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Bankräuber mit Corona-Maske : Erste Ganoven nutzen die Chance

Auch viele Bankkunden haben nun Maskenpflicht. Bild: Picture-Alliance

In den Schalterhallen so manches Kreditinstituts müssen Kunden nun das tun, was früher verboten war: Maske tragen. Der Schutz vor Corona geht vor. Das weckt jedoch auch kriminelle Phantasien.

          3 Min.

          „Hände hoch, Geld her! Das ist ein Überfall!“ Wenn früher Maskierte in eine Bankfiliale kamen, war die Situation in der Regel eindeutig und prekär. Die Mitarbeiter wussten sofort, was zu tun war: stillen Alarm auslösen, Ruhe bewahren, abwarten. Die Corona-Pandemie verändert auch diesen Lebensbereich grundlegend. Masken sind in vielen Geldhäusern inzwischen ebenfalls zur Pflicht geworden – so ungewöhnlich dies gerade dort sein mag. Dabei besteht ein Flickenteppich.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          In einigen Bundesländern sei es mittlerweile verpflichtend oder zumindest dringend geraten, eine Maske in Kreditinstituten zu tragen, heißt es vom privaten Bankenverband. Dazu zählten Bayern, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. In Baden-Württemberg gelte die Pflicht nur, wenn ein Verkauf wie in einer Postfiliale stattfinde, in anderen Bundesländern würden Banken nicht explizit erwähnt. Nur in Niedersachsen sei eine Bedeckung von Mund und Nase nicht verpflichtend vorgeschrieben. Details finden sich im Internet unter www.bankenverband.de.

          Per Hausrecht verboten

          Doch gerade beim Betreten eines Kreditinstituts könnte sich das Tragen einer Maske für so manchen noch ungewohnter anfühlen als der neue Alltag ohnehin schon und einen Hauch Verbotenes oder gar Kriminelles mit sich bringen. Ein Vermummungsverbot wie für Demonstrationen und öffentliche Versammlungen gab es in Kreditinstituten nie. Und dennoch war es Kunden untersagt, in den Filialen von Banken und Sparkassen ihr Gesicht zu verbergen.

          Die Institute hätten das Tragen von Masken oder Motorradhelmen in der Regel per Hausrecht verboten – mit Ausnahme von religiös motivierten Gesichtsschleiern, sagt die Postbank. Um die Ausbreitung von Covid-19 einzudämmen und die Sicherheit der Kunden und Mitarbeiter zu gewährleisten, müssten Bankkunden nun aber in den meisten Bundesländern während ihres Aufenthalts in den Filialen eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen und mindestens zwei Meter Abstand zu anderen halten, sagt Claus Wolf von der Postbank. Infektionsschutz habe derzeit höchste Priorität.

          Bisweilen müssen die Masken aber dann doch gelüftet werden. Für bestimmte Bankgeschäfte wie die Eröffnung eines Kontos müsse das Geldhaus die Identität des Kunden zweifelsfrei feststellen, sagt Wolf: „Unsere Mitarbeiter bitten deshalb die Kunden, den Mundschutz am Schalter kurz abzunehmen, damit sie das Gesicht mit dem Foto im Personalausweis abgleichen können.“ Beide seien dabei durch Plexiglasscheiben getrennt. Zudem sollte dann der Mindestabstand zum nächsten Kunden eingehalten werden. Im Selbstbedienungsbereich sei Mundschutz dagegen dauerhaft zu tragen, sagt Wolf. Beim Geldabheben am Automaten zum Beispiel weise sich der Kunde mit der Eingabe seiner Geheimzahl (Pin) aus und nicht per Gesichtserkennung. Wer aufgrund einer Erkrankung wie Asthma keine Atemschutzmaske tragen dürfe, müsse ein ärztliches Attest vorlegen.

          Bankräuber mit Corona-Maske

          Und wie sieht es in der Praxis aus? In einer großen Filiale der Deutschen Bank in Frankfurt finden sich Aushänge über die Maskenpflicht und allgemeine Schutzmaßnahmen an der Eingangstür. „Wichtige Information: Auch bei uns gilt die Verpflichtung, einen Mund- und Nasenschutz zu tragen. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Sie nur so geschützt einlassen können.“ Doch wie überall nehmen nicht alle Menschen solcherlei Vorschriften und überhaupt die Gefahren des Coronavirus ernst.

          Aushang zu den Schutzmaßnahmen der Deutschen Bank
          Aushang zu den Schutzmaßnahmen der Deutschen Bank : Bild: Picture-Alliance

          Von den drei an diesem Samstagmorgen gleichzeitig im Selbstbedienungsbereich befindlichen Personen trägt nur eine die Maske vom Betreten der Bank an. Ein Kunde kommt und geht später wieder konsequent ganz ohne Schutz. Der Dritte im Bunde setzt die Maske immerhin dann auf, als er am Geldautomaten auf die Ausgabe der Scheine wartet.

          Das neue, ungewohnte Umfeld lockt natürlich Ganoven. In den Schalterhallen der Kreditinstitute müssen die Angestellten daher wohl künftig noch aufmerksamer und wachsamer sein als üblich – nicht nur, was das Einhalten der Schutzvorschriften anbelangt. Im Zweifelsfall könnten sie Kunden auffordern, die Maske zu lüften oder sogar die Geschäftsräume zu verlassen, ist aus Bankkreisen zu hören. Manche Institute setzen zudem auf mehr Präsenz durch Sicherheitspersonal. In einer Sparkassen-Filiale in Mönchengladbach sah allerdings ein Bankräuber im Mai seine Chance gekommen und nutzte die neue „Gunst“ der Stunde. Der Mann zückte seine Waffe und entkam – mit Corona-Maske und Beute.

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