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Finanzplanung Mitte fünfzig : Wer sich den vorzeitigen Ruhestand leisten kann

Ist die Zeit für die Hängematte schon reif? Bild: AP

Wann ist man alt genug für die Rente? Einige simple Kalkulationen zeigen, auf welche wichtigen Entscheidungen es wirklich ankommt. Damit der Ruhestand nicht teuer zu stehen kommt.

          Die Kur in Bad Iburg ist vorbei. „Endlich“, dachte sich Fazzi Indecks. Lagerkoller hatte er schon bald verspürt. Die Kaffeekränzchen mit den reiferen Damen und ihren ständigen Klagen über die Enttäuschungen mit ihren Männern gingen ihm auf die Nerven. Immerhin spürte er seine Rückenschmerzen nicht mehr. So hatte es ihm sein Arzt versprochen. Fazzi war froh, als er wieder zu Hause war. Gattin Sibylle hatte ihm sein Lieblingsgericht Ossobucco gekocht. Dazu holte er aus dem Keller einen besseren Jahrgang des geschätzten Grand Cru aus dem Château Fourney. Der Bordeaux schmeckte hervorragend, auf der Kur hatte sich Fazzi in Abstinenz geübt. Die Kalbshaxe und das Risotto waren Sibylle bestens gelungen. Es sollte ein angenehmer Abend werden. Fazzi wollte in seiner Schallplattensammlung kramen und längst vergessene Klassiker auflegen.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch beim Abräumen kam Sibylle, die wie Fazzi 55 Jahre alt war, auf den vorzeitigen Ruhestand zu sprechen. Sie hatte ihm schon vor längerem klargemacht, dass sie mit 60 Jahren ihre Festanstellung in der Modeboutique aufgeben wolle. Sie träumte von gemeinsamen Reisen und einem Lebensabend, den man noch bei bester Gesundheit möglichst früh antreten solle. „Aber solange unser Sohn studiert und mein Vater auf meine Unterstützung angewiesen ist, lässt sich das kaum bewerkstelligen“, gab Fazzi zu bedenken. Altersteilzeit schon jetzt wäre ohnehin nicht drin. Denn der Filius wird noch vier Jahre studieren, und das kostet die Eltern 2000 Euro im Monat.

          Im mittleren Management der Maschinenbaufabrik verdient Fazzi recht ordentlich. Er kommt netto auf 4500 Euro im Monat. Seine Frau trägt 1500 Euro bei. Doch Sibylle hatte sich eingebildet, dass sie in fünf Jahren nicht mehr in der Boutique eine immer jünger werdende Kundschaft bedienen will. Fazzi konnte das verstehen, auch wenn er seine Gattin stets mit dem Einwand zu beruhigen versuchte, auch noch mit 60 Jahren attraktiv genug für diesen Job zu sein.

          Problem des Elternunterhalts

          Vorausgesetzt, der Sohn wäre in vier Jahren fertig, dann könnte Sibylle in fünf Jahren aufhören, überlegte Fazzi. Der einzige Unsicherheitsfaktor war der Gesundheitszustand seines Vaters. Den unterstützte Fazzi mit 500 Euro im Monat. Das Problem des Elternunterhalts war ihm aus Gesprächen mit Altersgenossen aus dem Schachverein vertraut. Fazzi ging es nicht darum, den Unterhalt auf das gesetzliche Minimum zu begrenzen. Es handelte sich für ihn um eine Ehrensache: Wenn sein Vater in ein Pflegeheim muss, dann nicht in das billigste, sondern in eines mit möglichst guter Unterkunft und Versorgung.

          Fazzi konnte das Gespräch mit Sibylle nur beenden, weil er ihr versprach, sich mit dem Thema Altersteilzeit auseinandersetzen zu wollen. So endete der Abend doch noch so, wie er es sich vorgestellt hatte: ein paar gute alte Scheiben und dazu einen exquisiten Rotwein.

          Am Montag stand der erste Arbeitstag seit langem wieder an. Die Kollegen freuten sich über seine Wiederkehr, genauso der Chef. „Fazzi, endlich bist du wieder zurück und kannst den Laden auf Vordermann bringen“, sagte er, und Fazzi wusste sofort, da ist einiges an Arbeit liegengeblieben. Er war stolz auf seine Tätigkeit, sie machte ihm durchaus Spaß. Aber wenn Fazzi zu sich ehrlich war, dann fiel die Bilanz durchwachsen aus. Die Freude hat in den vergangenen Jahren nicht zugenommen. Und er wusste, dass der Chef auf die jungen Kollegen setzte. Die hätten mehr Biss. Allerdings war der Chef auch aufgeschlossen für einvernehmliche Regelungen und durchaus daran interessiert, verdienten Mitarbeitern entgegenzukommen. Ein Kollege, fünf Jahre älter als Fazzi, war vor fünf Jahren in die Altersteilzeit gewechselt und gibt in einer Woche seinen endgültigen Ausstand.

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