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Altersvorsorge : Rente für Selbständige

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Bild: © Images.com/Corbis

Wer selbständig ist, steckt sein Geld in Versorgungswerke, Immobilien und Betriebsvermögen. Das lohnt sich.

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          Muss man Menschen gelegentlich zu ihrem Glück zwingen? Psychologen und Soziologen antworten darauf: besser nicht. Politiker scheinen da anderer Meinung zu sein: man muss. Denn Menschen wissen oft nicht, was gut für sie ist. Deshalb plant die Politik, die Selbständigen in die Rentenversicherungspflicht zu nehmen. Sonst drohe vielen am Ende die Altersarmut. Aus freien Stücken sorgten die Selbständigen viel zu wenig vor, lautet die Begründung. Die Zahl der Alleinarbeiter mit Kleinsteinkommen sei in den vergangenen Jahren geradezu explodiert. Nun müsse man verhindern, dass sie später dem Staat auf der Tasche liegen, ohne vorher in die Rentenkasse eingezahlt zu haben.

          Diskutiert wird anscheinend nur noch über die Frage: Sollen alle Selbständigen in die gesetzliche Rentenversicherung gezwungen werden (das wäre die Pflichtversicherung)? Oder verpflichtet man sie, einen Vertrag abzuschließen, überlässt ihnen aber, ob es ein privater oder gesetzlicher ist (das wäre die Versicherungspflicht)? “Ein festes System einer Altersvorsorge für Selbständige“ will Arbeitsministerin Ursula von der Leyen auf jeden Fall. So weit klingt das alles gerechtfertigt, wenn nicht gar vernünftig. Dennoch geht es weit an der Realität vorbei.

          Mehr als jeder zehnte Berufstätige ist sein eigener Chef

          Die Lebenswelt der Selbständigen sieht anders aus. Tatsächlich ist die Zahl der Einzelunternehmer seit 1991 um etwa 40 Prozent gestiegen. Mehr als jeder zehnte Berufstätige ist nicht mehr angestellt, sondern sein eigener Chef. Und es stimmt, dass viele darunter sind, die sich gerade so über Wasser halten. Allerdings nicht mehr als bei den Festangestellten - sogar weniger. Etwa 27 Prozent der Selbständigen verdienen netto weniger als 1100 Euro im Monat. Bei den Festangestellten sind es dagegen 35 Prozent, sagt eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

          Einkünfte im Alter
          Einkünfte im Alter : Bild: F.A.Z.

          Wenn also in einem Atemzug so oft die Worte “Soloselbständige“ und „Prekariat“ fallen, dann geht das an Dreiviertel der Selbständigen vorbei. Genau das Gegenteil trifft zu: Freiberufler besetzen gerade die oberen Einkommensklassen viel häufiger als Angestellte. Während 84 Prozent der abhängig Beschäftigten mit weniger als 2300 Euro netto auskommen müssen, sind es nur 64 Prozent der Selbständigen. Knapp 40 Prozent der Alleinarbeiter verdienen sogar deutlich mehr. Und wer zu den Geringverdienern gehört, der bleibt das meist nicht lange: Es sind häufig Existenzgründer, von denen ein Großteil nach drei Jahren angibt, das Einkommen “deutlich gesteigert“ zu haben.

          Selbständige sparen mehr als Festangestellte

          Natürlich ist es schwer, Generalaussagen über “die Selbständigen“ zu treffen. “Gerade bei den Selbständigen streuen die Einkommen und Alterseinkommen sehr“, sagt Klaus Kortmann von Infratest Sozialforschung, der den Alterssicherungsbericht für das Arbeitsministerium erstellt. Die Zahlen, auf die sich Politiker stützen, haben jedenfalls Schwächen: Über Selbständige liegen nicht viele Daten vor. Und die meisten Statistiken erfassen nur die letzte berufliche Stellung vor der Rente. Wer mehrmals zwischen Freiberuflertum und Festanstellung gewechselt ist oder kurz vor der Rente seine Firma verkauft hat und die letzten Jahre als angestellter Geschäftsführer verbringt, der taucht dort in der falschen Spalte auf.

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