https://www.faz.net/-hbv-7mcwp

Streit bei der Scheidung : Wenn das Sorgerecht zum Zankapfel wird

Lassen sich die Eltern scheiden, fühlen sich Kinder oft hin- und hergerissen. Bild: Corbis

Die Scheidung der Küsters ist besiegelt. Doch den Umgang mit den Kindern wollen sie ohne juristischen Streit regeln. Einfach wird das nicht. Teil 2 unserer Scheidungs-Serie.

          4 Min.

          Es geht in erster Linie um das Wohl der Kinder. Dieser Satz seines Anwalts will Markus Küster nicht mehr aus dem Kopf. Kann es das Wohl der Kinder sein, wenn sie ihn nur noch selten sehen? Markus ist mit einem Mal klargeworden, was die Scheidung von seiner Frau Marie auch heißt: die weitgehende Trennung von seinen beiden Töchtern. „Bei wem die Kinder nach der Trennung wohnen, hängt ganz entscheidend davon ab, wer die Hauptbezugsperson ist“, sagt Inge Saathoff, Fachanwältin für Familienrecht in Oldenburg: „Im Fall der Küsters ist davon auszugehen, dass die Mutter die Hauptbezugsperson ist, da sie ihre berufliche Tätigkeit eingeschränkt hat und damit offensichtlich mehr Zeit für die Betreuung der Kinder aufbringen konnte.“ Markus hatte immer Vollzeit als Ingenieur bei einem Anlagebauer durchgearbeitet. Marie war dagegen fünf Jahre zu Hause geblieben und arbeitet seither Teilzeit als Ärztin in einem Krankenhaus.

          Daniel Mohr

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Markus liebt seine beiden Töchter sehr. Die Bezeichnung Hauptbezugsperson für seine Frau stört ihn. Er empfindet sich nämlich nicht als Nebenbezugsperson oder Bezugsperson zweiter Klasse. Sein Anwalt macht ihm aber klar, dass das Aufenthaltsbestimmungsrecht im Streitfall der Mutter zuerkannt würde, so nicht beide Kinder ausdrücklich lieber zum Vater wollen und dieser darlegen kann, wie er die Betreuung der Töchter vernünftig geregelt bekommt.

          Mit etwas Abstand betrachtet, erscheint ihm die Erziehungs- und Betreuungsleistung seiner Frau nun höher einzuschätzen, als er es ihr während der Ehe jemals gesagt hat. Parallel zum Einstieg in den Beruf hat Markus noch seine Promotion fertiggestellt, später an der Karriere gearbeitet und sicherlich nach Feierabend, an den Wochenenden und im Urlaub gerne mit den Töchtern gespielt. Das Pausenbrot hat er ihnen aber nie geschmiert, keine Laternen gebastelt, die Hausaufgaben betreut oder sie zum Reiten gefahren und zu Freundinnen. Auch das Abendessen war in der Regel schon auf dem Tisch wenn er heimkam, und die Wäsche gewaschen. Das kann und will er auch künftig nicht leisten müssen. Teilzeitarbeiten ist praktisch undenkbar. Schon der Abbau des Überstundenbergs will nicht gelingen. Zudem haben seine Töchter bislang nicht zu erkennen gegeben, dass sie lieber zu ihm wollen. Eher ist er ein wenig in die Rolle des Buhmanns geraten, als er vor zwei Monaten zu Hause ausgezogen ist. Dabei war beiden Eheleuten klar, dass die Ehe nicht mehr zu retten war.

          „Auch wenn die Töchter bei der Mutter bleiben, wird die elterliche Sorge weiterhin gemeinsam ausgeübt“, sagt Anwältin Saathoff: „In Angelegenheiten des täglichen Lebens entscheidet der Elternteil, bei dem die Kinder wohnen, zwar allein, in Dingen von erheblicher Bedeutung ist aber eine einvernehmliche Entscheidung erforderlich.“ Die Auswahl der Schule, Auslandsaufenthalte im Rahmen der Schulausbildung und auch medizinisch erhebliche Eingriffe zählen dazu. „Gibt es dazu keine einvernehmliche Lösung, kann das Gericht Einzelfragen isoliert entscheiden“, sagt Saathoff: „Nur wenn ersichtlich ist, dass die Eltern generell nicht zum Wohle des Kindes zusammenarbeiten können, kann die elterliche Sorge einem Elternteil allein übertragen werden. Das sollte aber die Ausnahme sein.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Will noch einmal um den Titel mitspielen: Tom Brady bei den Buccaneers

          Football-Ikone verblüfft : Tom Bradys Beweis

          Der einzigartige Erfolg des Ausnahme-Quarterbacks Tom Brady galt auch als Werk seines Trainers Bill Belichick. Mit 43 Jahren zeigt Brady in Tampa Bay, was er ohne den Coach kann – auch in den Play-offs. Die Fakten sind erstaunlich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.