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Bonität : Was ein Rating ist

Herrscher über die Bonitätswelt Bild: dpa

Vielen Menschen begegnete in der Griechenlandkrise ein neuer Begriff, den andere wie selbstverständlich gebrauchten: Rating. Dieses entschied mit über den Untergang eines Landes oder gar eines Währungsraums. Doch was ist das überhaupt? Eine Erklärung.

          Wenn ruchbar wird, dass griechische Finanzpolitiker mit Hilfe internationaler Banken die Verschuldung des Landes nach unten manipuliert haben oder wenn Finanzinvestoren einem Unternehmen die Kosten der Übernahme aufbürden, ruft dies die Analysten der Rating-Agenturen auf den Plan.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Diese stellen dann eine Überprüfung der Einschätzung der Kreditwürdigkeit des Landes oder Unternehmens in Aussicht, wenn sie diese in besonders drastischen Fällen wie dem Griechenlands nicht sofort ändern.

          Amerikaner dominieren die Bonitätseinschätzungen

          Für die betroffenen Staaten ist dies kein Vorgang von geringer Bedeutung. Ähnlich wie die Schufa-Biographie eines Bürgers darüber entscheidet, ob und wie viel Geld ihm eine Bank zu leihen bereit ist, so haben die Bonitätseinschätzungen einen direkten Einfluss auf die Finanzierungskosten des Kreditnehmers. Damit wirken sie unmittelbar auf die Verschuldung zurück und können somit von diesen nicht auf Dauer außer Acht gelassen werden, wollen diese den Kapitalmarkt anzapfen, um nicht die Kosten oder Ausgaben drastisch beschneiden oder im Falle von Staaten die Steuern massiv erhöhen zu müssen.

          Die große Bedeutung der Ratings geht auf die Tatsache zurück, dass der Markt der Agenturen, die für ihre Rating-Studien von den Anleiheemittenten entlohnt werden, recht ungleich verteilt ist. Mehr als 90 Prozent entfallen auf die drei amerikanischen Agenturen Moody's, Standard & Poor's (S&P) und Fitch, wobei die beiden ersteren noch einmal mehr als doppelt so groß sind wie Fitch.

          Von den 135 Staaten, die eine Bonitätsnote von einer oder mehreren Agenturen haben bewerten Moody's und S&P jeweils mehr als 80 Prozent, Fitch etwa drei Viertel. Die japanischen Agenturen Ratings & Investment und JCR etwa bewerten nur ein Viertel oder ein Drittel der Staaten. Aus diesem Grund finden zumindest in Europa und Amerika fast ausschließlich die Ratings der drei großen Agenturen Beachtung. Veränderungen ihrer Einschätzungen oder die Ankündigung einer Überprüfung sind geeignet, Anleihenkurse ins Rutschen zu bringen.

          Grundsatzfrage: Investmentwürdig oder spekulativ?

          Die Noten-Skala der Agenturen ist vergleichbar, Fitch und S&P benutzen die gleiche Skala, die auch für Durchschnittsratings Verwendung finden. Grob werden zwei Bereiche unterschieden: Investmentwürdige Anleihen (Investment-Grade) und spekulative Anleihen (Hochzinsanleihen, auch als Ramschanleihen oder Junkbonds bezeichnet).

          Letztere wurden ursprünglich vor allem von Emittenten begeben, die sich in finanziellen Schwierigkeiten befanden und als „Gefallene Engel“ bezeichnet wurden. Erst in den Achtziger Jahren etablierten sie sich als eigene Anleiheklassen. Seitdem sind „Gefallene Engel“ Emittenten, die ihr Investment-Grad-Rating verloren haben.

          Ist von Hochzinsanleihen die Rede sind meist von Unternehmen begebenen Schuldverschreibungen die Rede, wenngleich auch zahlreiche Staaten zu den Emittenten spekulativer Anleihen zählen.

          Die Notenskala besteht aus einer Kombination der Buchstaben A bis D sowie Ziffern bzw. Plus- und Minuszeichen. Mehrere gleiche Buchstaben stets besser sind als einzelne. „A“ bezeichnet dabei den besten Rating-Bereich, so dass die Bestnote „AAA“ bzw. „Aaa“ (Moody's) lautet. Die Trennlinie zwischen Investment-Grad und spekulativen Anleihen verläuft zwischen „BBB-“ und „BB+“ bzw. „Baa3“ und „Ba1“ auf der Moody's-Skala. Am unteren Ende laufen die Skalen etwas auseinander. Während S&P im Falle einer Zahlungsaussetzung die Note „D“ vergibt, ist dies bei Moody's typischerweise ein „C“.

          Indes vergeben die Agenturen nicht nur eine, sondern vier bis fünf Noten. Im Falle von Staatsanleihen sind dies Noten sowohl für Schulden in heimischer als auch in fremder Währung, und zwar jeweils für die kurze und die lange Frist. Dabei hat sich der Unterschied zwischen den Lokalwährungs- und Fremdwährungs-Ratings im Laufe der Zeit angeglichen. Die Gründe für die getrennte Bewertung sei angesichts der breiteren Devisenmärkte, der größeren Investorenzahl und Flexibilität der Zahlungsbilanzen schwächer geworden, schrieb zuletzt die Rating-Agentur Moody's.

          Ein Rating kommt nie allein

          Im allgemeinen ist, wenn vom „Rating“ einer Staatsanleihe die Rede ist, das langfristige Rating gemeint, beim eigenen Land bezogen auf die heimische, bei anderen Ländern bezogen auf fremde Währung. Die Kurzfrist-Ratings werden auf einer anderen Notenskala bewertet.

          Bei Unternehmensanleihen werden unterschiedliche Noten ebenfalls nach Währung und Fristigkeit des Ratings, zudem nach Art und Ranghöhe der Schulden vergeben. Viele dieser Noten sind indes gleich. Banken erhalten zudem ein Rating für die finanzielle Stärke. Wird vom Rating gesprochen, so ist das des Emittenten gemeint, wenn nicht der Bezug auf eine bestimmte Anleihe oder einen bestimmten Kredit hergestellt wird.

          Dies findet oft wenig Beachtung, ist aber durchaus von Bedeutung. Das Rating der finanziellen Stärke der Hypo-Alpe-Adria-Bank, die in der Finanzkrise die BayernLB zum Scheitern zu bringen drohte, wurde von Moody's schon vor dem Kauf durch die Landesbank nur noch mit „D-“ beurteilt. Das bedeutete etwa, dass die Agentur, den Handlungsspielraum eingeschränkt sah und Hilfe von außen für bisweilen erforderlich hielt. Die Anleihen hatten hingegen immer noch das Rating „Aa2“, weil es Garantien des Bundeslands Kärnten gab.

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