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Global Wealth Report : Deutsche arbeiten besonders hart für ihr Geld

Wie reich sind die Reichsten? Sehr reich, lautet eine Antwort, auf die sich viele einigen können. Bild: AFP

Das weltweite Vermögen steigt weiter aber auch die Schulden. Sie wachsen erstmals seit sieben Jahren wieder schneller als die Wirtschaftsleistung. Deutschland ist im Ranking derweil nur im Mittelfeld. Die Gründe sind hausgemacht.

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          Die Welt wird immer reicher – zugleich steigt die Zahl der Millionäre stärker als früher. Das geht aus dem „Global Wealth Report“ der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors und der Unternehmensberatung Capgemini hervor, die beide am Mittwoch vorgelegt wurden. Laut Allianz stieg das Bruttogeldvermögen auf der Welt im vergangenen Jahr um 7 Prozent auf 169 Billionen Euro. Das Wachstum hat sich damit wieder etwas beschleunigt. Besonders große Zuwächse gibt es mit einem Anstieg um 15 Prozent in Asien (ohne Japan). Immer mehr Chinesen gelingt der Aufstieg in die Vermögensmittelschicht. Diese definiert sich durch ein Nettogeldvermögen (also abzüglich Schulden) von 7700 bis 45.900 Euro. Knapp mehr als eine Milliarde Menschen verfügen auf der Welt über ein Vermögen dieser Größenordnung, 560 Millionen davon sind Chinesen. Von den 550 Millionen Menschen auf der Welt mit einem Netto-Geldvermögen von mehr als 45.900 Euro, sind mittlerweile schon mehr als 100 Millionen Chinesen.

          Daniel Mohr

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In den anderen Regionen der Welt wuchsen die Vermögen ebenfalls, in den Industrieländern jedoch unterdurchschnittlich. Deutschland liegt mit einem Geldvermögenszuwachs um 4,7 Prozent auf gut 5,7 Billionen Euro im europäischen Mittelfeld. Der Zuwachs der Geldvermögen wird jedoch auf ganz unterschiedliche Weise erzielt. So geht zum Beispiel drei Viertel des Geldvermögenszuwachses in Nordamerika in den vergangenen fünf Jahren auf Erträge des Vermögens aus der Geldanlage zurück und nur ein geringer Teil auf Sparleistungen. Im Euroraum sind 68 Prozent des Vermögenszuwachses Resultat der Geldanlage des Vermögens. In Deutschland allerdings nur 27 Prozent. Das ist ein außergewöhnlich niedriger Wert. Die Deutschen sparen dafür um so mehr. 200 Milliarden Euro wurden im Jahr 2016 aus dem laufenden Einkommen zurückgelegt. Im gesamten übrigen Euroraum waren es 250 Milliarden Euro. „Die Deutschen lassen nicht ihr Geld arbeiten, sie arbeiten für ihr Geld“, fasst Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz den Befund zusammen.

          Bankeinlagen bleiben der deutschen Sparer liebstes Kind

          Dass es auch anders geht, zeigen die Beispiel aus Nachbarländern. Während die Deutschen 320 Euro im Monat aus ihrem Erwerbeinkommen zur Seite legen, um Vermögen aufzubauen, können zum Beispiel die Niederländer, Belgier, Franzosen, aber auch die Italiener, Spanier oder Portugiesen, die hohen Erträge aus der Vermögensanlage für Konsumzwecke nutzen. Aus dem Erwerbseinkommen muss – im Durchschnitt – gar nicht gespart werden. 2000 Euro Wertgewinne ihrer Geldanlagen schlagen zum Beispiel bei den Niederländern monatlich zu Buche – auch bedingt durch ein viel stärker am Kapitalmarkt ausgerichtetes Altersvorsorgesystem. Auch in Belgien und Finnland werden so monatlich 1000 Euro extra vereinnahmt. In Frankreich, Italien und Spanien sind es immerhin noch gut 430 bis 600 Euro im Monat. Der durchschnittliche Deutsche erzielt hingegen nur 300 Euro Gewinn aus seiner Geldanlage in Deutschland im Monat.

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          Allianz Global Wealth Report : Allianz Global Wealth Report 2017

          Grund dafür ist die Geldanlage, die in Deutschland besonders stark auf mittlerweile kaum mehr verzinste Bankeinlagen abzielt. Deswegen war Deutschland jahrelang auch einer der größten Verlierer der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese Effekte lassen nun nach Berechnungen der Allianz nach. Immobilienkredite werden in Deutschland anders als in anderen Ländern meisten langfristig und nur selten zu variablen Zinssätzen vergeben. Die Vorteile der niedrigen Zinsen schlagen daher erst nach und nach in Deutschland durch. Profiteure sind nach Berechnungen der Allianz vor allem die Bezieher gut durchschnittlicher Einkommen. Die Rede ist hier vom 6. bis 8. Einkommensdezil. Hier sind die Einkommen ausreichend hoch, um Immobilienkredite zu erhalten und sie auch bedienen zu können. Größte Verlierer der Geldpolitik sind demnach die Gruppen mit unterdurchschnittlichen Einkommen, die keine großen Kredite erhalten und auch nicht in Aktien und anderen Wertpapieren sparen, die von der Geldpolitik profitiert haben.

          Die Zahl der Millionäre in aller Welt weiter gestiegen

          Im globalen Vermögensvergleich verharrt Deutschland auf Rang 18. An der Spitze der 60 untersuchten Länder stehen Amerikaner und Schweizer. Im innereuropäischen Vergleich haben Franzosen, Italiener und Briten zuletzt relativ verloren, bleiben aber vor den Deutschen. Das deutsche Rentensystem mit einem hohen Umlageanteil und wenig Kapitaldeckung, sorgt zwar mit für die niedrigen Aktienquoten in Deutschland und damit auch den geringen Renditen in der Geldanlage. Die dahinter stehenden Rentenansprüche aus der Umlage würden die Deutschen in der Reichtumsrangfolge aber nicht nach vorne schnellen lassen. Den Barwert staatlicher Rentenansprüche sieht die Allianz kaum höher als in Ländern mit zusätzlich starker Kapitaldeckung wie in den Niederlanden und geringer als in Österreich, Belgien und Skandinavien.

          Die Zahl der Millionäre in aller Welt ist dabei laut Capgemini im vergangenen Jahr um rund 7,5 Prozent auf 16,5 Millionen gestiegen. Das war ein etwas stärkerer Zuwachs als im langjährigen Mittel von 7,2 Prozent. Die Unternehmensberatung berücksichtigt in dieser Zählung sogenannte „High Net Worth Individuals“, Menschen mit einem anlagefähigen Vermögen von mehr als einer Million Dollar, ohne selbstgenutzte Immobilien, Sammlerstücke, Verbrauchsmaterialien und Gebrauchsgüter. Laut dieser Zählweise stieg die Zahl der Millionäre in Deutschland im vergangenen Jahr um 6,8 Prozent auf 1,28 Millionen. Die Grenze von einer Million war bereits 2012 durchbrochen worden.

          International gab es demnach die meisten Millionäre in den Vereinigten Staaten, gefolgt von Japan. Deutschland landete auf Platz drei vor China. Frankreich und Großbritannien tauschten die Plätze, Frankreich liegt jetzt mit 579000 Millionären vor Großbritannien mit 568000 Millionären und der Schweiz mit 364000 Millionären. Am stärksten zugelegt hat Russland, dort stieg die Millionärszahl um 20 Prozent auf 182000. Das begründete Klaus-Geor Meyer von Capgemini vor allem mit der guten Entwicklung des russischen Aktienmarktes im vergangenen Jahr. Brasilien hat jetzt 11 Prozent mehr Millionäre, das wurde mit der Erholung von Aktienkursen erklärt. Unter den Kontinenten haben Asien, Nordamerika und Europa ähnlich hohe Zahlen von Millionären und ähnliche Zuwachsraten. Es ist allerdings auffällig, dass Asien, das früher stärker zugelegt hatte, nicht mehr ganz so starke Zuwachsraten hat; das soll am chinesischen Aktienmarkt und an Japan gelegen haben.

          Auch die Frage, wie die Millionäre ihr Geld anlegen, untersucht Capgemini regelmäßig. Laut der jüngsten Umfrage aus dem zweiten Quartal 2017 investierten die Millionäre im Durchschnitt 31 Prozent ihres Vermögens in Aktien, 27,3 Prozent in Cash, 14 Prozent in Immobilien, 18 Prozent in Anleihen und 9,7 Prozent in alternativen Investments. Im Vergleich zum Vorjahr fällt insbesondere ein geringerer Anteil an Immobilien (minus 3,9 Prozentpunkte) und alternativen Investments (minus 6 Prozentpunkte), sowie ein deutlich höherer Aktienanteil (plus 6,3 Prozentpunkte) und ein höherer Baranteil (plus 3,8 Prozentpunkte) auf.

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