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Finanzplanung Mitte fünfzig : Wie man mit dem Pflegerisiko umgeht

Der eigene Lebensabend sollte gut geplant sein. Bild: dpa

Der Blick auf seinen gebrechlichen Vater erinnert Fazzi Indecks daran, dass der Ruhestand nicht nur aus Lustreisen bestehen wird. Aber müssen Krankheit und Pflege zusätzlich abgesichert werden?

          Kürzlich ist Fazzi in der Oper gewesen. Seiner Frau Sybille zuliebe. Ergebnis: nur alte Leute. Fazzi hält nicht viel von klassischer Musik, erst recht nicht von langatmigen Opern. Zeit genug also, sich ein wenig umzuschauen, bevor der Schlaf ihn übermannt und Sybilles Laune entsprechend sinkt. Die Rollatorendichte wird immer höher, denkt Fazzi, jede Menge Hörgeräte. Kaum hat Papageno seinen ersten Auftritt, muss Frau Meier erstmals austreten. Immerhin hat sie sich dieses Mal einen Platz am Ende einer Reihe genommen, damit sich nicht wieder mühsam die halbe Reihe während der Vorführung aus ihren tiefen Sitzen quälen muss.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Fazzi, das steht dir auch noch alles bevor, denkt er sich. Schon sind seine Gedanken bei der Kur in Bad Iburg, als ihn die Kurschatten auf Schritt und Tritt verfolgt und genervt hatten. Welch ein Albtraum muss ein Altersheim sein, denkt er sich. Da kommt er nicht nach drei Wochen wieder raus. Aber vielleicht bekommt man das alles auch nicht mehr so bewusst mit, überlegt er sich, als ihn der Ellenbogen seiner Gattin erstmals in der Seite trifft: „Die Arie der Königin der Nacht, die hörst du doch immer so gerne.“ Offenbar waren ihm die Augenlider etwas schwer geworden. „Jaja“, murmelt Fazzi und bemerkt, dass irgendein ambitionierter Regisseur die Königin als Einhorn auftreten lässt, warum auch immer.

          Nein, in ein Altersheim möchte Fazzi auf keinen Fall. Was das auch noch kostet. Für seinen gebrechlichen Vater hat er sich neulich mal umgeschaut: 3500 Euro sind es gut und gerne bei hoher Pflegebedürftigkeit. Im Monat! Wer hat denn so viel Geld? Immer wieder erreicht ihn in letzter Zeit Werbung von privaten Pflegeversicherungen. Vielleicht muss ich mir das auch mal näher anschauen, überlegt Fazzi, als seine Frau ihn fragt, ob er gerne am Ende der Schlange steht oder warum er noch nicht auf dem Weg zum Sektverkauf ist. Ach ja, Pause.

          Frau Schmitz fand die Pamina auch bezaubernd. Herr Schmitz hat keine zusätzliche Pflegeversicherung: „Als Raucher tue ich, was ich kann, um rechtzeitig unter die Erde zu kommen.“ Sybille hält seine Small-Talk-Themenwahl mal wieder für unpassend, wo doch gerade die Schwester von Frau Schmitz Demenz attestiert bekommen hat. Fazzi beißt sich auf die Zunge, um nicht einen weiteren spitzen Kommentar hinterherzuschicken, sondern denkt an die nicht vorhandene eigene Patientenverfügung. Eine Vorsorgevollmacht hat er auch nicht. Sich mit eigener Gebrechlichkeit zu beschäftigen, wer macht das schon gerne?

          Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht

          Doch neulich las er in der Vermögensfrage in der F.A.Z., dass dies nicht nur für einen selbst sinnvoll, sondern vor allem auch für die Angehörigen eine große Erleichterung sein kann, wenn sie nicht vor Gericht Rechenschaft über ihr Tun ablegen müssen, sondern mit ordentlichen Vollmachten ausgestattet sind und darin zudem festgelegt ist, was von ihnen vom Betroffenen gewünscht wird, und sie nicht Rätselraten müssen.

          Fazzi nimmt sich vor, die Themen alsbald anzugehen, als Papagena endlich auftaucht und sich die Oper damit langsam dem Ende zuneigt. Ob seine Frau wiederbelebt werden möchte, fragt er lieber nicht, dann hätte er wieder den Ellenbogen in der Seite. Aber auch Sybille sollte unbedingt mal eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht ausstellen, und auch über ihre finanzielle Absicherung im Pflegefall gilt es nachzudenken.

          Die Sache wird nicht einfacher, als Fazzi erfährt, dass es künftig keine Pflegestufen, sondern Pflegegrade geben wird. „Wir beraten daher derzeit nur vorsichtig, welche Pflegezusatzversicherungen sinnvoll sind, weil sich dort auch auf Versicherungsseite gerade einiges ändert“, sagt Christoph Kranich, Leiter des Bereichs Gesundheits- und Patientenschutz der Verbraucherzentrale Hamburg. „Jeder sollte sich jedoch im Klaren sein, dass die gesetzliche Pflegeversicherung nur eine Teilkaskoversicherung ist, die im Pflegefall nicht ausreicht.“ Ob eine zusätzliche Absicherung nötig ist, hänge auch von der persönlichen Risikobereitschaft ab. „Ein ängstlicher Typ kann sich gegen alles versichern. Wer aber etwas zurücklegen kann, der braucht nicht extra eine Versicherung“, sagt Kranich.

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