https://www.faz.net/-gv6-8uhlm

Betriebsrente : Warum es keine Garantien mehr geben soll

Arbeitsministerin Andrea Nahles: Will Betriebsrente mit mehr Freiheiten ausstatten. Bild: dpa

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles will bestimmten Formen der Betriebsrenten mehr Freiheit in der Kapitalanlage geben. Damit würden bestimmte Rentengarantien wegfallen. Wem nützt das?

          Das letzte Wort scheint noch nicht gesprochen. Zumindest wollen die deutschen Versicherer weiter dafür kämpfen, dass Zinsgarantien in der betrieblichen Altersversorgung nicht vollständig zurückgedrängt werden. Zumindest für tarifvertragliche Lösungen will Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) Garantien verbieten. „Die geplante Regelung wäre nichts anderes als eine staatliche Pflichtverordnung zum Eingehen von Risiken für Millionen von Arbeitnehmern“, sagte Alexander Erdland, Präsident des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft jüngst in Berlin.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Die Tarifpartner sollten stattdessen eine Wahlmöglichkeit erhalten, ob sie eine Mindestverzinsung einziehen. „Ich habe das Gefühl, dass sich die Gewerkschaften einbringen, um Wahlmöglichkeiten zu schaffen“, sagte Erdland. Das wäre im Interesse der Versicherer, weil die betriebliche Altersversorgung eines der wenigen Wachstumsfelder in der Lebensversicherung ist.

          Warum will die Bundesregierung die Garantien streichen?

          In dem Gesetzentwurf, den das Bundeskabinett kurz vor Weihnachten beschlossen hat, wägt es die Vor- und Nachteile ab. Garantien hätten den Vorteil einer hohen Planungssicherheit. Um dies zu erreichen, müsse das Geld für die Rentenanwärter aber sehr vorsichtig – das heißt überwiegend in Wertpapiere mit festem Zinskupon (Pfandbriefe, Staats- und Unternehmensanleihen) – investiert werden. „Eine Chance auf eine bessere Rendite geht damit verloren. Im Niedrigzinsumfeld wird dies offensichtlich“, heißt es in dem Entwurf.

          Es könne sein, dass nicht einmal mehr die Entwertung des angesparten Vermögens durch die Inflation erreicht werde. Dieser Nachteil schmälere die Betriebsrenten und gehe so zu Lasten der Arbeitnehmer. Den Sozialpartnern bleibt aber die Wahl, ob sie sich für die Beitragszusage mit Zielrente entscheiden oder die herkömmlichen Formen der betrieblichen Alterversorgung.

          Wieso landet so viel Geld in festverzinslichen Wertpapieren?

          Garantien haben die Eigenschaft, dass sie leicht zu erwirtschaften sind, wenn sie für den Verbraucher nur einen geringen Nutzen haben. Umgekehrt tun sich die Vorsorgeeinrichtungen besonders schwer, sie zu erfüllen, wenn sie gerade besonders nützlich für den Sparer sind. Das liegt an folgendem Mechanismus: Sind die Anleihezinsen im Markt deutlich höher als die Garantien, muss nur ein kleiner Teil der Kapitalanlage in solche Papiere fließen, damit sie auch sicher erfüllt werden.

          Nehmen wir ein einfaches Rechenbeispiel: Der Zins am Kapitalmarkt betrage 5 Prozent, die Garantie 2,5 Prozent, die Laufzeit betrage zwanzig Jahre und es fließe kein Geld für sonstige Kosten ab. Dann könnte die Vorsorgeeinrichtung das Geld zu Beginn fest in Anleihen anlegen und hätte schon nach etwas mehr als der Hälfte der Zeit die Garantie sicher erwirtschaftet.

          In der zweiten Hälfte könnte sie das Geld so aufteilen, dass dieser Betrag abgesichert wird und das restliche Geld riskanter und damit chancenreicher angelegt wird. Sie könnte auch einen Teil des Geldes auf zwanzig Jahre für 5 Prozent anlegen und mit einem anderen Teil spekulieren, ohne auf Erträge angewiesen zu sein.

          Im aktuellen Zinsumfeld sieht es genau umgekehrt aus: Viele Pensionskassen müssen Garantien von durchschnittlich mehr als 3 Prozent erfüllen, sichere Anleihen werfen aber viel weniger ab. Immerhin halten sie aus der Vergangenheit noch Papiere mit höheren Kupons. Doch um die Garantie sicher bereitstellen zu können, müssen sie fast alles in niedrigverzinste Wertpapiere investieren. Dadurch bleibt kein Geld mehr für Aktien oder Beteiligungen übrig.

          Wie argumentiert die Versicherungsbranche?

          Die Assekuranz beruft sich auf den ordnungspolitischen Grundsatz, dass man zwei Partnern die Inhalte ihres Vertrags nicht vorschreiben dürfe. Auf dem deutschen Markt der Altersvorsorge hätten Garantien weiterhin eine hohe Bedeutung, weil sie von den Kunden nachgefragt würden. Deshalb entwickeln die Unternehmen alternative Garantiemodelle, die zum Beispiel keinen jährlichen Zins mehr enthalten, sondern nur noch einen, der am Ende der Vertragslaufzeit angerechnet wird.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die Große Koalition erzielt in der Nacht auf Montag einen Kompromiss bei der Grundsteuer (Archivbild von Angela Merkel (CDU) und Olaf Scholz (SPD)).

          Große Koalition : Union und SPD einigen sich bei Grundsteuer

          Schon beim ersten Koalitionsausschuss mit neuer Besetzung erzielt die Bundesregierung einen Kompromiss. Ist das Ausdruck einer neuen Handlungsfähigkeit? Etliche Streitpunkte können jedenfalls nicht gelöst werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.