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Denkfehler, die uns Geld kosten : Wie es war im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit

  • -Aktualisiert am

Bild: Getty Images/Vetta

Menschen haben einen hartnäckigen Hang zum Bewährten. Das vereinfacht das Leben, verhindert aber eine Anpassung an neue Umstände.

          “Amerikas beste Hausfrau“ wird sie bisweilen genannt, und über sie kursieren natürlich viele Geschichten: Jahrelang, so heißt es, habe Martha Stewart, im amerikanischen Fernsehen durch Kochrezepte und Haushaltstipps zur Ikone avancierte Ratgeberin, bei ihrem Weihnachtsschinken die beiden Enden abgeschnitten - weil schon ihre Mutter das immer so machte. Eines Tages soll die Tochter der besten amerikanischen Hausfrau gefragt haben, warum sie das denn tue - welcher Sinn sich denn hinter diesem Ritual verberge, die Enden hätten perfekt ausgesehen, so dass es aus kulinarischer Perspektive keinen Grund gegeben habe, sie wegzuschneiden.

          Verblüfft über die Frage und den Scharfsinn ihrer Tochter, rief Martha Stewart ihre Mutter an und fragte, warum sie denn eigentlich die Enden des Schinkens immer abgeschnitten habe, und die Antwort der Mutter war verblüffend: Als Martha selbst noch ein kleines Mädchen war, hatte ihre Mutter nur Pfannen, die zu klein waren für den typischen Weihnachtsschinken, deswegen schnitt sie immer die Enden ab. Bedenkt man, dass Amerikas beste Hausfrau ein ganz anderes Arsenal an Pfannen ihr Eigen nennt als ihre Mutter vor vielen Jahren, ist klar, dass es komplett überflüssig und nutzlos war, die Enden des Weihnachtsschinkens abzuschneiden.

          „Ich will so bleiben, wie ich bin“

          Psychologen haben längst eine Bezeichnung für dieses Verhalten - Status-quo-Bias nennen sie es, was man am besten mit dem Satz „Ich will so bleiben, wie ich bin“ übersetzen könnte. Vereinfacht gesagt: Wir tun das, was wir immer tun, ohne es zu hinterfragen. Wenn Menschen wählen können zwischen dem bestehenden Zustand und einer Veränderung, so bevorzugen sie häufig den bestehenden Zustand, den man Status quo nennt. Mit Beispielen zu diesem Verhalten kann man ganze Regale mit Büchern füllen: Man wechselt nicht den Mobilfunkanbieter, die Bank oder den Lieferanten von Wasser oder Strom, man nimmt immer den gleichen Weg zur Arbeit, isst das gleiche Stamm-Menü, wählt die gleiche Freizeitgestaltung oder wechselt nicht den Job. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, er liebt es, dass die Dinge so sind, wie sie sind. Und so wie Martha Stewart hinterfragen wir nicht den Sinn dieser Routinen.

          Das gilt auch für unsere Finanzen: Ihr Erbonkel hat Ihnen ein stattliches Sümmchen hinterlassen - wie wollen Sie es anlegen, in Aktien, Anleihen oder Immobilien? In Experimenten zeigt sich, dass Menschen das Geld des Erbonkels tendenziell immer in der Anlageform investieren, in denen es ihnen der (fiktive) Erbonkel hinterlassen hat: Hat der Onkel Aktien vererbt, so investiert man das Erbe in Aktien, hat er Anleihen vererbt, so steckt man das Geld in Anleihen. Selbst beim Investieren sind wir die Sklaven unserer Gewohnheiten. Die Folgen für die Brieftasche können drastisch sein: Wir kaufen zu teure Produkte, weil wir sie schon immer gekauft haben, und machen beim Investieren immer wieder die gleichen Fehler.

          Auch Unternehmen tappen in die Gewohnheitsfalle: Sie halten an einmal getroffenen Fehlentscheidungen fest und richten ihre Geschäftspolitik zu sehr an dem aus, was sie in der Vergangenheit gemacht haben. Lässt man Versuchspersonen fiktive Firmen managen, stellt sich heraus, dass ihre Budgetentscheidungen stark von den Budgetentscheidungen der vergangenen Jahre beeinflusst sind. Oder wie der Chef dann zu sagen pflegt: Das haben wir schon immer so gemacht.

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