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Analyse der Fachhochschule Ludwigshafen : Stärkste Lebensversicherer setzen sich ab

Rückkehr an die Spitze: Die Allianz Leben konnte den ersten Platz zurückerobern Bild: dapd

Die Leistungsstärke der Spitzengruppe nimmt zu, die schwächeren Anbieter verlieren den Anschluss: Die Betriebswirtschaftlichen Ergebnisse der deutschen Lebensversicherer klaffen weiter auseinander als im Vorjahr.

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          Die betriebswirtschaftlichen Ergebnisse der größten deutschen Lebensversicherer haben sich im vergangenen Jahr auseinanderentwickelt. Die Leistungsstärke der Spitzengruppe nahm zu. Dagegen verloren die schwächeren Anbieter den Anschluss, wie eine Analyse kundenrelevanter Kennziffern aus den Geschäftsberichten 2011 durch die Fachhochschule Ludwigshafen zeigt, die am Donnerstag vorgelegt wurde. So konnte die Allianz Leben den ersten Platz in dem Ranking zurückerobern, das Anlageerfolg, Sparsamkeit und Beteiligung der Kunden am Rohüberschuss kombiniert. Berücksichtigt wurden die zwölf nach Prämieneinnahmen größten deutschen Lebensversicherer.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Ausschlaggebend für die Rückkehr an die Spitze war, dass die Allianz die Nettoverzinsung ihrer Kapitalanlage um 0,3 Punkte auf 4,6 Prozent steigern konnte. Vorjahressieger R+V hingegen fiel bei diesem Kriterium mit 4 Prozent von Platz 2 ins Mittelfeld zurück. Die höchste Nettoverzinsung erreichte wie in den Vorjahren die Debeka mit 4,8 Prozent. Zusammen mit der zweitplazierten Versicherungskammer Bayern (Bayern-Versicherung) bilden diese Unternehmen auch im Mehrjahresvergleich ein Spitzenquartett, das sich vom Rest der Gruppe deutlich absetzt. „Die Spreu trennt sich vom Weizen“, kommentierte Studienautor Hermann Weinmann das Ergebnis.

          Beteiligung der Kunden an betriebswirtschaftlichen Erfolgen

          Erheblich sind die Unterschiede insbesondere bei den Kosten. So wenden die vier Versicherer der Spitzengruppe zwischen 3,2 und 4,7 Prozent der eingenommenen Prämien für Abschlusskosten auf - also für Provisionen und Vertriebsunterstützung. Vier Versicherer dagegen (Ergo, Nürnberger, Zurich, HDI-Gerling) kommen auf mehr als 6 Prozent. Das liegt an den unterschiedlichen Vertriebsmodellen. So setzen die Debeka und die Allianz stark auf eigene Außendienstmitarbeiter, Versicherungskammer Bayern und R+V können auf die Vertriebe der Konzernfamilie (Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken) zurückgreifen. Dagegen kommt die Zurich, die mit der Deutschen Bank kooperiert, auf 6,5 Prozent Abschlusskosten. Boden in der Gesamtwertung konnte die Axa gutmachen. Ihr ist es gelungen, die Abschlusskosten innerhalb von drei Jahren von 6,4 auf 5,5 Prozent zu senken.

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          Für den Kunden ist der Unterschied erheblich. Gesetzlich darf ein Versicherer nicht mehr als 4 Prozent der Prämieneinnahmen als kalkulatorische Größe für die erwarteten Kosten annehmen. Jedes Zehntel oberhalb dieses erlaubten Kostensatzes mindert den Rohüberschuss des Unternehmens, der auf die Kunden verteilt werden kann. Für das Jahr 2010 (aktuellere Daten liegen noch nicht vor) hat die Finanzaufsicht Bafin einen Verlust aus tatsächlichen gegenüber kalkulierten Abschlusskosten von 1,8 Milliarden Euro auf Branchensicht errechnet. Dagegen tragen die Verwaltungskosten der Unternehmen positiv zu den Gewinnen bei. 2010 verzeichnete die Branche einen Verwaltungskostenüberschuss von 3 Milliarden Euro, der den Kunden zugutekommt. Wie die Daten der Untersuchung aus Ludwigshafen zeigen, könnte dieser Wert für das vergangene Jahr allerdings geringer ausfallen: Zurich, Versicherungskammer Bayern und HDI-Gerling wiesen höhere Verwaltungskostensätze aus. Spitzenreiter bleiben bei diesem Kriterium die Allianz (1,1 Prozent) und die Debeka (1,3 Prozent). Schlusslicht Axa gelang es, den Wert in drei Jahren von 3,5 auf 3,1 Prozent zu verbessern.

          Die Untersuchung zeichnet sich gegenüber anderen Branchenvergleichen dadurch aus, dass sie den betriebswirtschaftlichen Kennziffern die Beteiligungsquote der Kunden an diesen Erfolgen gegenüberstellt. So hat sich die Allianz gegenüber dem Vorjahr auch deshalb verbessert, weil sie diesmal einen geringeren Anteil des Überschusses an die Aktionäre oder den Mutterkonzern ausgeschüttet hat. Mit einer Quote von 81 Prozent (Vorjahr: 78) hat sie einen höheren Anteil bei den Kunden belassen, die Württembergische Leben hat hier mit 74,6 Prozent den schlechtesten Wert. An diesem Kriterium zeigt sich, wie wertvoll gute Kosten- und Kapitalanlageergebnisse sind. Denn sie erhöhen den Spielraum für die Versicherer, innerhalb des Konzerns das Eigenkapital zu stärken. Der Generali Leben gelang es in diesem Jahr erstmals seit Beginn der Untersuchung, einen kleinen Anteil (2 Prozent) an die italienische Muttergesellschaft zu überführen, weil sie genug Rohüberschuss erzielte, um die Kunden gemäß ihrer Zuführungspflicht zu bedienen und noch einen Rest übrig zu haben.

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