https://www.faz.net/-hbv-74pat

Themenwoche „Richtig einkaufen“ : Einkaufswelt mit Smartphone und Facebook

Derzeit ist Einkaufen mit dem Handy nicht nicht wirklich im Trend Bild: dpa

Neue Medien verändern Einkaufsgewohnheiten. Das Smartphone wird immer wichtiger – doch nur als Informationsmedium. Über Facebook will auch niemand kaufen, aber wissen wie die anderen so shoppen.

          War früher einmal das Gedränge zur Weihnachtszeit schon optisch ein Indikator dafür, wie es den Menschen geht, so hat sich das in der Welt des Online-Shoppings deutlich verändert. Dabei zeigt sich: Das Gedränge im Laden nimmt ab, hört aber nicht auf.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nur rund ein Viertel der Deutschen beschränkt sich beim Suchen und Vergleichen von Produkten ausschließlich auf das Internet. Der Anteil der digitalen Verweigerer ist unwesentlich geringer, rund die Hälfte nutzt beide Wege zur Information. Das geht aus einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte Touche hervor.

          Online vergleichen, offline kaufen

          Wenn es ums letztliche Kaufen geht, suchen rund zwei Drittel am Ende aber wieder den Laden auf. Häufigstes Argument ist, dass man in diesem Fall das Produkt unmittelbar nach Hause mitnehmen kann. Wer dagegen online shoppt, geht meist den ganzen Weg und lässt eher nach Hause liefern als das Produkt selbst abzuholen.

          Eine zunehmend größere Rolle spielt beim Einkaufen das Handy. Europaweit haben 20 Prozent der Befragten schon einmal mit dessen Hilfe eingekauft (2011 waren es erst 18 Prozent). 41 Prozent planen dies künftig zu tun. Vorreiter sind dabei die Osteuropäer, allen voran mit 63 Prozent die Russen.

          Misstrauen gegen Einkaufen mit Handy und Apps

          Die Deutschen sind zwar schon überdurchschnittlich dabei, doch das Wachstumspotential liegt darunter. Haupthindernis ist das fehlende Vertrauen in die Zahlungssicherheit, die fast jeden Dritten verunsichert. Jedem Sechsten fehlt das richtige Handy, jedem Fünften ein besserer Internet-Zugang und ebenso vielen die richtigen Apps.

          Das passt auch zum Verhalten amerikanischer Nutzer. Weniger als jeder Vierte nutzt Apps nach einer Erhebung der Werbeagentur Steelhouse bisher zum Einkauf, zwei Drittel ziehen es vor, zum Einkauf die Internetseite zu nutzen.

          Online -> Offline -> App -> Online

          Zum gleichen Ergebnis kommt auch die auf digitales Marketing spezialisierte Unternehmensberatung Accenture Interactive. Ihre Studie zeigt auch einen typischen Weg für modernes Einkaufen auf:  60 Prozent der britischen und amerikanischen Käufer unter 40 Jahren lassen sich durch günstige Preise in einem Online-Shop in ein Ladengeschäft locken.

          Dort vergleichen 72 Prozent mittels eines mobilen Gerätes Preise – doch 80 Prozent verlassen dann den Laden, um online zu kaufen. 60 Prozent kaufen dabei beim gleichen Händler, 40 Prozent bei einem anderen.

          So wird das Ladengeschäft immer mehr zum Ausstellungsraum. Baiju Shah, Direktor für Strategie, empfiehlt den so bedrohten Einzelhändlern auf eine nahtlose Integration von On- und Offlinegeschäft zu setzen und nicht auf Preiswettbewerb.

          Facebook: Shopping-Tratsch statt Einkaufsrausch

          Auch die sogenannten sozialen Medien spielen beim Einkaufen eine immer größere Rolle. Wenig überraschend ist, aber dass das am wenigsten mit den Händlern selbst zu tun hat. Denn gerade einmal jeder sechste Deutsche nutzt die Fanseiten der Händler. Aber mehr als die Hälfte informiert sich durch Besprechungen anderer Nutzer und knapp die Hälfte sucht Geschenkideen. Jeder Dritte spielt übrigens Detektiv und forscht nach, was Freunde und Familie sich wohl so wünschen könnten. Ein weiteres Motiv ist indes die Jagd nach Rabatten, die europaweit vor allem in krisengeplagten Ländern wie Irland, Portugal und Griechenland, aber auch in Dänemark im Vordergrund steht.

          Ralf Klein-Bölting, Direktor für Strategie, Marketing & Werbung beim Versandhändler Otto sieht den Verkauf über soziale Netzwerke generell noch in den Kinderschuhen stecken. Gut laufe dagegen das Blog und Web-TV-Portal „Two for Fashion“ als Informationsmedium, sagte er unlängst der Zeitschrift „Der Handel“, also die Informationswelt.

          Allerdings sei wohl weniger „der letzte Cookie“ entscheidend. Womöglich werde das Interesse zwar in einem sozialen Netzwerk geweckt, der entsprechende Artikel aber erst später im Online-Shop gekauft. Oder aber, die Kunden wollten in sozialen Netzwerken gar nicht einkaufen, sondern sich einfach nur austauschen wie einst am Telefon.

          Aufschluss geben amerikanische Statistiken. Diese sprechen für die These von der Einkaufsanbahnung in sozialen Medien. Dort gab zuletzt jeder dritte Facebook-Nutzer an, etwas gekauft zu haben, nachdem er oder sie es in seinen Nachrichten oder auf einer Freundeseite gesehen hatten. Noch erfolgreicher ist die virtuelle Pinnwand „Pinterest“, mit der Nutzer einander auf interessante Dinge aufmerksam machen. 59 Prozent der Nutzer kamen so zu Einkäufen.

          Weitere Themen

          Die Liebe zum Bargeld schwindet

          Trend : Die Liebe zum Bargeld schwindet

          Die Deutschen gelten gemeinhin als bargeldverliebt. Doch diese Liebe scheint allmählich zu erkalten. Fachleute erwarten eine rasante Beschleunigung des Trends zum elektronischen Bezahlen.

          Topmeldungen

          Jeder hat sein Kreuz zu tragen: Matteo Salvini am Strand auf Sizilien.

          Italienische Regierung : Ohne den Segen des Papstes

          Italiens Innenminister Salvini gibt sich gerne als gläubiger Christ. Damit hat er den Zorn Franziskus’ auf sich gezogen – und am Ende auch den des scheidenden Ministerpräsidenten Conte.

          An Scholz’ Seite : Manchmal liegt das Glück ganz nah

          Das Rennen um den SPD-Vorsitz geht weiter: Wofür die Kandidatin an Scholz’ Seite steht – und wieso der erfolgsverwöhnte Niedersachse Stephan Weil plötzlich beschädigt ist.
          Der Charging Bull, eine Bronzestatue im Financial District in Manhattan, New York.

          Amerikas Wirtschaft : Das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen?

          Amerikas Manager-Elite gibt sich neue Prinzipien: Sie will Aktionäre nicht mehr über alles andere stellen. Ihre eigene Vergütung dagegen ist bisher kein Thema.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.