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Verwahrung von Wertsachen : Bankschließfächer werden immer begehrter

Vor allem in Städten und Ballungszentren werden die Minisafes der Kreditinstitute bisweilen schon knapp. Bild: dpa

Anleger suchen Sicherheit. Denn die Gefahr von Einbrüchen wächst. Zudem bringt das Geld auf dem Konto nicht selten gar keinen Zins mehr. Daher werden mancherorten die Minisafes schon knapp.

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          Seine Schätze und Geheimnisse hat wohl jeder Mensch. Manche sind größer, andere wiederum ganz klein. Doch alle haben eines gemein: Sie wollen sicher und gut verwahrt sein. Ein beliebter Aufbewahrungsort für Wertsachen sind die Schließfächer in den Banken oder Tresore in den eigenen vier Wänden. Das denken offensichtlich immer mehr Deutsche, denn die Nachfrage nach beidem wächst.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Vor allem in Städten oder Ballungszentren werden die Minisafes der Kreditinstitute deswegen bisweilen schon knapp. Zum Teil gibt es Wartelisten. Ohnehin berücksichtigen die Geldhäuser bei der Vergabe der Fächer meist nur eigene Kunden. Einen Ausbau ihrer Schließanlagen planen wohl nur die wenigsten. Sie sind teuer, und der hierfür geeignete Raum ist begrenzt.

          In erster Linie geht es Anlegern aber wohl nicht um Geheimniskrämerei, sondern um Sicherheit. Denn Gefahren gibt es genug: Die Zahl der Wohnungseinbrüche steigt unaufhörlich, von Bränden und anderen Katastrophen ganz abgesehen. Laut polizeilicher Kriminalstatistik wurden in Deutschland allein im Jahr 2014 rund 152.000 Wohnungseinbrüche gemeldet. Die Entwicklung scheint sich noch zu verschärfen.

          Zudem gibt es regional große Unterschiede. Aus einer Stadt wie Hamburg wurden nun für das Jahr 2015 gut 9000 Einbruchsfälle gemeldet - eine Zunahme um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Verantwortlich dafür sollen vor allem reisende Täter sein, also kriminelle Banden, die professionell in Wohnungen einbrechen und danach schnell wieder aus einer Stadt verschwinden. Die Aufklärungsrate ist meist nur gering.

          Bargeld ist häufig nicht mitversichert

          Kein Wunder also, dass viele Anleger zum Schutz vor Einbrüchen ein Bankschließfach für ihre persönlichen Schätze mieten wollen oder dies auch schon getan haben. Es ist der Grund, den Bankmitarbeiter am häufigsten zu hören bekommen.

          So manchem Kunden fehlt zudem das Vertrauen in die Banken. So berichten viele Kreditinstitute, dass gerade durch die Finanzkrise das Interesse an den Minitresoren neu entfacht worden sei. Und auch wenn die Banken nicht nur aus versicherungsrechtlichen Gründen davon abrieten, in den Fächern Bargeld aufzubewahren, täten viele Kunden genau das, statt es auf ihrem Konto zu belassen.

          Denn Bares ist ein beliebtes Wertaufbewahrungsmittel. Doch Bargeld ist häufig nicht mitversichert, wenn es durch einen Brand, Blitzschlag, eine Explosion oder einen Raub doch einmal zu einem Schaden in einer Schließfachanlage kommt.

          Ein weiteres Argument, das offensichtlich gerade derzeit viele Bankkunden anführen, ist der Ärger über die kaum noch vorhandene Verzinsung oder die Sorge über negative Zinsen. Zwar geben einzelne Kreditinstitute die ihnen von der Europäischen Zentralbank (EZB) für ihre Einlagen auferlegten negativen Zinsen bislang nur an einige Firmenkunden weiter.

          Sicherer als unter der Matratze

          Doch letztlich gibt es rein rechnerisch keinen Unterschied mehr zwischen null Zinsen für das Geld auf dem Konto oder im Schließfach. Denn immer mehr Banken und Sparkassen zahlen ihren Privatkunden gar keinen Einlagenzins mehr - ein Trend, der sich nach der Zinssenkung der EZB in dieser Woche nur noch verstärken dürfte. Und im Tresor ist Bares gemeinhin sicherer untergebracht als unter der Matratze oder im eigenen Gartenteich.

          Die Schließfächer gibt es in verschiedenen Größen, wobei die in der Regel jährlichen Gebühren mit der Fachgröße zunehmen. Dabei gibt es von Institut zu Institut deutliche Unterschiede. Die kleinsten Fächer fangen zum Teil schon bei 20 oder 30 Euro an. Sie sind meist besonders zahlreich vorhanden. Große Fächer kosten zum Teil mehrere hundert Euro im Jahr.

          Das kleinste Fach der Volksbank Frankfurt gibt es für 21 Euro, bei der Hamburger Sparkasse sind es 25,60 Euro. Die Commerzbank beginnt ihre Mietpreisstaffel seit Oktober 2014 mit 75 Euro. Denn einige Kreditinstitute nutzen offenbar das hohe Kundeninteresse, um die Preise zu erhöhen. Dies hat auch die Frankfurter Sparkasse zum Jahresbeginn getan. Das kleinste Fach kostet hier nun 37 Euro nach zuvor 30 Euro. Für ein großes Fach wurden aus 255 nun 275 Euro.

          Interesse seit Jahren sehr hoch

          Hinter den metallenen Wänden schlummern nicht nur Bares, Schmuck, Gold oder Briefmarken, sondern häufig auch schwer zu ersetzende Dokumente, liebgewonnene Erinnerungsstücke und manchmal in der Tat verbotenerweise auch Ungesetzliches. Doch das wissen nur die Besitzer der Fächer. Zum Teil ist der Inhalt über die Mietgebühren mitversichert. Kunden können aber auch Zusatzversicherungen für ihre Wertsachen abschließen.

          Die meisten Geldhäuser berichten von einer seit längerem hohen Nachfrage wie die Hamburger Sparkasse mit ihren rund 200.000 Schließfächern. Auch der Bundesverband deutscher Banken gibt an, dass das Interesse seit Jahren sehr hoch sei.

          Er rät, besonders zur Urlaubszeit wertvolle Gegenstände nicht zu Hause, sondern in einem Schließfach aufzubewahren. Einige Kreditinstitute böten auch kurzfristige Fächer an. Die Deutsche Bank spricht von einer stabilen Nachfrage. Grundsätzlich seien ausreichend Schließfächer für die Kunden der Bank verfügbar.

          Das Interesse an den Schließfächern der Frankfurter Volksbank sei unverändert rege, sagt ein Sprecher des Instituts. Freie Kapazitäten unter den rund 16.000 Fächern könnte sie ihren Kunden über alle Fachgrößen hinweg anbieten. Die Frankfurter Sparkasse wiederum spricht von einem in den vergangenen sechs, sieben Jahren kontinuierlichen Anstieg der Nachfrage. Es seien auch noch Schließfächer verfügbar - wer Interesse habe, bekomme in der Regel eines, heißt es dort.

          Preise seit mehr als zehn Jahren unverändert

          Gibt es unter den rund 250.000 Minisafes der Commerzbank noch freie Fächer? Dies sei regional verschieden, insgesamt könne die Nachfrage in der Regel bedient werden, heißt es dort. Dies gilt bei vielen Kreditinstituten. Dabei müssen Kunden aber möglicherweise den Weg aus den Innenstädten in eine andere Zweigstelle auf dem Land in Kauf nehmen.

          Doch es gibt auch Institute, die erst in jüngerer Zeit ein wachsendes Interesse ihrer Kundschaft wahrnehmen. Dazu gehört zum Beispiel die Kreissparkasse Köln. Seien in den Jahren 2013 und 2014 netto noch rund 300 Fächer jährlich vermietet worden, seien es im vergangenen Jahr 1400 Fächer gewesen, heißt es dort. Im Januar und Februar dieses Jahres seien 150 hinzugekommen.

          Von den insgesamt 75.000 Schließfächern seien nun rund 47.000 belegt, was einer Auslastung von gut 60 Prozent entspreche. „Wir beobachten seit Anfang 2015 einen leichten Anstieg der Nachfrage nach Schließfächern“, sagt eine Sprecherin der Volksbank Freiburg. Die Auslastung der insgesamt 4800 Fächer betrage 70 Prozent. Die Preise von 30 bis 140 Euro im Jahr seien seit mehr als zehn Jahren unverändert.

          Nicht jede Filiale ist geeignet

          Es ist eine einfache Rechnung. Wenn immer mehr Kunden ein Schließfach anmieten, dann gibt es auch immer wenige freie Fächer. Die vorhandenen Kapazitäten sind begrenzt, es sei denn, die Kreditinstitute investieren in neue Anlagen. Von den befragten Instituten hat dies zumindest keines geplant. Ein solches Investment ist sehr teuer. Die Anlagen müssen hohen Sicherheitsanforderungen genügen. Und nicht jede Filiale ist auch aus baulichen Gründen dafür geeignet. Zudem sei das Geschäft mit den Fächern kein besonders einträgliches, sagt der Bankenverband.

          Doch Kunden sollten genau darauf achten, wo sie ihre Wertsachen aufbewahren. In der Vergangenheit gab es auch schon spektakuläre Einbrüche in die Tresorräume von Geldhäusern wie im Januar 2013 durch einen 45 Meter langen Tunnel in eine Volksbankfiliale in Berlin, wo rund 300 Schließfächer ausgeräumt wurden. In manchen Banken und Sparkassen stehen in den Schalterräumen zudem Anlagen mit Kundenschließfächern. Sie sind eigentlich nur für Sparbücher gedacht.

          Erst am vergangenen Wochenende sind jedoch Einbrecher gewaltsam in die Kundenräume von drei Kreditinstituten im Hochsauerland-Kreis eingedrungen und haben die wenig gesicherten Kundenschließfächer offensichtlich in der Hoffnung auf andere Schätze aufgebrochen. Die Sparbücher wurden umgehend gesperrt. Näheres wurde noch nicht bekannt. Es gab aber wohl auch schon Fälle, in denen Kunden in der Annahme scheinbarer Sicherheit dort viel Bargeld gelagert hatten. Davor warnen Banken jedoch.

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