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Sicherer Einkauf : Zahlen mit Kreditkarte wird schwieriger

Preis der Sicherheit: Was bringen die neuen Regelungen der Europäischen Bankenaufsicht? Bild: Michel GAILLARD/REA/laif

Europas Bankenaufsicht will für Verbraucher die Sicherheit beim Bezahlen im Internet erhöhen. Für die Verbraucher wird dann das Online-Bezahlen mit Kreditkarte schwieriger. Der Online-Einzelhandel fürchtet sich schon.

          5 Min.

          Seit vielen Jahren ist es üblich, dass Hotels und Autovermietungen für die Reservierung eines Zimmers oder Autos im Internet den Einsatz einer Kreditkarte verlangen. Denn die Kreditkartendaten geben Hoteliers und Autovermietern eine Garantie dafür, dass hinter der Reservierung tatsächlich ein interessierter Gast steckt, von dem sich am Ende auch das Geld eintreiben lässt. Diese eingeübte Praxis ist bedroht, zu Unrecht, wie viele meinen.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die meisten Verbraucher zahlen zwar im Internet lieber mit Rechnung, auch weil sie Angst haben, dass ihre Kreditkartendaten in falsche Hände geraten. Doch Hugo Godschalk, Geschäftsführer der auf das Kartengeschäft spezialisierten Unternehmensberatung Paysys, hält dem entgegen: „Der Online-Handel mit Kartenzahlungen wächst explosionsartig. Da ist es normal, dass die Betrugsfälle steigen. Entscheidend ist: Die Betrugsrate, also der Schaden je Kartenumsatz, sinkt. Und die Kartenindustrie trägt fast alle Schäden, das Risiko des Zahlers beträgt höchstens 150 Euro. Deshalb haben die Kartenunternehmen selbst ein großes Interesse daran, die Sicherheit zu erhöhen.“ Dennoch fühlt sich die Europäische Bankenaufsicht (EBA) berufen, für scheinbar mehr Verbraucherschutz zu sorgen. Die EBA will zusätzliche Sicherheitsparameter für fast alle Zahlungen mit Kreditkarte im Internet und kontaktlos vorschreiben. Dagegen laufen viele Online-Händler Sturm. Sie fürchten sinkende Umsätze.

          Der Firmenkreditkartenanbieter und Zahlungsabwickler Airplus befürchtet abermals als Opfer von allzu flächendeckenden neuen Gesetzen und Regeln für Kreditkarten zu werden. Gerade erst liegt hinter der Tochtergesellschaft der Lufhansa ein Jahr, das schwer ins Kontor geschlagen hat: 10 Millionen Euro fehlen in der Kasse, weil bis August die von der EU verlangten niedrigeren Gebühren auf alle Firmenkreidtkarten anfielen. Und dann haben die Kunden von 543.000 Kreditkarten, die Airplus 2015 ausgegeben hatte, 127.000 Kreditkarten zurück gegeben.

          Mehr Kunden gekündigt als vermutet

          Dabei handelt es sich um Kreditkarten, die Unternehmen meist an Mitarbeiter verschenkt haben, um die Bindung und Identifikation mit dem Arbeitgeber zu stärken. Weil dieser Typ „Firmenkreditkarte“ ausschließlich privat genutzt werden darf und keine Abrechnung über ein Firmenkonto erlaubt ist, hat eine neue EU-Regel diese Kreditkarten nicht länger als Firmen-, sondern als Kundenkreditkarte eingestuft. Die Folge ist, dass Airplus seit Dezember 2015 nicht länger 1,6 Prozent der Kartenumsätze, das bedeutet im Durchschnitt 42 Euro je Karte, von den beteiligten Banken erhält, sondern höchstens 0,3 Prozent, also 29 Euro je Kreditkarte. Daraufhin hat Airplus 2016 die Kosten an mehreren Stellen für Kartenbesteller und Kartenbesitzer deutlich erhöht mit dem Ziel, 27 Euro je Karte mehr einzunehmen. Ob das vollständig gelungen ist, kann Geschäftführer Patrick Diemer noch nicht sagen. Es hängt davon ab, wie die Kreditkartenbesitzer die Karte eingesetzt haben.

          Klar aber ist schon jetzt: Es haben mehr Kunden gekündigt als zuvor vermutet. Airplus-Chef Diemer war im März 2016 von einem einstelligen Prozentsatz an Kündigungen ausgegangen, tatsächlich aber hat Airplus heute 127.000 und damit 23 Prozent weniger Karten im Umlauf. „Wir haben den Rückgang der Karten unterschätzt“, gibt Diemer zu. Er kann sich damit trösten, dass die meisten der 47.000 Unternehmenskunden mit ihrem Firmenkonto bei Airplus geblieben sind und „nur“ Kreditkarten der Mitarbeiter eingezogen haben. Dagegen nutzen die 47.000 Unternehmen weiterhin „Reisestellenkarten“, um viele Kosten für Geschäftsreisen ihrer Mitarbeiter wie Flüge und Hotels im Voraus zu bezahlen. Damit ist Airplus groß geworden. Doch auch in diesem Kerngeschäft droht Airplus jetzt Ungemach.

          „Millionen Transaktionen werden damit technisch unmöglich“

          Wegen der Kündigungen der Mitarbeiterkreditkarten fehlen Airplus künftig jedes Jahr 2,5 bis 3 Millionen Euro vom Gewinn, der zuletzt gut 50 Millionen Euro betrug. Wenn aber die Europäische Bankenaufsicht nun für den Einsatz von allen Kreditkarten im Internet zusätzliche Sicherheitsmerkmale (in Fachkreisen bekannt unter dem englischen Kürzel SCF für „strong customer authentification“) als technischen Standard verlangen sollte, geht es um mehr. Bei Airplus befürchtet man, dass die bisher effizienten und für das Unternehmen lukrativen Zahlungsformen auf dem Geschäftsreisemarkt leiden werden.

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