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Weg in die Privatinsolvenz (2) : Das Haus ist in Gefahr

Werner Russmanns finanzielle Existenz steht auf der Kippe. Ein Hausverkauf könnte helfen. Bild: dpa

Russmann wachsen die Probleme über den Kopf. Nicht nur seine Gattin zweifelt, dass er das Haus halten kann. Auch sein Bankberater rät zu einem Verkauf.

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          Es ist Werner Russmann sehr unangenehm, als er seine Gattin Silke über seine finanziellen Probleme unterrichtet. Seine Angst hat einen Grund: Sein Umgang mit finanziellen Dingen war regelmäßig Gegenstand von Diskussionen, teilweise glitt die Ehe in eine schwere Krise. Russmann ist sich bewusst, dass nicht nur seine finanzielle Existenz auf der Kippe steht. An ihm hängen seine Ehefrau, die gemeinsame Tochter Clara und auch noch die beiden Töchter aus seiner ersten Ehe, Sarah und Margaret. Silke gibt sich Mühe, gefasst zu wirken, aber Russmann spürt, dass sie innerlich bebt. „Wie hoch ist die Summe, die du für die Tiefgarage zahlen musst?“, fragt sie noch einmal, obwohl er es ihr schon gesagt hat. „Es können im schlimmsten Fall 100.000 Euro werden, weil meine Haftpflichtversicherung nur bis 250.000 Euro reicht und der Schaden in der Klage auf 350.000 Euro beziffert wird“, zählt Russmann etwas genervt auf.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Silke bemerkt seine Anspannung. Sie regt sich nicht über seine falsche Planung beim Bau der Tiefgarage auf. Schwund und Irrtümer gehörten zum Leben, denkt sie sich. Aber die zu geringe Berufshaftpflichtversicherung kann sie ihm nicht verzeihen: „Du hast bewusst die Mindestversicherungssumme gewählt, um Geld zu sparen. Nun stehen wir vor dem Bankrott.“

          Ihr Gesicht färbt sich rot, und Russmann stellt fest, sie bebt nicht mehr nur innerlich. Er ringt um Worte, aber weder Überzeugendes noch Beruhigendes fällt ihm ein. Silke packt das Smartphone in die Handtasche, nimmt ihre Sporttasche, gibt ihm einen Kuss auf die Wange und verabschiedet sich zu ihrem Yogakurs. Danach wird sie mit ihren Freundinnen noch in einem Café etwas trinken. Russmann bleibt zusammen mit Clara zu Hause. Beide essen zu Abend. Clara darf sich noch einen Zeichentrickfilm anschauen, kurz nach 21.00 Uhr bringt er sie ins Bett.

          Russmann geht in sein Büro, wo auch die Akte zu seinem Hauskredit steht. Er setzt sich an seinen Schreibtisch und blättert orientierungslos durch die Akte. Mit der gestelzten Sprache hat er noch nie etwas anfangen können. So richtig schlau wird er nicht, wenn er sich die Klauseln durchliest, bei denen es um einen Zahlungsverzug geht. Klar ist ihm nur, dass er derzeit eine monatliche Rate von 1125 Euro zahlt. Vom ursprünglichen Kredit über 350.000 Euro stehen noch 250.000 Euro aus. Bei seinem Nettoeinkommen von 3000 Euro ist die monatliche Rate kein Problem, denn Silke verdient über ihren Nebenjob in einer Kinderboutique 450 Euro steuerfrei hinzu.

          „Es gibt Schwierigkeiten“

          Doch die 3000 Euro sind in Zukunft alles andere als sicher. Denn sein Ruf als Architekt hat unter der Fehlplanung gelitten, und erste Interessenten, die schon mit ihm in Kontakt getreten waren, haben sich nicht mehr gemeldet oder auf seine E-Mails und Anrufe nicht reagiert. Doch Aufträge braucht er, ansonsten schmelzen die 3000 Euro im Monat wie Eis in der Sonne dahin. Russmann geht in die Küche und schenkt sich Rotwein ein. Er versucht seine in den kommenden Monaten zu erwartenden Einkünfte zu errechnen. Es wird knapp! Im kommenden Monat dürften dank alter Aufträge noch knapp 3000 Euro reinkommen. Doch im übernächsten Monat sind es nicht einmal mehr 2000 Euro, und bleiben Aufträge aus, wird es noch weniger. „Deutlich weniger sogar“, befürchtet Russmann.

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