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Das große Shoppen : Einkaufen mit gutem Gewissen

Ohne Plastikverpackung sieht das Gemüse viel appetitlicher aus. Bild: plainpicture/Lubitz + Dorner

Gurken ohne Plastik, Shampoo ohne Silikon: Umweltschonend einkaufen ist gar nicht schwer. Manche Ökosiegel führen allerdings in die Irre.

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          Fast alle Unternehmen tun es. Die einen mehr, die anderen weniger, und die dritten nur dem Anschein nach. Sie schreiben sich Nachhaltigkeit, Umweltfreundlichkeit und faire Arbeitsbedingungen auf ihre Fahnen. Und das hat einen Grund: Einer Umfrage im Auftrag von Tetrapak zufolge gewichten die Verbraucher bei ihren Kaufentscheidungen nicht mehr nur Preis und Qualität, sondern auch die Umweltverträglichkeit des Produktes spielt eine immer größere Rolle. Allerdings macht ein grünes Logo noch keinen Umweltschützer. Viele Konzerne betreiben sogenanntes „green-washing“. Das heißt, sie tun vordergründig ökologisch und fair, sind es aber bei genauerem Hinsehen nicht. Wer einkaufen will, ohne auf solche Blender hereinzufallen und wer der Natur etwas Gutes tun will, sollte einige Hinweise beherzigen.

          Anna Steiner

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Die Branche, in der Bioprodukte am weitesten verbreitet sind, ist die Lebensmittelindustrie. Der Anteil der Biolebensmittel wächst seit Jahren kontinuierlich. Es gibt mehr Ökobauern und damit auch mehr Bioprodukte. In jedem Supermarkt finden sich entsprechend gekennzeichnete Produkte. Von der Gemüse- und Obsttheke über das Kühlregal bis hin zu den Teigwaren: Es gibt kaum ein Produkt, das es nicht auch in Bio gibt – meist freilich verbunden mit einem Preisaufschlag. Doch Vorsicht: Nicht überall, wo Bio draufsteht, ist auch Bio drin.

          Einige Hersteller schreiben Hinweise auf ihre Verpackungen oder entwerfen siegelähnliche Aufdrucke, die dem Kunden ein möglichst positives Bild vermitteln sollen. Trauen sollte man nur den offiziellen Gütesiegeln für ökologisch erzeugte Lebensmittel, dem Bioschriftzug in grünem Sechseck oder dem EU-Siegel, einem aus Sternchen geformten Blatt auf hellgrünem Hintergrund. Zudem sind die Siegel einiger Marken anerkannt und werden regelmäßig überprüft: Bioland etwa oder Demeter.

          Unverpackt-Läden gegen Verpackungsmüll

          Es müssen aber nicht immer ökologisch angebaute Tomaten sein. Auf dem Wochenmarkt finden sich viele Bauern, die zwar konventionell anbauen, ihre Produkte aber überwiegend regional verkaufen. So ersparen sie ihrer Ware und der Umwelt lange Transportwege. Auch das schont Ressourcen, auch wenn es nicht Bio pur ist. Manchmal hat die konventionell angebaute Salatgurke ohne Plastikverpackung aus der Region eine bessere CO2-Bilanz als die ökologisch angebaute Gurke in der Plastiktüte, die aber einen langen Weg bis in den Supermarkt zurückgelegt hat.

          Auch beim Einkauf von Badzubehör lohnt sich ein Blick aufs Kleingedruckte. Rasierschaum oder Haarspülung enthalten oft Weichmacher wie Silikon und versprechen mehr Geschmeidigkeit. Körper-Peelings enthalten häufig winzige Plastikpartikel, die als Granulat Teile der Hautschicht abtragen und so die Haut glätten. Es handelt sich dabei um sogenanntes Mikroplastik, das nahezu allen Wasserfiltern entkommt und am Ende im Meer landet. Die am häufigsten in der Kosmetik verwendeten Kunststoffe sind Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP). Dabei braucht es das gar nicht: Pflegemittel aller Art gibt es auch ohne Kunststoff-Zusätze. Als Peeling-Granulat kann gewöhnlicher Zucker herhalten, Kieselsäure oder Jojobaperlen.

          Wer seinen CO2-Abdruck noch weiter verkleinern möchte, kann in sogenannten Unverpackt-Läden einkaufen. In fast allen größeren Städten gibt es diese kleinen Supermärkte inzwischen. Sie verzichten vollständig auf Verpackungen. Stattdessen bringen die Kunden ihre eigenen Dosen und Taschen mit und wiegen im Laden ab, was sie brauchen. Wem das zu umständlich ist, der kann zumindest versuchen, nicht jedes Mal an der Supermarkt-Kasse eine Plastiktüte mitzunehmen, die dann zu Hause postwendend im Müll landet. Denn: Wir Deutschen sind Verpackungsmüll-Europameister. Kein anderes europäisches Land verbraucht so viel Kartonagen und Plastik wie wir.

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