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Bankgeschäfte im Netz : Wie sicher ist Online-Banking?

Viele erledigen ihre Bankgeschäfte im Internet mit einem unguten Gefühl Bild: iStockphoto

Alles wird mitgelesen, vieles manipuliert: Das Gefühl von Sicherheit im Internet ist dahin. Bankgeschäfte im Netz sind ganz schön gefährlich.

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          Der Blick der Menschen auf das Internet hat sich im vergangenen Jahr verändert: Aus einer Errungenschaft, die unser Leben einfacher macht und viele neue Freiheiten bietet, ist ein Medium geworden, in dem (zumindest auch) ausgespäht und manipuliert wird. Wenn der amerikanische Geheimdienst NSA persönliche Daten mitlesen kann, dann liegt nahe, dass sie auch sonst nicht besonders sicher sind. Diverse Cyberattacken auf Unternehmen wie Apple haben diesen Eindruck verstärkt.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Was bedeutet das fürs Online-Banking? Immerhin gehören Bankgeschäfte zu den besonders sicherheitsrelevanten Aktionen von Privatleuten im Internet. Die meisten Deutschen nutzen die Technik inzwischen. Zum Teil aber wohl mit einem unguten Gefühl: In einer Umfrage des IT-Verbands Bitkom gaben 38 Prozent der Befragten an, beim Online-Banking Angst vor Betrug zu haben, deutlich mehr als im Vorjahr. Schrecklich die Vorstellung, dass nicht nur unsere Daten im Internet wie ein offenes Buch gelesen werden könnten, sondern auch unser Geld dem eigenen Zugriff entzogen sein könnte.

          Berechtigte Sorgen oder ein Unbehagen ohne Grund? Offizielle Stellen sind zumindest sehr zurückhaltend damit, grundsätzlich Entwarnung zu geben. Das Bundeskriminalamt verweist auf seinen Bericht über Cybercrime: Danach ist die Zahl der Fälle des klassischen „Phishing“ (ausspionieren von Tan-Nummern) seit 2011 zwar rückläufig. Die Fälle, in denen Kriminelle diese Sicherheitsnummern für Überweisungen mit einer gefälschten Mail abgreifen, seien um fast 50 Prozent zurückgegangen. Als Grund nennt das BKA die Einführung der „mTan“: Bei diesem Verfahren bekommt man seine Nummern nicht mehr auf einem Zettel, sondern als SMS. Zugleich weist das BKA allerdings darauf hin, dass auch dieses Verfahren nicht vollkommen sicher sei.

          Nicht immer wird alles erstattet

          Einer, der sich mit solchen Fällen beschäftigt, ist der Rechtsanwalt Jakob Wahlers aus Köln. Er hat mehrere Leute vertreten, deren Konto trotz mTan leergeräumt wurde. Dabei kaperten die Täter über das Internet einen Computer, auf dem sie (etwa auf Mobilfunkrechnungen im Mail-Ordner) auch die Handynummer fanden. Dann ließen sie sich von der Mobilfunkgesellschaft eine neue Sim-Karte fürs Handy zuschicken. So hatten sie Zugriff auf die per SMS versendete mTan und konnten das Konto leer räumen. Ende August vorigen Jahres wurden in einem Fall 77.000 Euro erbeutet, wenig später 58.000 Euro, und in zwei weiteren Fällen zusammen 200.000 Euro.

          Als Reaktion sind die Mobilfunkgesellschaften vorsichtiger geworden mit dem Verschicken von Zweit-Handykarten. Der Versand soll nur noch an bekannte Adressen von Kunden erfolgen. Ein Sprecher der Commerzbank meinte überdies, man könne merken, wenn sein Handy auf diese Weise gekapert werde, weil die alte Sim-Karte dann nicht mehr funktioniere.

          Als relativ sicher gilt bislang das Chip-Tan-Verfahren mit einem getrennten Gerät für die Erzeugung der Tan-Nummern. Dabei bekommt man die Nummer nicht auf Papier oder per SMS – sie wird von einem Generator erzeugt. Aber auch das sei nicht absolut sicher, sagt IT-Anwalt Wahlers: „Beim Chip-Tan-Verfahren funktioniert der Betrug so, dass dem Bankkunden durch ein Schadprogramm vorgegaukelt wird, er müsse sein Konto durch Eingabe einer generierten Tan entsperren. Allzu leicht übersieht er dabei, dass es sich in Wahrheit um eine verdeckte Überweisung an den Täter handelt.“

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