https://www.faz.net/-gv6-71i8w

Altersvorsorge : Betriebsrente ist in Gefahr

Keine allzu großen Hoffnungen auf eine Wende

Trotzdem versuchen viele Geldmanager zu beruhigen: Die Phase niedriger Renditen sei nur eine Episode, bald würden die Zinsen auch wieder steigen. Völlig auszuschließen ist dies zwar nicht. Aber allzu große Hoffnungen auf die Wende sollten sich Sparer nicht machen. Schließlich notieren die Leitzinsen in den wichtigsten Währungsräumen der Welt derzeit alle unter der Schwelle von einem Prozent. Wegen der Schwere der Krise ist es vor allem in Europa sehr wahrscheinlich, dass dies noch längere Zeit so bleiben wird.

Aber warum nicht einfach auf Investments setzen, die bessere Erträge versprechen? Aktien zum Beispiel. Dax-Papiere erzielen derzeit allein durch ihre Dividenden im Schnitt schon eine Rendite von rund vier Prozent, Kursgewinne kämen noch obendrauf. Sichere Staatsanleihen können da nicht mehr mithalten.

Doch ausgerechnet dieser lukrative Ausweg ist Pensionskassen und Direktversicherern weitgehend untersagt: Nach den Vorgaben der Aufsichtsbehörde Bafin müssen sie vorwiegend in sichere Anlagen investieren. Und selbst der Anteil, den sie noch in Aktien halten dürfen, könnte in Zukunft weiter schrumpfen: Nach Überlegungen der EU-Kommission soll ein wichtiges neues Regelwerk demnächst ebenfalls für Pensionskassen und Pensionsfonds gelten.

Zentraler Bestandteil dieser sogenannten Solvency-II-Regeln: Aktien müssen mit zusätzlichem Eigenkapital hinterlegt werden, Staatsanleihen aber nicht - selbst wenn sie von einem europäischen Krisenstaat wie Spanien stammen. Was technisch klingt, bedeutet in der Praxis: Aus Bilanzgründen lohnt sich der Aktienkauf für Pensionskassen nicht.

Ein verlogenes Spiel, findet Rentenexperte Raffelhüschen: „Auf diese Weise zwingt der Staat Großanleger regelrecht dazu, weiter Staatsanleihen zu kaufen. So wird die Nachfrage nach den Papieren künstlich gesteigert, und in der Folge fallen die Renditen noch weiter.“ Im Klartext: Beschäftigte, die auf die betriebliche Altersvorsorge zählen, sind die Leidtragenden.

Dies gilt selbst für die Arbeitnehmer, die von ihrem Arbeitgeber eine sogenannte Direktzusage erhalten haben. Dabei müssten sie eigentlich deutlich weniger von den niedrigen Zinsen betroffen sein. Denn Direktzusage bedeutet: Das Unternehmen kann die Betriebsrente selbst verwalten - wie und wo es die Gelder seiner Mitarbeiter anlegt, darf es frei entscheiden. De facto ahmen die meisten Firmen nach Auskunft des Fachverbandes Aba jedoch weitgehend die Anlagestrategie der Versorgungswerke nach: Ein wesentlicher Teil der Gelder sei konservativ in sicheren Papieren angelegt.

Gefährliche Garantiezinsen

Wie groß das Problem noch werden kann, zeigt ein Blick auf die Garantiezinsen, die viele Firmen ihren Beschäftigten versprochen haben: Zwar sind sie vorsichtig geworden und machen dies seit einigen Jahren kaum noch. Aber nach Daten des Beratungsunternehmens Towers Watson waren noch Ende der 90er Jahre Zinszusagen von fünf Prozent und mehr nicht ungewöhnlich. Kann der Arbeitgeber die nicht aus den angelegten Geldern aufbringen, muss er sie aus dem laufenden Geschäft heraus zahlen.

Hier lauert eine Gefahr: Sollte das eine Firma überfordern, gibt es in Deutschland zwar sehr gute Sicherheitsnetze wie den Pensionssicherungsverein. Über ihn sind jedem Arbeitnehmer zumindest die eingezahlten Beiträge garantiert. Spätestens dann aber dürfte sich mancher Beschäftigte fragen, ob es nicht besser gewesen wäre, das Geld selbst anzulegen.

Weitere Themen

Topmeldungen

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.