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Neue Konkurrenz : Billigfliegen wird wieder billig

Günstig fliegen in Deutschland Bild: F.A.Z.

Ryanair, Easyjet und andere günstige Fluggesellschaften fliegen verstärkt größere Flughäfen in Ballungsräumen an. Gut für die Passagiere, denn die neue Konkurrenz bringt die Preise aller Linien unter Druck.

          Ryanair greift an. Der irische Billigflieger, Marktführer in Europa, krempelt sein Geschäftsmodell völlig um und attackiert nun auch wieder in Deutschland. Die lästigen Zusatzgebühren für Übergepäck und Check-in am Flughafen wurden gesenkt, noch im Mai sollen die Pläne für die Einführung einer Businessclass vorgestellt werden und vor allem: Ryanair fliegt nicht mehr nur zu Flughäfen tief auf dem Land wie Hahn im Hunsrück oder Weeze am Niederrhein, zu denen man mühsam mit Bus oder Auto fahren muss – die Iren steuern jetzt auch verstärkt größere Flughäfen in Ballungsräumen an.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Im Ausland sind zum Beispiel Rom, Brüssel, Athen und Barcelona dazugekommen. Und in Deutschland Köln und seit 2013 Nürnberg. Nach Berlin, Leipzig und Bremen geht es schon länger. Andere Billigfluggesellschaften weiten ihr Angebot in Deutschland ebenfalls aus. Davon profitieren auch die Kunden anderer Fluglinien in den betroffenen Städten, vor allem Passagiere der deutschen Platzhirsche Air Berlin und Germanwings (die gerade von der Muttergesellschaft Lufthansa alle innerdeutschen und europäischen Strecken mit Ausnahme der Verbindungen nach Frankfurt und München übernimmt). Denn die neue Konkurrenz bringt die Preise aller Linien unter Druck. „Klar ist, dass wir unsere Heimatmärkte ganz besonders stark verteidigen. Der Preis spielt dabei eine wesentliche Rolle“, heißt es ganz offiziell bei Germanwings.

          Deutschland als attraktiver Markt

          Das gilt gerade für Köln, den wichtigsten Flughafen von Germanwings. Aber auch in Hamburg, wo sich die britische Easyjet oder die skandinavische Norwegian breitmachen. In Berlin könnten die Preise durch die Expansion von Vueling aus Spanien sinken. Deutschland gilt als attraktiver Markt für Günstigflieger, weil hier viel geflogen wird. Köln, Hamburg und Berlin sind auch wichtige Flughäfen für Air Berlin, so dass die Gesellschaft durch den verschärften Wettbewerb ebenfalls unter Druck gerät. Das sind keine guten Aussichten für die finanziell angeschlagene Airline, die für 2013 gerade wieder hohe Verluste meldete und sich Geld von ihrem Golf-Großaktionär Etihad pumpen musste.

          Der Ryanair-Angriff ist dabei für alle Airlines am bedrohlichsten und für die Passagiere am lukrativsten. Denn die Iren sind neben der ungarischen Wizz der billigste Flugdiscounter, wie eine Auswertung des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums (DLR) ergab (siehe Grafik). Und anders als früher, als Ryanair viel ankündigte, aber selten etwas änderte, ist es ihnen diesmal ernst. Das lahmende Wachstum in den vergangenen Quartalen hat die Airline alarmiert. Um es wieder zu beschleunigen und die Passagierzahl in den kommenden fünf Jahren um 40 Prozent zu steigern, will man nun mehr Geschäftsreisende gewinnen. Bisher liegt der Schwerpunkt auf Privatreisenden, wo das Potential für weitere Zuwächse jedoch schon weit ausgereizt ist.

          Günstig fliegen in Deutschland Bilderstrecke

          Aber die Business-Kunden lassen sich nur an den großen Flughäfen abholen, für Spritztouren nach Hahn haben sie keine Zeit. Daher die verstärkte Hinwendung von Ryanair in diese Richtung. Und die Pläne für eine Businessclass mit umbuchbaren Tickets und eventuell mehr Platz durch unbesetzte Mittelsitze. Auch die bisher stets vermiedene Kooperation mit Reisebüros zielt auf die neue Kundengruppe, denn Geschäftsreisende buchen nicht online. Und natürlich die Auswahl der Ziele. In Köln wird von November an vor allem zu klassischen Geschäftsreiseorten geflogen: London, Rom, Dublin, Madrid. Bisher gab es nur Flüge zu drei Ferienzielen in Südeuropa.

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