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Bundesbank-Monatsbericht : „Stupid German Money“ ist ein Märchen

Geld im Koffer? Eher nicht bei deutschen Anlegern. Bild: Picture-Alliance

Deutsche können im Ausland kein Geld anlegen? Stimmt gar nicht, sagt die Bundesbank. Zumindest dort legten sie es sogar besser an als Ausländer in Deutschland.

          Das deutsche Netto-Auslandsvermögen hat sich innerhalb eines Jahrzehnts auf rund 1,8 Billionen Euro fast verdreifacht, zeigt eine neue Analyse der Bundesbank. Im wachsenden Auslandsvermögen spiegeln sich die hohen Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands wider. Ein Hauptgrund für den großen deutschen Kapitalstrom ins Ausland ist nach Einschätzung der Bundesbank die hohe Sparneigung der alternden Gesellschaft.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Die Rendite der Auslandsanlagen war dabei „keineswegs schlechter“ als die vergleichbarer Anlagen im Inland, stellen die Bundesbank-Ökonomen in ihrem am Montag veröffentlichten Monatsbericht fest. Dies steht entgegen der Behauptung von „Stupid German Money“ – die Deutschen seien international besonders dumme Geldanleger, heißt es zuweilen polemisch in Finanzkreisen.

          Die Bundesbank sieht das anders. „Den deutschen Anlegern wird bisweilen vorgeworfen, ihr Geld ineffizient und somit falsch zu investieren“, schreibt sie. Aber die Renditen für die verschiedenen Anlageklassen im vergangenen Jahrzehnt zeigen das Gegenteil. So lag die Rendite der deutschen Direktinvestitionen im Ausland in den Jahren 2008 bis 2017 bei durchschnittlich 5,2 Prozent.

          Deutsche legten ihr Geld besser an als Ausländer in Deutschland

          Mit dem Kauf von ausländischen Schuldverschreibungen erzielten die Deutschen sogar mehr Rendite (4,7 Prozent) als mit ausländischen Aktien und Investmentzertifikaten (4,5 Prozent). Dies lag vor allem an dem Aktienkurseinbruch im Zuge der Finanzkrise vor zehn Jahren, während Anleihen in der Niedrigzinsphase hoch bewertet sind. Die übrigen Kapitalanlagen und Währungsreserven der Bundesbank kamen auf 2,2 Prozent Rendite.

          Die Gesamtrendite aller Anlagen betrug laut Bundesbank 3,7 Prozent jährlich. Das war etwas mehr als ausländische Investoren auf ihr deutsches Anlagevermögen erhielten (3,3 Prozent). Die Deutschen haben ihr Geld im Ausland also nicht schlechter, sondern etwas besser angelegt als Ausländer in Deutschland. Insgesamt „überschaubar“ seien die Risiken der Wertanlagen im Ausland, heißt es von der Bundesbank.

          Vermögensverluste aufgrund von Marktpreis- oder Wechselkursänderungen seien aber nicht auszuschließen. Die Nettoposition von 1,8 Billionen Euro errechnet sich aus Bruttoforderungen von 8,4 Billionen Euro abzüglich 6,6 Billionen Euro Verbindlichkeiten. Deutschland hat weltweit das zweitgrößte Auslandsvermögen nach Japan. Die Vereinigten Staaten hingegen sind im Ausland hoch verschuldet.

          Das Auslandsvermögen ist nur ein Bruchteil des gesamten Volksvermögens, das die Bundesbank mit 16,5 Billionen Euro beziffert. Für rund 550 Milliarden Euro haben Deutsche Direktinvestitionen im Ausland getätigt, etwa je zur Hälfte inner- und außerhalb des Euroraums. Hinzu kommen Wertpapieranlagen von gut 380 Milliarden Euro. Anlagen in Fonds und Versicherungen spielen eine wachsende Rolle.

          Der Staat ist netto im Ausland kräftig verschuldet. Ein großer Teil des deutschen Auslandsvermögens, netto mehr als eine halbe Billion Euro, sind allerdings die Auslandsforderungen der Bundesbank, darunter die Target-Forderungen an das Eurosystem. Auf Letztere erhält sie den Leitzins von null.

          Alterung der Bevölkerung

          Als entscheidenden Grund für die hohen privaten Ersparnisse im Ausland sieht die Bundesbank die Alterung der Bevölkerung, die zu einer hohen Sparquote führt. Das Auslandsvermögen bildet gleichzeitig die hohen Leistungsbilanz- und Exportüberschüsse der hiesigen Wirtschaft ab.

          Vereinfacht ausgedrückt heißt dies: Deutsche liefern Waren an die Welt und den Kredit oder das Kapital zum Bezahlen der Rechnung mit. Teils wurden die hohen Leistungsbilanzüberschüsse als destabilisierende „Ungleichgewichte“ kritisiert. Nach Ansicht der Bundesbank trifft das nicht zu. Deutschland stelle anderen Ländern auch viel Eigenkapital bereit und trage damit zu einer Stärkung der internationalen Risikoteilung bei.

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