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Neues Preissystem : Was kostet mich die Bahn?

Im neuen System hängen die Preise für ein ICE-Ticket vom Reisetag ab: Freitags und sonntags wird es teurer, weil die Züge überfüllt sind. Bild: Rüchel, Dieter

Die Bahn führt an diesem Sonntag ein neues Preissystem ein. An zwei Tagen fährt es sich jetzt ein bisschen billiger. Aber wie viel ändert sich dadurch wirklich für den Kunden?

          Von diesem Sonntag an wird die Welt der Deutschen Bahn noch ein Stück komplizierter. Wer die Freiheit haben will, in jeden beliebigen ICE oder anderen Fernzug einsteigen zu dürfen, der kaufte bisher ein Normalpreisticket, das an jedem Tag das Gleiche kostet. Doch das ändert sich nun: Die Preise hängen jetzt vom Reisetag ab. Freitag und Sonntag könnten solche flexiblen Tickets teurer, Samstag und unter der Woche günstiger werden.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So etwas kennen die Fahrgäste bisher nur von den sehr günstigen Sparpreisen, die es schon ab 19 Euro gibt. Bei denen müssen sich die Kunden nicht nur auf einen Tag, sondern sogar auf einen speziellen Zug festlegen. Bei den Normalpreistickets bleibt von heute an zumindest die Flexibilität an dem ausgewählten Reisetag erhalten, jeder Zug darf genutzt werden. Wer aber die Fahrt auf einen anderen Tag verschiebt, muss nun umbuchen.

          Einfacher wird es also nicht. Warum macht es die Bahn dann? Und was hat der Reisende davon? Durch unterschiedliche Preise soll er bewogen werden, an weniger ausgelasteten Reisetagen zu fahren statt am Freitag oder Sonntag, wenn die Züge voll sind. Im besten Fall kann er sich künftig über billigere Tickets oder über weniger volle Züge freuen. Wenn das Konzept denn funktioniert. Doch daran muss man zweifeln. Denn die Preisunterschiede sind gering.

          Preissensible Kunden können überfüllte Züge entlasten

          Die Tickets werden künftig je nach Reisetag um maximal 2,9 Prozent teurer oder günstiger. Sie kosten damit in der zweiten Klasse höchstens vier Euro mehr oder weniger als an anderen Tagen. Wer eine Bahncard 50 hat, zahlt dann zwei Euro mehr oder weniger. Ändert deswegen jemand seine Reisepläne? „Die Differenz ist zu klein, um das Reiseverhalten zu steuern“, sagt Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn. „Zudem können viele gar nicht ihre Reisetermine anpassen, zum Beispiel die vielen Pendler, die Freitag und Sonntag den Zug nehmen müssen.“ Und die Geschäftsreisenden, die vor allem die Normalpreistickets kauften. Ihre Unternehmen zahlen für diese Fahrscheine oft mehr als 100 Euro. Wegen vier Euro mehr oder weniger würden da keine Termine verschoben.

          Die wirklich preissensiblen Kunden kaufen die Sparpreistickets. Sie sind das eigentliche Instrument, um überfüllte Züge zu entlasten oder leere Waggons voller zu machen. Das soll auch so bleiben, räumt sogar die Bahn ein. Hier gibt es die großen Preisunterschiede. 19 Euro statt 100 Euro – da denken manche schon über einen anderen Reisetag oder einen Zug außerhalb der Stoßzeiten nach. Diese Tickets können auch mit den Bahncards 50 und 25 kombiniert werden. Dann gibt es in beiden Fällen noch einmal 25 Prozent Nachlass.

          Warum die Bahn nicht auch die Preise der Normalpreistickets stärker differenziert, um einen Verlagerungseffekt zu erzielen, deutet sie nur an. Sie will einen Aufschrei der Passagiere über Preiserhöhungen vermeiden. Sie leidet noch immer unter dem Trauma von 2002 und 2003, als sie zugabhängige Frühbucherrabatte einführte, wie das bei Flügen üblich ist. Es gab heftige Proteste und Umsatzrückgänge, weil die Kunden weiter flexibel entscheiden wollten, welchen Zug sie nehmen. Die Bahn sollte ein „offenes System“ bleiben, heißt das im Expertendeutsch. Das Preiskonzept wurde verworfen, zwei der zuständigen Bahnvorstände gefeuert. Der damalige Vorstandsvorsitzende Hartmut Mehdorn behielt seinen Job nur mit Mühe. Eine aktuelle Umfrage von TNS Emnid für die Verbraucherzentrale Bundesverband deckt die Befürchtungen. Steigen die Preise an bestimmten Tagen, würden 42 Prozent das Verkehrsmittel wechseln.

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