https://www.faz.net/-gv6-89xd5

Bahn & Co : Vergesst die Lufthansa!

Für ein paar Euro durch Deutschland - Fernbusse sind für viele Menschen eine echte Reisealternative geworden. Bild: dpa

Schon wieder wird die Deutsche Lufthansa bestreikt. Na und? Bahn und Bus sind auf vielen Strecken besser und billiger.

          4 Min.

          Hat am Samstag die Zukunft begonnen? Mit dem Frankfurter Flughafen als Symbol? Ein Blick auf das Vorfeld des größten deutschen Drehkreuzes könnte das suggerieren. Da standen zwar wie immer viele Lufthansa-Maschinen herum - aber die meisten haben sich den ganzen Tag nicht von der Stelle bewegt. Nur ein paar Langstreckenflieger nach Übersee hoben ab, die innerdeutschen und Europa-Flüge wurden wegen des Flugbegleiter-Streiks fast alle gestrichen. Das waren immerhin mehr als 500 Flüge. 58 000 Fluggäste hatten Pech gehabt.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Keine hundert Meter weiter, im Flughafenbahnhof, herrscht hingegen wie jeden Tag reger Betrieb. Die ICE aus allen Ecken Deutschlands und des nahen Auslands rollen im dichten Takt in einen der wichtigsten Bahnhöfe der Deutschen Bahn. An diesem Samstag ist noch mehr los als sonst. Tausende Passagiere, die wegen der Streiks nicht fliegen können, werden auf die Bahn umgebucht. Und einen Kilometer weiter weg geht es nicht weniger hektisch zu: Am Frankfurter Kreuz treffen mit der A3 und der A5 zwei der bedeutendsten Autobahnen Deutschlands aufeinander. Auf ihnen rollen immer häufiger die neuen Fernbusse. Während des Streiks sind sie noch voller als sonst.

          Man fragt sich, ob das nicht bald auch die tägliche Normalität sein wird. Nicht, weil dann immer noch gestreikt wird. Sondern, weil mehr als 100 000 Menschen, die am Ende von einer Woche Flugstreichungen genervt sind und Alternativen ausprobiert haben könnten, gar nicht mehr fliegen wollen. Denn oft gibt es gar keinen guten Grund, das Flugzeug zu nehmen. Vor allem nicht innerhalb Deutschlands. Denn auf vielen Strecken ist die Bahn fast genauso schnell und dabei viel günstiger. Gerade jetzt, wo sie wieder mit hohen Rabatten lockt. Jüngste Aktion: 19 Euro für eine Fahrt im ICE egal wohin. Mit einer Bahncard 25 sind es sogar nur 14 Euro. Da sind selbst Busse nicht mehr viel günstiger. Und entgegen den Befürchtungen ist das Kontingent außerhalb der Hauptverkehrszeiten groß genug, um auch an ein solches Ticket zu kommen, wie ein Test dieser Zeitung belegt (siehe Grafik).

          Attraktiv ist die Bahn nur, wenn sie mit Nachlässen locken kann

          Bei den Fahrzeiten ist der Zug auf kurzen und mittleren Strecken schon mit dem Flugzeug konkurrenzfähig. Denn wer in der Stadt wohnt, verliert viel Zeit mit der Anfahrt zum Flughafen, den Sicherheitskontrollen und Fußwegen bis zum Flugzeug und mit der Rückfahrt am Ziel in die Stadt. Selbst mit Handgepäck dauert ein innerdeutscher Flug von Tür zu Tür so mindestens drei Stunden. Das sind Zeiten, die man auch im ICE schaffen kann, wenn man in der Stadt wohnt. Die Strecke von Frankfurt nach München etwa ist mit dem Zug schneller als mit dem Flugzeug zu bewältigen, auch weil der Münchner Flughafen so weit draußen im Umland liegt und es keine schnelle Schienenverbindung dorthin gibt. Von Frankfurt nach Köln oder Stuttgart wurden die Flüge schon wegen der eiligen Bahnkonkurrenz weitgehend eingestellt. Und selbst auf vielen Verbindungen in die Nachbarländer kann die Bahn punkten. Von Frankfurt nach Paris geht es im ICE dank der Hochgeschwindigkeitsstrecken in Frankreich rascher als mit dem Flieger, ebenso nach Brüssel.

          Das liegt auch an der zentralen Lage Frankfurts in Mitteleuropa. Vom wichtigsten Flughafen der Lufthansa kommt man auch mit dem ICE schnell in andere große Städte. Der Umstieg ist doppelt attraktiv, denn auch die Flugpreise von Frankfurt aus sind vergleichsweise hoch. Hier landen keine Billigflieger. Die steuern besonders häufig Städte wie Köln, Hamburg und Berlin an. Aber auch dort sind sie noch deutlich teurer als der Zug, wenn die Reisenden nicht zum teuren Normalpreis der Bahn fahren müssen.

          Das ist die Krux an dem Vergleich: Attraktiv ist die Bahn nur, wenn sie mit Nachlässen locken kann. Standardpreise von mehr als 100 Euro für eine einfache Fahrt in Deutschland locken niemand auf die Schiene. Zumindest eine Bahncard 50 sollte man dann haben, die 50 Prozent Rabatt bringt. Für Gelegenheitsfahrer ist die aber zu teuer. Dann hilft nur frühes Buchen (das bringt einen Preisnachlass) oder das Glück, ein Sparticket wie derzeit die 19-Euro-Fahrkarten zu ergattern.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Prominenz ohne Abstand auf der Ehrentribüne des FC Bayern: unter anderem mit Ehrenpräsident Uli Hoeneß und Präsident Herbert Hainer (rechts daneben)

          Aufregung um FC Bayern : Münchner Eigentor

          Dass die Funktionäre des selbstverliebten FC Bayern ganz offensichtlich gegen das Hygienekonzept der Bundesliga verstoßen und sich so Millionen Menschen präsentieren, ist unfassbar naiv. Oder eine gezielte Provokation?

          Moria : Wie viele Flüchtlinge sollen kommen?

          Mehrere deutsche Städte wollen Flüchtlinge aus Griechenland aufnehmen. Ein Landrat von der CDU warnt deshalb vor einer „Sogwirkung“. Eine SPD-Oberbürgermeisterin hält das für zynisch.
          Nach dem Feuer in Felton, Santa Cruz County, Kalifornien

          Feuer in Kalifornien : Mein Land brennt

          Für die neue Trockenheit, die sich in Kalifornien ausbreitet und die Brände auslöst, sind wir verantwortlich. Wir können das ändern. Denn wir haben die Wahl. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.