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Anleihen : In der Breite liegt die Würze

Staatsanleihen von Ländern mit hoher Bonitätsnote wie Deutschland, Finnland oder die Niederlande stehen weiter hoch im Kurs. Bild: dapd

Auch wenn es um Anleihen geht, gilt die alte Regel der Kapitalanlage, nach der nicht alle Eier in einen Korb gehören. Renten-ETF sind sinnvoll, um breit gestreut an der Entwicklung des Anleihemarktes teilzuhaben.

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          Regelmäßige, planbare Zinseinkünfte und die Gewissheit, verliehenes Geld zu einem vorab feststehenden Zeitpunkt wiederzubekommen - Anleihen bilden die vielleicht wichtigste Anlageklasse der Gegenwart.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Lebensversicherer beispielsweise legen große Summen der ihnen anvertrauten Vermögen in Anleihen an, weil sie zu lange im Vorfeld feststehenden Zeitpunkten Geld an ihre Beitragszahler auszahlen müssen und deshalb sichergehen wollen, dass sie es dann auch zur Verfügung haben. Würden sie es stattdessen vor allem in Aktien anlegen, fehlte diese Gewissheit wegen der schlicht nicht vorhersehbaren Kursentwicklung.

          Rückzahlung nicht unbedingt sicher

          Anleihen bieten sich wegen der vergleichsweise guten Planbarkeit der Einkünfte darum auch als Bestandteil eines Privatanleger-Depots an. Allerdings treten dabei grundsätzlich zwei Probleme auf: Sie werden je nach Emittent zu ganz verschiedenen Stückelungen begeben, 1000 Euro ist zumeist das Minimum, oftmals ist es erheblich mehr.

          Und auch im Anleihebereich gilt eine alte Regel der Geldanlage, nach der nicht alle Eier in einen Korb gehören. Denn es bleibt das Risiko, dass der Schuldner seine Schulden aus irgendeinem Grund vielleicht nicht zurückzahlen kann. Aktuell zeigt sich abermals, dass diese Gefahr nicht auf Unternehmen beschränkt ist, sondern sogar Staaten betreffen kann.

          Teilnehmen an der Entwicklung eines Anleihen-Korbs

          Eine Möglichkeit, beide Probleme zu lösen, also mit einem vergleichsweise geringen Geldeinsatz breit gestreut in Anleihen zu investieren, bieten entsprechende börsennotierte Indexfonds, sogenannte Renten-ETF (Exchange-Traded-Funds).

          Das sind Anlagevehikel, die ihren Käufern ermöglichen, an der Entwicklung eines Anleihe-Index zu partizipieren - ganz so, wie die bekannteren Aktien-ETF ermöglichen, an der Entwicklung eines Aktienindex wie dem Dax oder dem Eurostoxx 50 teilzuhaben. „Wir sehen, dass auch Privatanleger und Vermögensverwalter verstärkt Renten-ETF als flexibles Instrument nutzen, um das Anleihensegment in einem Portfolio abzubilden“, sagt Thorsten Michalik, der das ETF-Geschäft der Deutschen Bank leitet.

          Die drei bedeutendsten Wettbewerber auch im Bereich der Renten-ETF sind die zur Deutschen Bank gehörende Gesellschaft db X-trackers, der zur französischen Großbank Société Générale gehörende Anbieter Lyxor und der zum amerikanischen Vermögensverwalter Blackrock gehörende Marktführer iShares.

          Index genau ansehen

          Wer in einen Renten-ETF investieren möchte, muss sich neben seinem Anbieter vor allem mit dem jeweils zugrunde liegenden Index beschäftigen - zumal Anleiheindizes dem breiten Publikum tendenziell weniger vertraut sind als Aktienindizes. Der iBoxx [Euro] Eurozone-Index beispielsweise, den das Unternehmen Markit betreibt und der Basis von Renten-ETF ist, bildet den Staatsanleihemarkt des Euroraums insgesamt ab.

          Die Anteile der einzelnen Euroländer berechnen sich über das jeweilige am aktuellen Marktwert gemessene ausstehende Volumen an Staatsanleihen - italienische Papiere repräsentieren derzeit rund 24 Prozent des Index, gefolgt von Frankreich und Deutschland, die etwa genauso große Bestandteile ausmachen. Spanische Staatsanleihen machen mit knapp 10 Prozent das viertgrößte Gewicht aus.

          Griechische Anleihen sind demgegenüber kein Bestandteil des Index mehr, was nicht daran liegt, dass es keine Staatstitel des Landes mehr gäbe, sondern den Regularien geschuldet ist, nach denen der Index zusammengesetzt wird. Enthalten sein dürfen nur Staatsanleihen, die von den drei großen Ratingagenturen S&P, Moody's und Fitch im Durchschnitt als „investitionswürdig“ (Investment Grade) benotet werden.

          Portugiesische Staatsanleihen werden nach der jüngsten Herabstufung der Kreditwürdigkeit des Landes ab dem nächsten Monat nicht mehr in dem Index enthalten sein. Neben einem entsprechenden Rating müssen Anleihen, die diesem Index angehören, über eine Restlaufzeit von mindestens einem Jahr verfügen und außerdem ein ausstehendes Volumen von 2 Milliarden Euro oder mehr aufweisen.

          Breite Auswahl an Produkten

          Das Universum der Rentenindizes und damit auch der Renten-ETF ist mittlerweile beachtlich, es beschränkt sich weder auf Staatsanleihen noch auf Europa. Es gibt Renten-ETF auf Staatsanleihen nur der Vereinigten Staaten (Treasuries), Großbritanniens (Gilts) oder Deutschlands (Bunds) oder auch der sieben größten Industrienationen insgesamt. Es gibt Produkte, die nur ein bestimmtes Restlaufzeitspektrum abdecken, zum Beispiel fünf bis sieben Jahre.

          Ebenfalls erhältlich sind Renten-ETF auf Unternehmensanleihen, und auch in diesem Bereich gibt es Spezifikationen hinsichtlich Land, Kreditwürdigkeit oder Restlaufzeit. Und es gibt auf Pfandbriefen oder Covered Bonds basierende Produkte. Sogar Renten-ETF, mit denen Anleger auf fallende Anleihekurse setzen können, existieren - wer daran Interesse hat, sollte sich jedoch sehr gut auskennen, denn die Zahlungsverpflichtungen sind kompliziert.

          Die Vielzahl der Produkte wird vermutlich weiter zunehmen. „Der Trend wird weitergehen, wir werden künftig noch mehr Segmente des Anleihemarktes abdecken, zum Beispiel zielen wir derzeit auf Renten-ETF auf Schwellenmärkte in lokaler Währung“, sagt Simon Klein, der das ETF-Europageschäft von Lyxor leitet.

          Neben dem unterliegenden Index unterscheiden sich Renten-ETF auch darin, wie mit den regelmäßigen Zinszahlungen (Kupons) auf die enthaltenen Anleihen umgegangen wird. Es gibt Produkte, welche die Kupons thesaurieren und damit automatisch wieder anlegen. Und es gibt solche, die diese Zahlungen an die Anleger ausschütten. Beides kann interessant sein, denn - und das ist der wesentliche Unterschied zu einem direkten Anleihekauf - ein Renten-ETF hat theoretisch keine endliche Laufzeit.

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