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Optiker im Vergleich : Wie billig ist Fielmann?

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Bild: Marcus Kaufhold

Brechungsindex, Lotus-Effekt und Clean-Coat: Ein Brillenkauf ist gar nicht so einfach. Unsere Testerin war in Frankfurt unterwegs.

          Diese Werbung kennt jeder. Sie kommt im Radio, im Kino und im Fernsehen und endet stets mit der immer gleichen Melodie: „Brille? Fielmann.“ Damit einher geht ein großes Versprechen: Qualität zu einem günstigen Preis - mit beidem will der Brillenanbieter die Kunden in seine Filialen locken.

          Das macht Fielmann mit Erfolg. Es ist die umsatzstärkste deutsche Optikerkette, und besonders aus einem Grund rennen Brillenträger im ganzen Land Fielmann die Bude ein: Die Kette wirbt damit, konkurrenzlose Preise zu bieten. Gibt es die bei Fielmann gekaufte Brille innerhalb von sechs Wochen nach dem Kauf bei der Konkurrenz für weniger Geld, nimmt Fielmann die Brille zurück und erstattet den Kaufpreis.

          Doch ist der Brillenanbieter tatsächlich immer der günstigste? Und mit welchen Preiskonditionen umgarnen Konkurrenten wie Apollo-Optik den Kunden? Die F.A.S. hat den Test gemacht, und so viel sei vorab schon verraten: Selbst wer sich günstig nennt, muss nicht immer der billigste Anbieter sein.

          Die Versuchsanordnung sieht so aus: Ich besuche an einem Samstagnachmittag inkognito Fielmann, Apollo und weitere Optiker in der Frankfurter Innenstadt und stelle alle vor die gleiche Aufgabe. Erst ein Sehtest, dann die Frage aller Fragen: Welche neuen Gläser für mein Brillengestell kann man mir bieten? Und zu welchem Preis?

          Was den Preis in die Höhe treiben kann

          Mehr als 48 Millionen Deutsche sind Brillenträger. Aber nur die wenigsten wissen, welche Faktoren den Preis ihrer Brille bestimmen. Die Preisgestaltung der Optiker ist oftmals nicht auf den ersten Blick verständlich, gerade bei den Brillengläsern wird oft mit den unterschiedlichsten Zahlen jongliert. Über die genauen Kosten redet die Branche nicht so gerne, eine Aussage des Großanbieters Apollo spricht für sich: „Wir haben transparente Preise, ohne die immer explizit mitteilen zu müssen.“

          Dabei sind deutsche Brillenträger durchaus bereit, einiges auszugeben: Laut jüngsten Studien ist es für sie akzeptabel, im Schnitt rund 340 Euro dafür zu berappen. Viel Geld, wenn man bedenkt, dass sie sich etwa alle drei Jahre eine neue Brille zulegen.

          Sieben Brillenanbieter im Überblick Bilderstrecke

          Um nicht über den Tisch gezogen zu werden, sollten Käufer genau wissen, was den Preis zusätzlich in die Höhe treiben kann: zum Beispiel die Brillenglaswerte (teurer werden häufig Werte größer plus/minus 6,00 Dioptrien sowie eine Hornhautverkrümmung größer plus/minus 2,00), das Glasmaterial, die Glasdicke gemessen am Brechungsindex, Glasveredelungen wie eine Entspiegelung, die Härtung, der Kratzschutz (Clean-Coat) und der Wasserschutz (Lotus-Effekt). Auch ein Markenname erhöht den Preis. Außerdem gilt es zu klären, welche zusätzlichen Kosten lauern: Fällt eine Einarbeitungsgebühr an? Lohnen sich die Versicherungskosten? Muss es wirklich schon die Gleitsichtbrille sein? Oft gehen die Verkäufer nämlich nach der sogenannten Salamitaktik vor. Soll heißen: Sie locken den Kunden mit einem günstigen Preis in den Laden und versuchen dann, ihm ein Extra nach dem anderen aufzuschwatzen. So kann man beispielsweise auf den teuren Lotus-Effekt gut verzichten.

          Apollo macht mir ein günstigeres Angebot

          In der Fielmann-Filiale am Frankfurter Roßmarkt ist an diesem Samstag viel los. Trotzdem: Ich bin sofort mit dem Sehtest an der Reihe, lese schon nach einer Minute Zahlen und Buchstaben vor. Ein erster Pluspunkt. Auch die Fragen an mich kommen wie aus dem Lehrbuch: Nach Erkrankungen erkundigt sich der Optiker und nach dem letzten Augenarztbesuch auch. Stolze 25 Minuten nimmt er sich für die Beratung Zeit, da kann man nicht meckern. Das Ergebnis: Ich brauche neue Gläser. Was mich das wohl kosten wird? Die Antwort kommt prompt: Mit 235 Euro müsse ich „schon rechnen“. Das ist starker Tobak: Anders als die Werbung verspricht, ist das nun wirklich kein günstiges Angebot mehr.

          Wieso bekomme ich nicht die Gläser zum Nulltarif, mit denen Fielmann überall wirbt? Das sei unveredelte Ware von Zeiss, antwortet man mir. Schöner sei ein veredeltes und dünneres Glas mit einem höheren Brechungsindex, damit die Gläser nicht über die Fassung ragen und die Brille leichter ist. Die Standardvariante kostet 139 Euro. Aber die Markengläser seien eben viel robuster: Darum die 235 Euro. Das ist erstaunlich, schließlich bieten laut Internetseite auch die Standardgläser „bewährte Qualität renommierter Hersteller wie Zeiss und Essilor“. Doch auch in einer anderen Fielmann-Filiale rät man mir eindringlich zur Markenware. Mein erstes Zwischenfazit lautet: Fielmann ist alles andere als günstig.

          Ich beschließe, bei der Konkurrenz vorbeizusehen: bei der Filiale von Apollo-Optik. Auf den Sehtest muss ich hier zwar zwanzig Minuten warten, und anders als bei Fielmann ist er auch nicht kostenlos. Doch beim Preis für die Gläser gibt es eine Überraschung: Apollo macht mir ein günstigeres Angebot. Zwar muss ich Einarbeitungsgebühren von insgesamt 30 Euro zahlen, doch vergleichbare Gläser wie bei Fielmann kosten mich hier dank einer Preisaktion nur 119 Euro. Apollo unterbietet Fielmann also um insgesamt 86 Euro. Auch wenn der Service deutlich schlechter ist - für einen so deutlichen Preisvorteil kann man das durchaus in Kauf nehmen.

          Viel Ausdauer und genaues Vergleichen lohnt sich

          Ich ziehe weiter und teste mehrere selbständige Optiker im Zentrum von Frankfurt. Im Mittel ist der Service gut. Ein Plus: Hier gibt es keine Massenware, sondern viele individuelle Modelle. Und über den Tisch ziehen wollen sie mich auch nicht. Man garantiert mir, dass ich auch mit der Standardvariante meiner Gläser gut beraten sei, und rät von gewissen Extras sogar ab. Am Ende erhalte ich drei Angebote für Gläserpaare, die zwischen 178 und 198 Euro liegen. Fielmann ist wieder geschlagen.

          Zwar bieten die selbständigen Optiker mir meist weitgehend unbekannte Glashersteller an, aber selbst Markennamen wie Rodenstock und Essilor gibt es hier günstiger als in den Fielmann-Filialen. Dort versucht man nun zu retten, was noch zu retten ist: „Zeigen Sie uns die Angebote der Konkurrenz, dann machen wir Ihnen ein besseres Angebot.“

          Mein Test zeigt: Viel Ausdauer und genaues Vergleichen beim Brillenkauf lohnt sich. Und immer mehr Optiker wie beispielsweise der Berliner Anbieter Robin Look bemühen sich darum, dem Kunden böse Überraschungen beim Preis zu ersparen: Sie bieten Fixpreise für alle Glasarten. Der Blick ins Internet kann ebenfalls nicht schaden: Die Online-Kette „Mister Spex“ beispielsweise bietet eine große Auswahl an Gestellen und Gläsern an. Brille Fielmann? Das muss nicht sein.

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