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Abseits der Börse : Chinas Kunstmarkt ist eine Spielwiese für Geldwäsche

Zu völlig übertriebenen Preisen versteigert

Der frühere UBS-Banker Bradley Birkenfeld schmuggelte einst die Diamanten seiner Klienten in Zahnpastatuben an den Steuerbehörden aus dem Land. Dass es eleganter ist, sein Geld mit Hilfe von extrem hohen Rechnungen für Kunstwerke aus abgeriegelten Währungsräumen hinauszubewegen, haben Chinas Reiche früh gelernt. Allein zwischen 2009 und 2011 stiegen die Preise für Kunst in China so schnell wie in keiner anderen Region auf der Welt, um weit über 300 Prozent. Nirgendwo sonst erzielte der Kunstmarkt mehr Umsatz.

Obskure Tuschezeichnungen völlig unbekannter Künstler wurden in den Auktionshäusern zu völlig übertriebenen Preisen versteigert, was es mitunter ermöglichte, den Verkäufer des eigentlich wertlosen Werks – einen einflussreichen Beamten – zu bestechen und den Geldkreislauf auf diesem Weg zu verschleiern. In China hat sich ein eigenes Wort dafür eingebürgert: „Yahui“ – was so viel heißt wie „elegante Korruption“. Eine „ideale Spielwiese für Geldwäsche“ nennt das Basel Institute on Governance den Kunstmarkt, eine Nichtregierungsorganisation, die über Korruption aufklärt.

Seitdem Staatspräsident Xi Jinping mit Hilfe seiner Antikorruptionskampagne Hunderttausende Kader, aber auch Privatunternehmer verfolgen lässt, ist den Besuchern der Art Basel in Hongkong Diskretion sehr viel wichtiger als früher. Wer in der UBS-Lounge in der Kunstmesse Bilder macht, den blicken die schwarz gekleideten Männer mit Knopf im Ohr scharf an.

Dass 2018 der Umsatz der in Hongkong auf Auktionen verkauften Kunstwerke um fast ein Viertel eingebrochen ist, könnte mit dem Skandal zu tun haben, der im vergangenen Jahr wie eine schwarze Wolke über der Art Basel hing. Wenige Wochen zuvor war am New Yorker John F. Kennedy-Flughafen der Hongkonger Sicherheitschef des Auktionshauses Christie’s verhaftet worden. Der Vorwurf: Der frühere CIA-Mitarbeiter habe im Auftrag der chinesischen Regierung in Peking spioniert. Dass es dabei vor allem um den Verrat von in Diensten Amerikas stehenden Geheimdienstmitarbeitern in China gegangen sein soll, vermochte die chinesischen Kunstkäufer kaum zu beruhigen – wer weiß schon, welche Informationen der Auktionshaus-Sicherheitschef über seine Kunden aus der Volksrepublik an die Steuerbehörden und Währungshüter in Peking weitergegeben hatte?

Internationale Galerien in bester Lage

Beobachter gehen davon aus, dass der Großteil der Käufe und Verkäufe auf dem gereiften Kunstmarkt in China mittlerweile legal ist. In Hongkong bieten die Käufer inzwischen nicht nur in den Auktionshäusern. International bekannte Galerien wie Hauser & Wirth aus Zürich und David Zwirner aus New York haben in bester Lage im eigens für die Kunst errichteten Glaspalast „H Queen’s“ Verkaufsräume eröffnet.

Die Kunstberaterin Daphne Neimann, die für vermögende Käufer nach Objekten sucht, sagt, dass auf der diesjährigen Art Basel in Hongkong vermehrt jüngere Chinesen anzutreffen seien, die im Ausland studiert hätten, gut Englisch sprächen und auf den einschlägigen Szenepartys echtes Interesse an der Kunst zeigten. Auch in der Finanzszene der Stadt ist davon die Rede, dass jüngere, reiche Chinesen mittlerweile zu erkennen gäben, für ein einzelnes Kunstwerk bis zu 50 Millionen Dollar ausgeben zu wollen. Studien sprechen davon, dass die jüngere Sammlergeneration anstelle chinesischer Malerei und Handwerk vermehrt Kunst aus dem Westen kaufe.

In der 400 Seiten starken UBS-Studie über Chinas Kunstmarkt taucht das Wort „Geldwäsche“ nur ein einziges Mal auf: Die Regulatoren würden mittlerweile stärker dagegen vorgehen. Vor kaum etwas hat Peking in Zeiten des Handelskonflikts mit Amerika so sehr Angst wie vor massenhaftem Kapitalabfluss aus dem eigenen Land. Erst im Februar verschärfte die Regierung die Strafen für illegalen Geldtransfer über die Grenze erheblich.

Wer angesichts dessen in China seine im Ausland erworbene Kunst vielleicht erst einmal behalten und nicht zu Geld machen will, für den hat Chinas Immobilienwirtschaft gewohnt schnell schon ein Angebot geschaffen: Neu gebaute Luxusvillen wie etwa im Resort Amanyangyun in einem Außenbezirk Schanghais, die Käufer für umgerechnet 20 Millionen Euro erwerben können, sind großflächig unterkellert – für die eigene Kunstgalerie, den angrenzenden Panikraum mit Panzertür inklusive.

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