken haben Fremdwährungen vorrätig

          Wer das Geld bei seiner Heimatbank in Deutschland tauschen möchte, sollte dort frühzeitig nachfragen, denn die meisten Filialen haben keine Fremdwährung vorrätig. Die Lieferung des Geldes kann ein bis zwei Wochen dauern. Eine schnelle Alternative bietet die Reisebank, die an größeren Bahnhöfen und Flughäfen ihre Filialen hat. Dort kann man Euro in bis zu 100 Fremdwährungen umtauschen. Kosten: ein Serviceentgelt von mindestens 3 Euro plus einer Gebühr von

          2,5 Prozent auf den Umtauschbetrag, die aber 10 Euro nicht übersteigen darf. Insgesamt berechnet die Reisebank also maximal 10 Euro je Umtausch.

          Das ist zwar nicht außerordentlich günstig, aber allemal besser, als später am Urlaubsort eine Wechselstube aufzusuchen. Durch hohe Zuschläge und mitunter ominöse Kurse können Reisende dort ihr blaues Wunder erleben. „Wichtig ist es darum, dass man sich vor dem Urlaub über den jeweiligen Wechselkurs der Landeswährung informiert“, sagt Erk Schaarschmidt von der Verbraucherzentrale Brandenburg.

          Statt in die Wechselstube zu gehen (bei der man ja außerdem Eurobargeld zum Umtauschen dabeihaben muss), sollten Urlauber also lieber direkt am Automaten Geld abheben. Aus Sicherheitsgründen ist es ratsam, dazu möglichst Bankfilialen aufzusuchen oder schon am Flughafen abzuheben. In Lateinamerika beispielsweise ist Geldabheben auf offener Straße nicht zu empfehlen.

          Keine Umrechnung am Automaten wählen

          Auch wenn man einen sicheren Geldautomaten gefunden hat, ist es aber wichtig, genau aufzupassen. Denn beim Geldabheben außerhalb des Euroraumes wie beispielsweise in der Schweiz taucht auf dem Bildschirm des Automaten schnell eine Frage auf: Soll der Betrag sofort in Euro umgerechnet werden, oder soll der Vorgang in der Landeswährung fortgesetzt werden? Die erste Variante klingt attraktiv, weiß der Urlauber hierbei doch scheinbar sofort, welchen Gegenwert er bekommt. Häufig blinkt der Vorschlag zur Umrechnung auch noch in angenehmem Grün auf dem Bildschirm.

          Doch davon sollten sich Reisende keineswegs verführen lassen. Wer sich für die Möglichkeit der Umrechnung entscheidet, zahlt nämlich von den Automatenbetreibern selbst festgelegte Wechselkurse, die in aller Regel zum Nachteil des Urlaubers sind.

          „Dynamische Währungsumrechnung“ nennt sich dieses fragwürdige Geschäftsmodell in der Finanzsprache. Ohne die Umrechnung dagegen wird die abgehobene Summe automatisch von der heimischen Bank zum tagesüblichen Wechselkurs berechnet.

          Bleibt eine weitere sehr wichtige Frage: Soll man mit EC-Karte (von den Banken offiziell Girocard genannt) abheben oder mit der Kreditkarte? In allen Euroländern lässt sich problemlos mit der EC-Karte Geld abheben. Die EC-Karten mit dem Maestro- oder dem Cirrus-Logo lassen sich weltweit an allen Geldautomaten mit diesem Symbol einsetzen. Aufpassen müssen Urlauber bei allen EC-Karten mit dem „V-Pay“- Logo. Diese Karten lassen sich nur in Europa nutzen.

          Außerhalb Europas Kreditkarten nutzen

          Viele deutsche Banken kooperieren außerdem mit ausländischen Geldinstituten. Häufig ist das Abheben bei den Partnern der Heimatbank kostenlos. Hier lohnt es sich also, vorher bei der heimischen Bank nachzufragen, mit wem sie im Ausland zusammenarbeitet. Selbst wenn keine solche Kooperation besteht, können sich Reisende aber sicher sein: Die Gebühren für das Abheben in einem Euromitgliedsland dürfen nie höher sein, als wenn man in Deutschland bei einer fremden Bank Geld abhebt. Es fallen dann in der Regel maximal Gebühren in Höhe von 5 bis 6 Euro an. Im Restaurant oder im Geschäft sind beim Bezahlen mit der EC-Karte im Euroraum übrigens keine zusätzlichen Gebühren zu zahlen.

          Verreisen ohne Kreditkarte? In Amerika fast unmöglich, selbst Kleinstbeträge werden mit Kreditkarten gezahlt.
          Verreisen ohne Kreditkarte? In Amerika fast unmöglich, selbst Kleinstbeträge werden mit Kreditkarten gezahlt. : Bild: dpa

          Außerhalb Europas wird das Zahlen mit der EC-Karte schwierig und darum die zweite Plastikkarte im Portemonnaie sehr wichtig – die Kreditkarte. In den Vereinigten Staaten ist es mittlerweile quasi unmöglich, ohne Kreditkarte zu reisen. Das hat damit zu tun, dass Urlauber ihre Hotelzimmer fast immer mit der Kreditkarte bezahlen müssen. Dabei fällt immer eine Gebühr an, das sogenannte Auslandseinsatzentgelt. Es liegt normalerweise bei ein bis zwei Prozent des Rechnungsbetrags.

          Ein Beispiel: Wenn man seine Hotelrechnung von 500 Dollar mit der Kreditkarte zahlt und die Bank ein Entgelt von 1,75 Prozent verlangt, wird der Betrag von der jeweiligen Heimatbank in Euro umgerechnet. In unserem Beispiel würden aus 500 Dollar derzeit rund 465 Euro. Auf diesen Eurobetrag berechnet die Bank dann das Auslandseinsatzentgelt, das man zusätzlich zahlt – in diesem Fall also rund 8 Euro.

          Am Geldautomaten Bargeld mit der Kreditkarte abzuheben ist noch teurer, als das Hotel oder den Mietwagen mit Kreditkarte zu zahlen. Denn neben dem Auslandseinsatzentgelt fällt dann noch eine Abhebegebühr an, die meistens drei bis vier Prozent der gewünschten Summe beträgt. Wie viel genau am Ende dazugezahlt werden muss, ist von Bank zu Bank unterschiedlich. Über die Höhe der fälligen Zusatzgebühren können sich Kunden in aller Regel auf der Internetseite ihrer Bank informieren.

          Barzahlung wird teilweise nicht mehr akzeptiert

          Wer das zu umständlich findet, kann einen anderen Tipp beherzigen: Einige Online-Banken wie zum Beispiel die DKB, ING oder Comdirect bieten ihren Kunden die Möglichkeit, mit der Kreditkarte weltweit kostenlos Geld abzuheben.

          Urlauber müssen aber bedenken: Es gibt immer mehr Länder, in denen Bargeld keine große Rolle mehr spielt. Neben den Vereinigten Staaten sind vor allem in den skandinavischen Ländern die Möglichkeiten des digitalen Bezahlens weit fortgeschritten. In Schweden, Norwegen und Dänemark werden heutzutage selbst Kleinstbeträge mit Kreditkarte oder mit EC-Karte bezahlt. Urlauber sollten nicht überrascht sein, wenn Bargeld manchmal gar nicht mehr akzeptiert wird, sondern nur noch die Kartenzahlung. Vor allem in Schweden ist diese Entwicklung weit fortgeschritten: Dort lässt sich sogar die Kollekte der Sonntagsmesse mit Karte bezahlen. In Asien hingegen und selbstverständlich auch in der Schweiz sind Barzahlungen weiter ohne Probleme möglich.

          Eine noch relativ neue Art des Bezahlens hat sich zusammen mit den Smartphones entwickelt. Spezielle Apps bieten den Service eines virtuellen „Kreditkarten-Portemonnaies“ an, mit dem man Einkäufe über das Handy bezahlen kann. Diese Funktion sollten Reisende aber besser nicht im Urlaub nutzen. Durch unterschiedliche Funkwellen in den verschiedenen Staaten kann es zu Störungen der Verbindung kommen. Das wiederum kann Probleme beim Abrechnen verursachen. Weitgehend bedenkenlos dagegen lässt sich im Urlaub auf den Online-Bezahlservice Paypal zurückgreifen.

          Eine letzte, aber in die Jahre gekommene Methode, um im Urlaub zu zahlen, sind Reiseschecks. Diese werden zwar teilweise noch verkauft, aber fast gar nicht mehr akzeptiert auf der Welt. Auf sie kann man also getrost verzichten.

          Fehlt vor dem Start in den Urlaub nur noch eines: Vor Abreise sicherheitshalber noch mal nachschauen, dass EC-Karte und Kreditkarte wirklich auch im Portemonnaie stecken. Und dann kann es endlich losgehen!

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