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Nach Zinsanstieg : Am Immobilienmarkt gehen die Preise zurück

Berliner Wohnhäuser: Die steigenden Zinsen dämpfen die Nachfrage, und seit Langem fallen wieder die Immobilienpreise. Bild: dpa

Erstmals seit mehr als zehn Jahren fallen am deutschen Immobilienmarkt wieder die Preise. Die Pfandbriefbanken erwarten aber keinen Einbruch. Der Bedarf an Wohnraum bleibe weiterhin hoch.

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          Am deutschen Immobilienmarkt fallen erstmals seit mehr als zehn Jahren wieder die Preise. Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes deutscher Pfandbriefbanken (VDP), Jens Tolckmitt, sprach am Montagabend vor Journalisten von „klaren Anzeichen für eine Trendwende bei Immobilienpreisen“. Trotzdem erwartet er keine dramatische Entwicklung und schloss einen Preiseinbruch aus. Verbandspräsident Georg Reutter, im Hauptberuf Vorstandsvorsitzender der DZ Hyp, stufte die steigenden Zinsen als Gegenwind im Immobiliengeschäft ein. Der Immobilienmarkt sei in eine Pause gegangen, der Umfang der Transaktionen sei spürbar rückläufig. Reutter hält einen Rückgang der Immobilienpreise von 15 bis 25 Prozent für möglich.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Immobilienpreisindex des VDP, dem die wichtigsten Hypothekenbanken Deutschlands angehören, wies im dritten Quartal erstmals seit 2011 einen Rückgang im Vergleich zum Vorquartal von 1,0 Prozent aus. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sind die Preise aber noch immer um 4,7 Prozent gestiegen. Reutter hofft, dass sich mit Beginn des zweiten Halbjahres 2023 der gegenwärtige Stau am Immobilienmarkt auflösen und es wieder zu mehr Transaktionen auf einem dann niedrigeren Marktniveau kommen wird.

          Konservative Finanzierungen

          Nach Einschätzung des VDP dürften die Immobilienpreise auch in den kommenden Quartalen sinken. Das gilt auch für Wohnimmobilien, deren Preise im dritten Quartal um 0,7 Prozent gefallen sind. Im Vergleich zum Vorjahresquartal sind sie aber um 6,1 Prozent gestiegen. Einen Einbruch der Preise erwartet Tolckmitt nicht, weil der Bedarf an Wohnraum hoch bleibe und der deutsche Immobilienmarkt auch in früheren Wirtschaftskrisen robust geblieben sei. Er verwies hier auf den niedrigen Finanzierungsanteil am Marktwert der Immobilien. Der sogenannte Loan to value (LTV) bei einer Zinsbindung von 14 Jahren beträgt nach seinen Angaben im Durchschnitt 80 Prozent.

          Die Pfandbriefbanken spüren die Korrektur am Immobilienmarkt auch in ihrem Kreditgeschäft. Dieses ließ im dritten Quartal gegenüber der vorangegangenen Dreimonatsperiode in der Wohnimmobilienfinanzierung um 21 Prozent nach. Bei Gewerbeimmobilien betrug der Rückgang 8 Prozent. In den ersten neuen Monaten sagten die Pfandbriefbanken neue Kredite über 132 Milliarden Euro zu, was Tolckmitt als vergleichsweise viel einstufte. Zum Vorjahreszeitraum beträgt das Minus 1,3 Prozent. In der vergangenen Woche hatte VDP-Präsident Reutter gesagt, dass sich der Rückgang der Kreditvergabe zumindest bis Mitte 2023 voraussichtlich fortsetzen wird.

          Tolckmitt verwies auf die hohen Bewertungen nach dem langjährigen Immobilienboom in Deutschland. Selbst ein kräftiger Rückgang der Preise um rund 20 Prozent, den einige in der Branche für möglich hielten, würde nur das Niveau von 2020 bedeuten. Die Investitionsbereitschaft in Wohnimmobilien bleibe auch im aktuellen Hochzinsumfeld weiterhin intakt. Trotzdem führten die Zinserhöhungen dazu, dass Wohneigentum bei gleichen Preisen weniger erschwinglich sei und die Nachfrage sinke.

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