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Altersvorsorge : Versicherer für die Riesterrente

Bild: F.A.Z.

Der Branchenverband der deutschen Versicherer wehrt sich gegen die Kritik an der geförderten Geldanlage: Man müsse eben nicht „steinalt“ werden, damit sich die Riesterrente lohne.

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          Die deutschen Versicherer haben die staatlich geförderte Riesterrente gegen die Kritik von Wirtschaftsforschern und Verbraucherschützern verteidigt. Vor allem für Geringverdiener und Familien seien die Produkte rentabel, berichtete der Branchenverband GDV am Dienstag in Berlin. Anhand von Beispielrechnungen wollten die Lebensversicherer belegen, dass die eingezahlten Beiträge schon nach wenigen Jahren als Renten ausgezahlt würden.

          Philipp Krohn
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Demnach hätte eine Alleinerziehende mit einem Kind durch die hohe staatliche Förderung schon im Alter von 71 Jahren ihre Einzahlung wieder verdient. In den Folgejahren erziele sie eine Rendite aus den Anlagezinsen und der Zulage. Bei einer branchenüblichen Verzinsung des Kapitals komme sie im Alter von 85 Jahren auf eine jährliche Rendite von 5,9 Prozent, mit 90 Jahren auf 6,3 Prozent.

          Wette auf ein langes Leben

          Anders als durch eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) suggeriert, müsse ein Riestersparer also nicht "steinalt" werden, damit sich diese Vorsorgeform lohne. Das DIW hatte ein deutlich höheres Alter errechnet, von dem an sich die Förderprodukte lohnten. Deshalb hatten die Forscher die Warnung ausgesprochen, die Riesterrente sei eine Wette auf ein langes Leben und werfe für manchen Sparer nicht mehr ab, als wenn er sein Geld in den Sparstrumpf stecke.

          Die Versicherer setzten dieser Betrachtung nun drei verschiedene Beispielrechnungen entgegen. Sie nahmen an, dass die Verträge ihren Wert in den kommenden Jahren weiterhin um den derzeitigen durchschnittlichen Überschusszins von 4,3 Prozent steigern. Dabei wurden branchenübliche Schlussüberschussbeteiligungen nicht berücksichtigt, durch die die Rendite noch einmal höher ausfällt. Zudem unterstellten sie den branchenüblichen Kostensatz. Die derzeitige Niedrigzinsphase, die die Kapitalerträge schmälert, und der vom 1. Januar kommenden Jahres an abgesenkte Garantiezins von 1,75 Prozent wurden dagegen noch nicht berücksichtigt.

          Älter als der Bevölkerungsdurchschnitt

          Die Versicherer rechtfertigten, dass sie für die Lebenserwartung deutlich höhere Werte annehmen als das Statistische Bundesamt. Um dies zu illustrieren, griffen sie auf ein Beispiel aus der Vergangenheit zurück: Im Jahr 1986 noch prognostizierte das Amt, dass 21,7 Prozent der 65 Jahre alten Männer noch genau zwei Jahrzehnte leben würden. Im Jahr 2006 dagegen stellte es fest, dass es tatsächlich 31,5 Prozent waren. Hätten sich die Rentenversicherer an die Prognosen der Statistiker gehalten, hätten sie viel zu geringe Beiträge berechnet, um ihren Kunden eine lebenslange Rentenzahlung zu sichern. Hinzu komme, dass Rentenversicherungskunden älter als der Bevölkerungsdurchschnitt würden, weil Menschen mit ungesundem Lebenswandel seltener Policen abschlössen.

          Nach der Beispielrechnung zahlt ein männlicher 35 Jahre alter Single jährlich 1200 Euro ein, um den vollen Fördersatz von 154 Euro zu erhalten. Entwickelt sich die Versicherung mit dem aktuellen Überschussszenario weiter, erhält er im Alter von 67 Jahren eine jährliche Rente von 4284 Euro - bis zum Lebensende.

          Ob seine Rendite sich positiv entwickelt, hängt davon ab, wie alt er tatsächlich wird. Nach dem 74. Lebensjahr übersteigt seine Rentenzahlung die eingezahlten Prämien und Zuschläge. Ohne Förderung hätte der Kunde nach dem 75. Lebensjahr seine Beiträge "wieder raus". Für die anderen untersuchten Gruppen (Familie mit zwei Kindern, Alleinerziehende mit einem Kind) ergibt sich der positive Effekt früher, weil die Förderquote durch die Kinder 35,5 Prozent und 63,1 Prozent beträgt.

          Zudem bemühte sich die Branche, den Eindruck zu entkräften, durch eine Regeländerung ihre Aktionäre stärker als zuvor an Risikogewinnen aus dem vorzeitigen Tod ihrer Kunden zu beteiligen. Dies erlaubten die neuen Regeln zwar. Durch den straffen Wettbewerb für Altersvorsorgeprodukte sei dies aber kaum möglich. Die Risikogewinne seien zudem bislang noch kaum ins Gewicht gefallen.

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