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Finanzplanung Mitte fünfzig : Wer sich den vorzeitigen Ruhestand leisten kann

Wunschrente

Doch dessen Ausgangslage war eine andere: Die Ehe blieb kinderlos, es gab ein beachtliches Erbe, und die noch lebenden Schwiegereltern waren bestens versorgt. „Da kommt man deutlich angenehmer über die Runden“, dachte sich Fazzi. Er begann zu rechnen. Im Ruhestand wollte er zusammen mit Sibylle auf eine Wunschrente von 3500 Euro im Monat kommen. Bei den nun wahrscheinlichen Abschlägen müsste Fazzi bis 65 Jahre arbeiten, um dann eine gesetzliche Rente von knapp 2000 Euro zu bekommen. Den Rest sollten seine dann auslaufende Lebensversicherung und das Vermögen von jeweils 150.000 Euro beisteuern.

Mit 55 Jahren kann er sich die Altersteilzeit zur Hälfe der Bezüge nicht leisten. Da macht es keinen Unterschied, ob sich Fazzi für den fließenden Übergang mit geringerer Regelarbeitszeit oder für das Blockmodell, also fünf Jahre für die Hälfte des Gehalts voll arbeiten und dann fünf Jahre früher aufhören, entscheidet. Staatliche Unterstützung für die Altersteilzeit gibt es für ihn nicht mehr. Dann hätte er vor dem Jahr 2010 die Arbeitszeit verringert haben müssen. Wenn Fazzi mit 60 Jahren in Altersteilzeit ginge, dann bekäme er nur noch die Hälfte seines Gehalts, also 2250 Euro. Die 1500 Euro von Sibylle würden wegfallen, wenn sie in fünf Jahren aufhört. Sie würde in diesen fünf Jahren keine Rente bekommen, sondern erst mit 66 Jahren und sechs Monaten. „Das geht nicht auf“, begann Fazzi zu zweifeln.

„Dann holen wir uns Rat von einem Fachmann ein“

Er berichtete Sibylle von seinen Überlegungen. Sie wirkte nachdenklich, aber wiegelte seine Bedenken nicht ab. „Dann holen wir uns Rat von einem Fachmann ein“, empfahl sie. Fazzi sagte zu und war mit der Lösung zufrieden. Am Wochenende informierte er sich im Internet und stieß dabei auf eine Seite der Deutschen Gesellschaft für Ruhestandsplanung. Die saß zwar im oberbayerischen Wallfahrtsort Altötting, aber auf seine Anfrage per Mail antwortete - zur Überraschung von Fazzi - dann mit Ralf Huber ein Mitglied der Geschäftsleitung. Am Telefon schilderte er dem Fachmann seine Finanzlage und seine Wünsche für den Ruhestand. Huber pflichtete ihm bei, dass mit den monatlichen Ausgaben für das Studium des Sohnes eine Altersteilzeit derzeit nicht finanzierbar sei.

Auch nicht besser sah es aus, wenn die Ehefrau mit 60 Jahren zu arbeiten aufhörte und Fazzi in Altersteilzeit ginge. Auch das war dem Mittfünfziger bewusst. Huber bestätigte ihn noch einmal. „Sie hätten dann zwischen dem Beginn der Altersteilzeit und dem gesetzlichen Rentenbeginn eine Lücke auf Ihr Wunscheinkommen“, sagte der Ruhestandsplaner. Dann müsste das Paar auf das Vermögen zurückgreifen, was Fazzi aber vermeiden wollte. Denn in dieser Rechnung war eine Steigerung der Unterstützung für den Vater noch völlig außer Acht gelassen worden. Träte dieser Fall ein, so Huber, wäre die Altersteilzeit nicht finanzierbar.

Auf die hohe Kante legen

Es war ein schöner Sommerabend. Fazzi saß mit Sibylle auf der Terrasse. Beide blickten zufrieden auf den Garten, den sie nach eigener Einschätzung deutlich besser pflegten als die Nachbarn. Doch das war nicht das Thema. Sibylle fragte: „Was hat denn der Fachmann aus Altötting geraten?“ „Du wirst nicht begeistert sein“, antwortete Fazzi. „Wenn ich vor 65 mit der Arbeit aufhören will, sollte ich mindestens bis 63 Jahre arbeiten.“ Sibylle hatte mit so etwas gerechnet. Doch dann legte Fazzi nach: „Herr Huber empfahl zudem, dass auch du noch bis 63 arbeiten solltest und wir das Geld, das wir dann unserem Sohn nicht mehr überweisen müssen, auf die hohe Kante legen sollten.“

Dann könnte auch eine höhere Belastung für die Pflege des Vaters gestemmt werden, hatte Huber noch hinzugefügt. Doch das verschwieg Fazzi seiner Gattin. „Schatz, wenn du dich in fünf Jahren aus der Boutique zurückziehen willst, ist das kein Problem. Nur ich muss dann noch ein paar Jahre dranhängen.“ Sibylle nickte und streichelte sein Hand. „Wir müssen auch an deinen Vater denken, bevor wir große Sprünge wagen“, sagte sie und blinzelte Fazzi zu.

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