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Denkfehler, die uns Geld kosten (34) : Auf die Verlierer kommt es an

  • -Aktualisiert am

Bild: © Images.com/Corbis

Anleger schauen nur auf Firmen mit Erfolg. Und vergessen dabei die Unternehmen, die gescheitert sind. Dabei kann man von den Verlierern viel lernen.

          Im Zweiten Weltkrieg schickten die Engländer fast täglich Bomber über den Ärmelkanal - ein Unterfangen, von dem viele Piloten nicht zurückkehrten. Um die Überlebenschancen ihrer Piloten zu verbessern, beschlossen die englischen Ingenieure, ihre Maschinen besser zu panzern - aber an welchen Stellen?

          Die Ingenieure gingen pragmatisch vor: Sie untersuchten die von den Einsätzen zurückgekehrten Flieger: An den Stellen, an denen sie die meisten Einschusslöcher fanden, brachten sie zusätzliche Panzerung an. Unglücklicherweise steigerte die Extra-Panzerung die Überlebenswahrscheinlichkeit der Piloten nicht, weswegen die Ingenieure mutmaßten, dass die Flugzeuge durch die Panzerung zu schwer und damit schlecht manövrierbar wurden.

          Wer scheitert, der wird vergessen

          Dann kam der Mathematiker Abraham Wald und machte einen merkwürdigen Vorschlag: Er riet den Ingenieuren, die Flieger nicht dort zu panzern, wo viele Einschusslöcher waren, sondern dort, wo es keine Einschusslöcher gab. Sein Gedanke: Maschinen, die mit Einschusslöchern nach Hause zurückkehrten, hatten offenbar nur dort Einschüsse, wo diese kaum Schaden anrichteten. Die Flugzeuge hingegen, die an den Stellen getroffen wurden, an denen die Heimkehrer keine Einschusslöcher aufwiesen, kehrten nicht nach Hause zurück. Die Einschusslöcher bei den Heimkehrern befanden sich also an harmlosen Stellen und nicht dort, wo sie zum sofortigen Absturz des Flugzeugs führten. Der Irrtum der Ingenieure war so fatal, dass Statistiker ihm den Namen „Survivorship-Bias gaben - frei übersetzt: „Verzerrung zugunsten der Überlebenden“.

          Vereinfacht gesagt bedeutet diese Verzerrung, dass man nur die Überlebenden wahrnimmt, aber nicht diejenigen berücksichtigt, die gescheitert sind - weswegen man einen falschen Eindruck von der Überlebenswahrscheinlichkeit bekommt. Beispiele für diese Verzerrung gibt es viele: Menschen werden Schauspieler, Musiker, Schriftsteller oder Sportler, weil die Medien nur über die erfolgreichen Schauspieler, Musiker, Schriftsteller und Sportler berichten - dass hinter jedem Star wohl Hunderte von gescheiterten Möchtegern-Stars stehen, registriert man nicht und überschätzt dadurch grandios die Wahrscheinlichkeit, es selbst nach ganz oben zu schaffen.

          Verluste ausgemusterter Fonds tauchen nicht in den Daten auf

          Ein anderes Beispiel sind zahlreiche Beratungsbücher, die Strategien für den Berufserfolg verraten und deren Überlegenheit anhand von Beispielen dokumentieren. Das Problem an diesen Ratgebern: Sie verraten nichts darüber, in wie vielen Fällen die propagierten Strategien nicht funktioniert haben.

          Auch auf den Finanzmärkten findet sich der Survivorship-Bias, beispielsweise in der Fondsindustrie: Berechnet man die Wertentwicklung einer Fondsklasse oder der Produktpalette einer Fondsgesellschaft über mehrere Jahre und lässt man dabei die Verluste der Fonds außen vor, welche nicht überlebt haben, überschätzt man systematisch die Rendite. Die Verluste der ausgemusterten Fonds tauchen dann nicht mehr in den Daten auf. Das kann sich - je nach Methode und Datenbasis - rasch auf einen Renditeunterschied von 0,22 bis zu 1,57 Prozentpunkten pro Jahr summieren, die ein Portfolio besser abschneidet, weil die Verlierer vergessen wurden.

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