https://www.faz.net/-hbv-7mnn0

Gemeinsame Immobilie : Das Haus fällt der Scheidung zum Opfer

Zur Vollansicht bitte das Bild anklicken.

Bei den Küsters ist es einfach. Sie haben am Ende ihres Studiums geheiratet und hatten kein Vermögen. Ersparnisse gibt es auch jetzt so gut wie keine. Wenn etwas Geld übrig war, wurde dies ins Haus investiert und vor drei Jahren ein Auto gekauft. Der größte Vermögenswert ist das Haus, belastet aber durch den Kredit. Ein Verkaufserlös von etwa 300.000 Euro wäre denkbar. Für jeden der beiden sprängen dabei demnach 150.000 Euro heraus. Auch die Restschuld von 222.000 Euro müsste durch zwei geteilt werden, für jeden also 111.000 Euro. Es verbleiben damit jeweils unter dem Strich 39.000 Euro. Soll das Haus nicht verkauft werden, müssen sich die beiden anders einigen.

Zunächst haben sie sich darauf verständigt, die Raten jeweils zur Hälfte zu zahlen. Markus kann die 625 Euro immerhin von seinem Einkommen für die Unterhaltsberechnung abziehen lassen. Von den 3000 Euro netto im Trennungsjahr aus seiner Tätigkeit als Ingenieur bei einem Anlagenbauer bleiben so 2375 Euro und damit gemäß Düsseldorfer Tabelle 327 Euro Zahlungsverpflichtung für jede der beiden Töchter. Es verbleiben 1721 Euro. Marie muss von ihren 1000 Euro aus ihrer Teilzeittätigkeit als Ärztin im Krankenhaus ebenfalls 625 Euro für das Haus aufwenden. Aus der Einkommensdifferenz von 1721 Euro zu 375 Euro ergibt sich eine Unterhaltsverpflichtung gegenüber der Ehefrau von monatlich 577 Euro. Ihm bleiben dann noch 1144 Euro, aus denen er seine Miete und seinen Lebensunterhalt bestreiten muss. Marie kommt mit Unterhalt und Kindergeld auf 1974 Euro. Immerhin muss sie davon keine Miete mehr zahlen, wird aber durch die hohen Nebenkosten für das Haus belastet.

Nach dem Trennungsjahr fällt der Splittingvorteil aus Ehezeiten jedoch weg. Markus’ Nettogehalt sinkt auf 2500 Euro. Er fiele bei einer weiterhin hälftigen Teilung des Hausrats, beim Kinder- und Ehegattenunterhalt auf 1100 Euro zurück. Diesen Betrag soll gemäß der Rechtsprechung einem Unterhaltspflichtigen zum Leben bleiben. Für nicht Erwerbstätige beträgt dieser Satz 800 Euro. Marie kommt mit Unterhalt und Kindergeld auf 1768 Euro.

„Die beiden würden sich damit an den Rand der Zahlungsunfähigkeit begeben“, sagt Anwältin Becker. Insbesondere für den Vater funktioniere das nicht. „Er bringt sich in eine finanziell sehr beengte Position, finanziert seine alte Familie, ist selbst durch den Hauskredit nicht mehr kreditwürdig, und in vielen Fällen wird dem Vater eine solche Aufopferung auch nicht gedankt.“ Wenn es für die Kinder nicht wahnsinnig wichtig sei, im alten Umfeld wohnen zu bleiben, oder mit dem Verbleib im Haus wirtschaftliche Vorteile verbunden wären, weil bald eine steuerrelevante Spekulationsfrist abläuft oder der Wert in absehbarer Zeit deutlich steigt, weil es nicht mehr in einer Flughafeneinflugschneise liegt oder der Ort verkehrstechnisch besser angeschlossen ist, dann rät Becker zum Verkauf. „Dann sind beide frei von der Last der Schulden und haben jeweils knapp 40.000 Euro Kapital aus dem Verkauf zur Verfügung.“

Marie kann sich damit zunächst nicht abfinden, lässt sich aber von ihrer Anwältin erklären, dass sie Markus nicht zwingen kann, das Haus weiter mitzufinanzieren. Entweder müsste sie es allein finanzieren oder Markus eine Entschädigung für ihr mietfreies Wohnen und seinen Verzicht auf das Eigenkapital zahlen. Beides ist für Marie in der aktuellen Einkommenssituation nicht finanzierbar. Sie müsste mehr arbeiten gehen als bisher.

Doch Marie hat in den zwei Monaten seit der Trennung schon gemerkt, wie stark sie Beruf und Kinder belasten. Zudem geht es ihrer Mutter nicht gut, und sie sieht hier zusätzliche Arbeit und auch Kosten auf sich zukommen. Sie ringt schwer mit sich, aber die Aussicht auf 40.000 Euro aus dem Hausverkauf und die vorläufige Beibehaltung ihrer Teilzeitstelle scheinen ihr doch attraktiver. Doch mittelfristig wird sie wieder mehr arbeiten müssen, will sie im Alter einigermaßen vernünftige Rentenansprüche haben. Um den Versorgungsausgleich nach einer Scheidung soll es im nächsten Teil der Serie gehen.

Weitere Themen

Topmeldungen

DFB und Likes von Gündogan/Can : Nicht viel gelernt

Die Nationalspieler Gündogan und Can können mit der Rücknahme ihrer Likes für den türkischen Soldatengruß eines Fußballkumpels die politische Diskussion nicht stoppen. Der DFB versucht abermals Schadenbegrenzung durch Schweigen und Beschwichtigen.

Nobelpreis für Wirtschaft : Wie kann Armut gelindert werden?

Esther Duflo aus Frankreich ist die zweite Frau in der Riege der Wirtschaftsnobelpreisträger. Wie Abhijit Banerjee aus Indien und der Amerikaner Michael Kremer forscht sie daran, wie die globale Armut gelindert werden kann – und soll.
Königin Elisabeth II. am Montag im britischen Parlament neben ihrem Sohn, Prinz Charles.

Britisches Unterhaus : Queen’s Speech – und dann?

Die britische Königin hat an diesem Montag mit ihrer Rede das Parlament wiedereröffnet und die Politikvorhaben der Regierung vorgestellt. Im Brexit-Prozess ist das jedoch nur ein Intermezzo.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.