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Abwärtsfahrt an der Börse : Dow und Dax verlieren kräftig

  • Aktualisiert am

Fallende Kurse: der Dax an der Frankfurter Börse Bild: dpa

Der Deutsche Leitindex büßt mehr als 4 Prozent ein, der Dow Jones fällt um fast 7 Prozent. In keinem der beiden Indizes gibt es Gewinner.

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          Eine düstere Konjunktureinschätzung durch die amerikanische Notenbank Fed und die Furcht vor einer zweiten Corona-Welle haben die Anleger an der Wall Street in die Flucht getrieben. Der Leitindex Dow Jones Industrial brach am Donnerstag um 6,90 Prozent auf 25.128,17 Punkte ein und fand sich damit auf dem Niveau von Ende Mai wieder. Dies war der größte prozentuale Tagesverlust auf Schlusskursbasis seit März. Zwischenzeitlich wäre der Dow fast unter die Marke von 25.000 Punkten gesackt. Für den marktbreiten S&P 500 ging es am Ende um 5,89 Prozent auf 3002,10 Punkte nach unten.

          Jerome Powell, der Vorsitzende der Fed, hatte bereits zur Wochenmitte angesichts der schweren Wirtschaftskrise infolge der Corona-Pandemie klare Worte gefunden und gesagt, dass ein erheblicher Teil der Jobverluste dauerhaft sein könnte. Hinzu kamen am Donnerstag nun neue Infektionszahlen in der Corona-Krise: In einigen südlichen Bundesstaaten, darunter Florida und Texas, stiegen die Neuinfektionen wieder. „Wir erwarten die Wiedereinführung einiger Corona-Beschränkungen in einigen Städten oder Staaten in den kommenden Wochen“, teilte das britische Analysehaus Pantheon mit.

          In diesem Umfeld machten viele Anleger weiter Kasse. So war der Dow erst zum Wochenstart mit 27.580 Punkte auf den höchsten Stand seit Ende Februar klettert. Das war ein Plus von mehr als 50 Prozent seit dem Corona-Crashtief im März. Nicht weniger Börsianer hatten bereits von einer Überhitzung des Marktes wegen der Billiggeldflut der Notenbanken gesprochen, die nichts mehr mit den realen Wirtschaftsperspektiven zu tun habe.

          Der techwertelastige Nasdaq 100 war sogar auf ein Rekordhoch gestiegen und knickte nun um 5,01 Prozent auf 9588,48 Punkte ein. Die Powell-Äußerungen scheinen die Anleger nun ein Stück weit in die Realität zurückgeholt zu haben. Im Dow notierten alle Aktien im Minus. Am besten schlugen sich noch die als weniger konjunktursensibel geltenden Aktien des Einzelhandelskonzerns Walmart , die lediglich um knapp ein Prozent nachgaben.

          Dax unter 12.000 Punkten

          Die trüben Konjunkturprognosen der Fed haben am Donnerstag auch die Anleger am deutschen Aktienmarkt verschreckt. Nach einer gut zweiwöchigen Rally scheuten die Investoren inzwischen wieder das Risiko, schrieb Marktbeobachter Edward Moya vom Broker Oanda. Der Dax setzte seinen Korrekturmodus den dritten Tag infolge fort und rutschte mit dem Schlussgong noch weiter ab unter die Marke von 12.000 Punkten. Er verabschiedete sich mit einem Abschlag von 4,47 Prozent bei 11.970,29 Punkten aus dem Handel.

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          Wegen des in einigen Bundesländern begangenen Feiertags Fronleichnam verlief der Handel zwar in ruhigen Bahnen, wobei Gewinnmitnahmen und schwache Nachfrage aber zu höheren Kursausschlägen geführt haben dürften. Zusätzlicher Verkaufsdruck kam im Verlauf von den Börsen, wo die düsteren Fed-Aussagen zur Konjunktur sowie die Sorge um eine zweite Corona-Welle ebenfalls für hohe Kursverluste sorgten. Der MDax der mittelgroßen deutschen Börsenwerte schloss mit einem Minus von 3,33 Prozent auf 25.514,79 Punkte.

          Mit dem aktuellen Kursrutsch korrigiert der Dax nun seinen jüngst enorm guten Lauf. Er war bis zum Montag in nur elf Tagen ohne größeren Stopp um bis zu fast 19 Prozent auf 12.913 Punkte nach oben gerannt, wobei die Anleger auf eine schnelle Erholung der Wirtschaft nach dem Corona-Lockdown setzten. Hier hat die Fed nun für Ernüchterung gesorgt. Die Konjunktursorgen trafen am Donnerstag europaweit abermals die Sektoren Tourismus, Banken, Auto sowie Rohstoffwerte heftig mit Abschlägen von teils mehr als sieben Prozent. Im Dax gab es keinen einzigen Gewinner. Lufthansa machten am Index-Ende einen Teil ihrer seit Mitte Mai gelaufenen Erholung mit einem Minus von rund neun Prozent wieder zunichte.

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