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Streit ums Geld : Eine Scheidung wird teuer

Bild: © ImageZoo/Corbis

Marie Küster hat sich mit ihrem Mann schon immer über Geld gestritten. Nun lassen sie sich scheiden. Sie ist verletzt, enttäuscht – und realisiert, dass die Scheidung auch schwerwiegende Folgen für ihre Finanzen haben wird. Teil 1 unserer Scheidungs-Serie.

          Eigentlich hatte sie schon im ersten gemeinsamen Urlaub geahnt, dass sie sich mit ihrem späteren Mann einmal richtig über Geld streiten würde. Damals, direkt nach dem Studium, hatten sie sich kurzentschlossen in ihren alten Golf gesetzt und waren einfach nur Richtung Süden gefahren, bis sie zehn Stunden später in Florenz angekommen waren. Sie hatte Markus damals erzählt, dass Botticellis „Geburt der Venus“ ihr Lieblingsgemälde sei, und er war losgefahren, damit sie es sich einmal in echt ansehen könnte.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Verwegen und romantisch hatte Marie Küster das damals gefunden und ihren Freundinnen später erzählt, dass Markus der Mann sei, den sie heiraten würde. Nicht erzählt hatte sie ihren Freundinnen, dass sie seinen Umgang mit Geld seltsam fand. Wenn es ans Bezahlen ging, hatte er entweder kein Kleingeld oder nur große Scheine. Wenn er dann doch einmal die Pizza-Rechnung übernahm, tat er danach so, als hätte er sie gerade ins Luxusrestaurant eingeladen. Sich selbst gegenüber war er deutlich großzügiger: Den Kaschmirpulli, das neue Fotoobjektiv, die Designer-Sonnenbrille – da gönnte er sich nur das Beste.

          Marie Küster seufzt bei dem Gedanken an die vergangene Zeit. Sie kommt gerade zurück vom ersten Termin bei ihrer Anwältin. Eine Fachfrau für Familienrecht, von ihrer besten Freundin empfohlen. Als die sich vor vier Jahren scheiden ließ, dachte Marie Küster noch, welch ein Glück sie doch habe, selbst glücklich verheiratet zu sein. Klar, auch in ihrer Ehe gab es immer mal Streit, aber eine Scheidung – das würde ihnen nicht passieren, da war sich Marie damals ganz sicher.

          Konflikte gibt es seit Jahren

          Geld ist zwar nicht der Hauptgrund, warum ihre Ehe jetzt in Trümmern liegt, Konflikte darum gibt es aber schon seit Jahren. Marie versucht sich zu erinnern, wann es zu einem leidigen Thema in ihrer Ehe wurde. Nachdem die Kinder geboren wurden, fing es an, denkt sie rückblickend. Bis dahin hatte Marie über die mangelnde Bereitschaft ihres Mannes, sich an gemeinsamen Ausgaben zu beteiligen, hinweggelächelt.

          Schließlich hatte sie als Ärztin in einem Krankenhaus direkt nach dem Studium zunächst einmal besser verdient als ihr Mann mit seinem Doktorandengehalt an der Uni. Da fand sie es irgendwie auch natürlich, dass sie die gemeinsamen Einkäufe von ihrem Gehalt bestritt und das neue Sofa von ihrem Ersparten kaufte. Doch nachdem sie vor elf und neun Jahren die beiden Töchter bekommen hatte, war sie beruflich kürzergetreten.

          Was sie bei ihrer Entscheidung, wegen der Kinder Teilzeit zu arbeiten, aber nicht bedacht hatte: Mit der Zeit verschoben sich nicht nur die Einkommens-, sondern auch die Machtverhältnisse in ihrer Ehe. Denn während Markus bei dem Anlagenbauer, bei dem er nach der Promotion als Ingenieur angefangen hatte, eine Karrierestufe nach der anderen erklomm, ging es für Marie beruflich nicht weiter. Zwar machte sie – trotz der Kinder – noch ihren Facharzt, aber in der Klinik war eine Karriere in Teilzeit nicht möglich.

          Alles Schöne kam von Papa

          Das hatte Marie eigentlich auch nie schlimm gefunden, es war ihr wichtiger gewesen, Zeit mit ihren Töchtern zu verbringen, als Oberärztin zu werden. Sie hatte sich allerdings zunehmend über Markus geärgert, der überhaupt nicht erkannte, dass sie auf ihre Karriere zugunsten der Familie verzichtete. Im Gegenteil: Er gab ihr immer das Gefühl, dass es sein Geld war, das er mit harter Arbeit verdient hatte und das sie nun ausgab. Bei jeder Anschaffung gab er ihr das Gefühl, Bittsteller zu sein.

          Zur Haushaltskasse sollte sie trotz ihres Magergehalts ebenso viel beisteuern wie Markus. „Damit er sich seine fünfte Fotoausrüstung kaufen kann“, wie ihre Mutter einmal spöttisch bemerkte. Zwar sollte Marie sich um die Familienfinanzen kümmern, aber nur, damit er an ihr herumnörgeln konnte, so hatte sie immer mehr das Gefühl. Dafür gab er sich den Töchtern gegenüber gerne als Gönner: Ein neues Klavier hier, ein Segelkurs da – alles Schöne kam vom Papa, während Marie zur Rolle des Neinsagers verdammt war. „Und eine private Altersvorsorge für mich hielt er nicht für nötig“, hatte Marie voller Bitterkeit der Anwältin erzählt.

          Das Treffen mit der Fachfrau war für Marie Küster ein Schock. Nachdem Markus vor zwei Monaten ausgezogen war, hatte sich Marie gefühlt, als sei sie in einem bösen Traum gefangen. Klar, in ihrer Ehe war nicht immer alles rund gelaufen, aber welche Ehe war schon perfekt? Und über die immer häufigeren Dienstreisen und seine vielen Abendtermine hatte sie sich schon gewundert, aber zwischen Klinik und den zwei Kindern war sie viel zu beschäftigt, um sich darüber wirklich Gedanken zu machen.

          Dass er sie schließlich für eine andere Frau verlassen würde – das hätte sie ihrem Markus, den sie jetzt schon fast 20 Jahre kannte, wirklich nicht zugetraut. In den ersten Wochen nach der Trennung war sie viel zu verletzt, um daran zu denken, was eine mögliche Scheidung auch finanziell für Folgen haben würde. Sie verbrachte die Zeit damit, ihren Kindern zu erklären, dass es nichts mit ihnen zu tun habe, dass ihr Vater ausgezogen sei. Sie war abwechselnd wütend, traurig, verletzt, enttäuscht und manchmal sogar alles auf einmal.

          Beim Termin mit ihrer Anwältin war die ganze Enttäuschung so richtig aus Marie herausgebrochen. Frau Müller-Falkengrün hatte sich das alles ganz in Ruhe angehört und dann in ihrer sachlichen Art ein paar Fragen gestellt. Ob die beiden einen Ehevertrag geschlossen hätten zum Beispiel. Oder wie die Finanzierung des Eigenheims geregelt sei, das die beiden vor ein paar Jahren erworben hatten und das noch lange nicht abbezahlt ist.

          Auch wie die beiden ihre Altersvorsorge geregelt haben, fragte die Anwältin. Marie schwirrt nun der Kopf. Das sind lauter Themen, über die sie sich bislang noch gar keinen Gedanken gemacht hat. Sie hat das Gefühl, vor einem noch größeren Berg zu stehen, als sie ohnehin schon stand. Aber sie ist auch entschlossen. Diesmal wird sie nicht einknicken und sich von Markus übervorteilen lassen. Dieses Mal wird sie kämpfen.

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