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Abseits der Börse : Chinas Kunstmarkt ist eine Spielwiese für Geldwäsche

Die Art Basel in Hongkong ist gut besucht. Bild: dpa

Auf der Art Basel in Hongkong tummeln sich die Superreichen. Nicht allen Käufern geht es um die Werke selbst.

          Zwei Stunden nachdem am Mittwoch die Türen für geladene VIP-Gäste in der Kongresshalle am Victoria-Hafen geöffnet haben, herrscht an den Ständen von Asiens größter Kunstmesse reger Betrieb. Richtig voll ist es aber nur in einem Nebenraum der Art Basel Hongkong: in der „Sammler-Lounge“, wo die Sponsoren betuchten Käufern Champagner und Kanapees reichen.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Die MGM-Spielbank aus dem chinesischen Zockerparadies Macau, betrieben von der Tochter von Kasino-König Stanley Ho, bittet Asiens reiche Kunstsammler auf weiße Ledersofas. Der Schweizer Uhrenhersteller Audemars Piguet, die zu Beiersdorf gehörende Luxuskosmetikmarke La Parairie, der italienische Superyachtbauer Sanlorenzo: sie alle werben um die Besucher der weltberühmten Messe für Gegenwartskunst, am dritten Standort neben den Schauen im amerikanischen Miami und am Herkunftsort an der Grenze zu Deutschland.

          Wer im hinteren Teil der „Sammler-Lounge“ die Rolltreppe hinauf will zum Hauptsponsor, dem verweigern die Sicherheitsleute trotz VIP-Pass den Zutritt. Dort oben, im vierten Stock, hält die UBS Hof. Menschen, die bei dem global größten Vermögensverwalter mindestens 5 Millionen Dollar angelegt haben, werden eigentlich fürsorglich umworben von den Beratern der „Private Wealth“-Abteilung, des größten Geschäftsfelds der Schweizer Bank. Doch für eine Einladung in die „UBS Lounge“ auf der Art Basel reicht es nicht, einfacher Millionär zu sein.

          Dort hängen an der Wand Bilder aus der unternehmenseigenen Kunstsammlung, mit 35 000 Werken eine der größten der Welt und unverkäuflich. An Holztischen sitzen auf graubezogenen Designersesseln elegant gekleidete Chinesinnen neben ihren Männern in schwarzen Prada-Shirts zu 1000 Dollar das Stück: die Reichsten der Reichen der Volksrepublik China.

          Superreiche in China schätzen moderne Kunst

          Martin Blessing tritt kurz an den Tisch und sagt „Hallo“, dann verschwindet er in einem Nebenraum, vor dem noch mehr Sicherheitsmänner mit Knopf im Ohr stehen als im Rest der Lounge. Der frühere Commerzbank-Chef ist bei UBS als Präsident des „Private Wealth“ dafür zuständig, die Superreichen zu charmieren. Davon gibt es in China reichlich: 373 Dollar-Milliardäre zählte Ende Oktober eine UBS-Studie auf. Seitdem dürften es noch einmal mehr geworden sein, auch wenn der Einbruch des chinesischen Aktienmarkts um ein Fünftel im vergangenen Jahr viele Vermögen geschmälert hat. Im Schnitt bringt die Volksrepublik jede Woche zwei neue Milliardäre hervor. Weltweit leben bereits ein Fünftel der Superreichen in China.

          Schon länger haben diese moderne Kunst als eine Anlageklasse zu schätzen gelernt, die zuverlässiger ist als der Aktienmarkt und mitunter höhere Renditen abwirft. Zum siebten Mal findet die Art Basel in Hongkong statt. Die Stadt hat sich zum Zentrum für Asiens Kunstindustrie entwickelt. Der Grund ist jenseits der Grenze der Insel und Sonderverwaltungszone zu finden, auf dem Festland. Auf China, rechnet der diesjährige „Art Market Report“ von UBS und Art Basel vor, entfiel im vergangenen Jahr ein Fünftel des weltweiten Umsatzes mit Kunst. In Zahlen: 12,9 Milliarden Dollar wurden dort mit dem Verkauf von Gemälden und anderen Werken erzielt. Damit steht das Land in der Kunstwelt hinter den Vereinigten Staaten und Großbritannien an dritter Stelle.

          Bis vor fünfzehn Jahren war Kunst als Anlageklasse in China weitgehend unbekannt und ist deshalb bis heute wenig reguliert. Dass die Verkäufe chinesischer Kunst in den vergangenen Jahren regelrecht in die Höhe geschossen sind, hat auch damit zu tun, dass sich leicht Geld waschen lässt mit Waren, deren Wert kein Zollbeamter einzuschätzen vermag: wer kann schon sagen, ob eine Kalligraphiezeichnung tatsächlich am Markt die 1 Million Dollar erzielen würde, die der Käufer im Hongkonger Auktionshaus bezahlt hat?

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