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Finanzplanung Mitte fünfzig : Wie lange möchten Sie noch leben?

Ob Fazzi Indecks sich solchen Luxus leisten kann? Bild: Reuters

Mit Rente, Haus und Ersparnissen sind schon einige Schäfchen im Trockenen. Aber wie viel Geld braucht man, um bis zum Lebensende damit auszukommen?

          Am Wochenende war Ehepaar Indecks das erste Mal am künftigen Studienort seines Sohnes: Maxi führte seine Eltern Sibylle und Fazzi über den Campus der privaten Hochschule. Es fühlte sich gut an, nach all den trockenen Finanzrechnungen der vergangenen Wochen endlich zu erleben, wofür Fazzi auf den vorgezogenen Ruhestand verzichten würde.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Er sah sich in seine Zeit als BWL-Student zurückversetzt, musste an die lustigen Mittagspausen in der Mensa denken, an die rauschenden Gartenfeste seiner Fakultät und an die Arbeitsgruppen, in denen er mit seinen Kommilitonen komplizierte Aufgaben in Statistik gelöst hatte.

          „Weißt du, vielleicht ist es gar nicht schlecht, noch zehn Jahre zu arbeiten“, sagte Fazzi mit einem Mal zu seiner Frau. Maxi sollte dieselben Freiheiten genießen wie er selbst. Und wenn er in der Regelstudienzeit von acht Semestern seinen Master abgeschlossen hätte, wären immer noch sechs Jahre Zeit, um weiter an den Vermögensaufbau zu denken und den Ruhestand vorzubereiten. Doch nach all den Überlegungen der letzten Zeit war er nun doch neugierig, wie viel Geld er und Sibylle im Herbst des Lebens haben würden.

          Fazzi lässt sich beraten

          Weil er sich zuletzt viel über Finanzen informiert hatte, war ihm das Konzept der Honorarberatung aufgefallen, das er ausprobieren wollte. So wandte sich Fazzi telefonisch an Dennis Buchmann von der Quirin Privatbank in Hamburg, die ausschließlich Beratung gegen Honorar statt auf Provisionsbasis anbietet.

          Er schilderte dem Certified Financial Planner seine finanzielle Situation, berichtete von Sibylles Vorhaben, mit 60 Jahren in der Boutique aufzuhören, und von seinen Verpflichtungen gegenüber seinem Sohn. Dann schlüsselte er sein Vermögen auf: die 150.000 Euro, die in einem Indexfonds lagen, die 150.000 Euro, die ihm in zehn Jahren aus der Kapitallebensversicherung zustanden, und das abbezahlte Haus, in dem er mit seiner Frau und bis zu dessen Studienbeginn mit seinem Sohn lebte.

          Fazzi im Aufwind

          „Das sieht doch gar nicht so schlecht aus“, sagte Buchmann. „Das Haus als letzter Sicherheitspuffer und 300.000 Euro als liquide Mittel. Das ist nicht wenig angesichts der guten Rente.“ Nachdem ihm jüngst einige finanzielle Illusionen geraubt wurden, fühlte sich Fazzi endlich wieder im Aufwind. Mit seinem Vermögen und den Ansprüchen aus der gesetzlichen Rentenversicherung würden er und Sibylle ein recht komfortables Leben im Alter führen können. Wenn Fazzi mit 65 Jahren zu arbeiten aufhörte und Sibylle mit 60, käme er auf eine monatliche Rente von 2000 Euro und sie von 720 Euro. Wollten sie weiterhin monatliche Ausgaben von 3500 Euro finanzieren, entstünde ein monatlicher Bedarf von 780 Euro.

          „Das sollte sich mit 300.000 Euro Vermögen bis zum Lebensende decken lassen“, sagte Buchmann im persönlichen Gespräch. Hinzukomme als Sicherheitsreserve noch das Vermögen, das er aufbauen werde, wenn sein Sohn mit dem Studium fertig wäre - immerhin 144.000 Euro ohne Zinsen in sechs Jahren.

          Als der Berater ihn fragte, wie alt er denn zu werden gedenke, war Indecks zunächst irritiert. Woher sollte er das wissen? Buchmann erklärte ihm aber, dass das für die Frage bedeutsam sei, ob er auf einen Entnahmeplan oder eine Versicherungslösung setzen solle. Nach den amtlichen Sterbetafeln habe er vom Renteneintritt an noch eine statistische Lebenserwartung von 26 Jahren, seine Frau von 30 Jahren. Wollten sie sicher gehen, bis Lebensende eine monatliche Zahlung zu erhalten, müssten sie eine aufgeschobene Rentenversicherung abschließen, in die sie jetzt einzahlen könnten, oder in zehn Jahren in eine Sofortrente.

          Geht Fazzi ein Risiko ein?

          Um zu veranschaulichen, was dabei herauskommen könnte, rechnete Buchmann vor, wie viel Sibylle erhalten könnte, wenn sie die Hälfte ihres Vermögens von 300.000 Euro in eine kostengünstige Direktversicherung mit einer Aufschubzeit von zehn Jahren einzahlte. Als garantierte Monatsrente könnten sie 550 Euro monatlich einkalkulieren, schriebe man zudem die heutigen Überschussbeteiligungen fort, könnte der Betrag auf 770 Euro steigen. „Allerdings ist davon auszugehen, dass die Überschüsse durch die Niedrigzinsen weiter zurückgehen“, schränkte der Berater ein. „Ich hätte kein gutes Gefühl dabei.“

          Fazzi dachte noch einmal über seine Lebenserwartung nach. Sein Vater war mit 78 Jahren schon pflegebedürftig, seine Mutter war schon gestorben. Es schien ihm auch wegen seiner großzügigen Rente ein vertretbares Risiko zu sein, das Kapital über drei Jahrzehnte aufzuzehren. Auf Sicht von 30 Jahren könne er durchaus ein gewisses Aktienrisiko eingehen - über so lange Phasen würden Investments immer eine positive Rendite abwerfen, sagte Buchmann. Weil Sibylle die höhere Lebenserwartung hatte, ließ sich Fazzi auch hier die finanziellen Folgen vorrechnen.

          Der Berater orientierte sich am Mittelwert der Monatsrente aus der Versicherung. Entnähme Sibylle 660 Euro im Monat aus einem Portfolio mit 40 Prozent Aktien und 60 Prozent Anleihen mit einer angenommenen Rendite von 3 Prozent, würde das Geld 35 Jahre reichen. „Die statistische Lebenserwartung wird um fünfzehn Jahre geschlagen - und es ist noch ein Sicherheitspuffer drin“, sagte der Berater. Gegen eine jährliche Gebühr von 1,2 Prozent des Vermögens könne er einen Entnahmeplan und die Betreuung anbieten.

          Fazzi will flexibel bleiben

          Fazzi dachte nach. Als Diplomkaufmann war er rationalen Argumenten gegenüber aufgeschlossen. Er wollte aber noch eine zweite Meinung einholen und rief den freien Honorarberater Jörg Wrobbel aus Köln an. „Die Versicherung ist eine Wette auf das Lebensende“, sagte ihm dieser. Zudem sei kein Ende der Niedrigzinspolitik abzusehen. Einige Versicherer könnten in den kommenden Jahren ins Taumeln geraten.

          Auch vor diesem Hintergrund sei die Flexibilität des Entnahmeplans viel wert. „Wenn ich in zwei Jahren Krebs bekomme, kann ich das Geld immer noch entnehmen und die Traumreise durch die Hurtigruten machen“, sagte Wrobbel. Fazzi war überzeugt. Eine Versicherung bis Lebensende hielt er nicht für nötig.

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