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Streit bei der Scheidung : Wenn das Sorgerecht zum Zankapfel wird

Sich einigen zum Wohle der Kinder

An solche Streitigkeiten wollen Markus und Marie noch gar nicht denken. Bislang haben sie sich in Bezug auf die Kinder immer ganz gut einigen können. Markus sieht auch ein, dass es für alle Beteiligten momentan besser ist, wenn die Kinder erst einmal bei Marie bleiben. Er tröstet sich zudem mit dem Gedanken, dass dies nicht in Stein gemeißelt sein muss. Zwar versichern sich beide zunächst gegenseitig schriftlich, dass die Kinder ihren Lebensmittelpunkt bei der Mutter haben sollen. Sollten die Kinder aber irgendwann einen anderen Wunsch haben und sich seine beruflichen Gegebenheiten ändern, könnten sie auch zu ihm ziehen. Noch weiß aber Markus gar nicht, wie es bei ihm beruflich und vor allem privat weitergehen soll. Seine außereheliche Liaison hat jedenfalls nach der Trennung von seiner Frau irgendwie an Charme eingebüßt. Er ist erst einmal allein in eine Wohnung gezogen.

Marie jedenfalls ist froh, dass die Kinder bei ihr bleiben. Noch nicht ganz schlüssig ist sie, wie sie die Besuchszeiten mit Markus regeln soll. Einerseits ist sie ganz froh, auch mal einen Abend oder ein Wochenende für sich zu haben. Andererseits hat sie aber die Angst, dass die Kinder die Zeit bei Markus schöner finden könnten als bei ihr und schließlich ganz zu ihm wollen. Verhindern kann und will sie den Kontakt zu Markus aber auch nicht, doch irgendwie hat sie bei der Sache ein mulmiges Gefühl.

„Selbst wenn nur ein Elternteil das Sorgerecht haben sollte, beeinflusst das nicht das Recht auf Umgang“, sagt Familienanwältin Saathoff: „Jeder Elternteil ist zum Umgang verpflichtet und berechtigt.“ Eine genaue Ausformulierung sieht das Gesetz jedoch nicht vor, so dass das Umgangsrecht der häufigste Streitfall in Trennungsfamilien ist. „Das Ziel sollte zunächst sein, den Umgang unmittelbar beginnen zu lassen, um den Kontakt zum Vater gar nicht erst abreißen zu lassen“, sagt Saathoff: „Bald sollte dann eine Regelmäßigkeit eingerichtet werden. Der Klassiker ist jedes zweite Wochenende, aber auch andere Regelungen sind denkbar.“

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Weigert sich die Mutter, den regelmäßigen Kontakt zu gewähren, kann der Vater vor Gericht eine genau festgelegte Regelung erwirken. Hält die Mutter sich nicht daran, kann gegen sie ein Ordnungsgeld verhängt werden. Auch der Entzug des Sorgerechts ist in extremen Fällen denkbar, da ein solches Verhalten die Frage der generellen Erziehungseignung aufwirft. In allen Streitfällen ist jedoch der erste Ansprechpartner das zuständige Jugendamt. Erst wenn hier keine Lösung erzielt werden kann, müssen sich Gerichte mit den Familienstreitigkeiten auseinandersetzen.

Wollen die Kinder keinen Kontakt mehr zum Vater und ein Gutachter bestätigt dies, dann kann der Umgang unterbrochen werden. Weigert sich der Vater, die Kinder regelmäßig zu sehen, gibt es keine zwangsweise Durchsetzung des Umgangs, da dies höchstrichterlich als dem Kindeswohl nicht dienlich angesehen wird. Soweit sind die Küsters aber noch nicht. Sie sind festen Willens, sich zum Wohle der Kinder ohne Streit zu einigen. Über Geld haben sie aber noch nicht gesprochen. Um die Frage des Unterhalts soll es in der nächsten Folge der Serie gehen.

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