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Verfügung der Bafin : CFD werden weniger riskant

Von ihrer Möglichkeit zur Produktintervention machte die Bafin das erste Mal Gebrauch. Ein Grund dafür ist der Verbraucherschutz. Bild: dpa

Wer eine hohes Risiko eingeht, hat oftmals hohe Verluste. Um das Risiko einzudämmen hat die Bafin eine neue Allgemeinverfügung erteilt. Jetzt überprüft sie die Umsetzung.

          Eine der riskantesten Formen der Geldanlage in Deutschland verliert ein wenig an Gefahr. Die Anbieter von Differenzkontrakten (CFD) haben damit fristgerecht auf eine Allgemeinverfügung der Finanzaufsicht Bafin reagiert, wonach Anleger bei einer Transaktion nie mehr als ihr eingesetztes Kapital verlieren dürfen. Bisher war dies bei CFD möglich, und die Anleger mussten Kapital nachschießen, um ihre Verluste auszugleichen.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Einige Anbieter versehen nun jeden Wertpapierauftrag mit einem Stop-Loss. Bevor das Wertpapiergeschäft mehr als das eingesetzte Kapital zu verlieren droht, wird automatisch die Reißleine gezogen. Andere Anbieter, darunter der Marktführer CMC Markets, verlangt höhere Sicherheitsleistungen der Anleger. Damit reduziert sich das Risiko der Spekulation.

          Wenige Prozente können hohen Verlust bedeuten

          Statt mit Hebeln von bis zu 500 kann nun nur noch mit Hebeln von bis zu 200 spekuliert werden. Auch dies ist natürlich noch eine hochriskante Angelegenheit. Entwickelt sich das entsprechende Wertpapier um 1 Prozent in die erwartete Richtung, gewinnt der Anleger 200 Prozent. Geht es aber in die falsche Richtung, ist schon bei einer Bewegung um 0,5 Prozent der gesamte Einsatz verloren. Stärkere Kursbewegungen in die falsche Richtung bei solchen hochriskanten Spekulationen führten bisher zur erwähnten Nachschusspflicht. Sollte es künftig dazu kommen, garantiert CMC, den über den Einsatz hinaus gehenden Verlust des Anlegers auszugleichen.

          Das britische Handelshaus betont jedoch, dass solche Nachschusspflichten in der Vergangenheit nur in sehr, sehr seltenen Fällen vorkamen. Prominentester Fall war die plötzliche Freigabe des Franken-Wechselkurses durch die Schweizerische Nationalbank am 15. Januar 2015. Der anschließende rasante Kursanstieg des Franken binnen Sekunden erwischte viele Anleger auf dem falschen Fuß und führte in einzelnen Fällen zum Ruin des Anlegers und brachte auch CFD-Handelshäuser in Schwierigkeiten.

          Bafin kontrolliert Umsetzung des Verbots

          „Solche Verlustrisiken können wir aus Verbraucherschutzgründen nicht akzeptieren“, begründete Bafin-Exekutivdirektorin Elisabeth Roegele ihr Eingreifen. Sie macht damit das erste Mal von ihrer Möglichkeit zur Produktintervention Gebrauch. Das Verbot von Bonitätsanleihen – einer Gattung im Zertifikatemarkt – war nach umfangreichen Zugeständnissen der Branche zurückgezogen worden. Die Bafin wird sich nun, nachdem vergangene Woche die dreimonatige Umsetzungsfrist für das Verbot von CFD mit Nachschusspflicht abgelaufen ist, genau anschauen, wie die Anbieter das Verbot umgesetzt haben. „Dies tun wir beispielsweise anhand der Geschäftsbedingungen, der verwendeten Risikohinweise oder auch der eingesetzten Werbung von Anbietern aus dem In- und Ausland, die sich an deutsche Privatanleger wenden“, sagt eine Sprecherin der Behörde.

          Derzeit sind etwa 30 Anbieter auf dem deutschen Markt aktiv. Nach einer Auswertung des Analysehauses Investment Trends ist CMC Marktes klarer Marktführer vor IG Marktes und Activ Traders. Auch deutsche Anbieter wie Comdirect, Flatex, Ayondo und Onvista sind auf dem Markt aktiv. Etwa 53000 deutsche Anleger handeln CFD. 30000 gelten als jahrelange treue Kunden. Längst nicht alle nutzen die extrem hohen Hebel, legen aber Wert auf die Möglichkeit, von Sonntagabend 22 Uhr bis Freitagabend 22 Uhr durchgängig handeln zu können, also zum Beispiel auch nachts Indikationen für den Dax zu bekommen.

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