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Aufteilung der Versicherungen : Bei der Scheidung geht es jetzt ums Geld

Anstrengend, aber notwendig: Alle Verträge müssen noch einmal angeschaut werden. Bild: dpa

Bei einer Scheidung wird das Eigentum aufgeteilt. Doch was passiert mit gemeinsam angespartem Vermögen und mit der Rentenvorsorge? Teil 5 unserer Scheidung-Serie.

          4 Min.

          Ein Gutes hatten die vergangenen Wochen für Marie Küster: Mit neuer Kraft hat sich die Mutter zweier Kinder durch die Themen ihrer Scheidung gekämpft. Dass sie sich dabei wieder einmal emotional stabiler als ihr Mann Markus erwies, überraschte die Ärztin kaum. Ob in Gelddingen oder Beziehungsproblemen, er hatte sich selten den harten Realitäten stellen können. Sie aber sah den Tatsachen ins Auge.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Zwar war der Abschied von ihrem gemeinsamen Besitz, dem geräumigen Haus mit dem schönen Garten, schmerzhaft gewesen. Aber sie wusste auch: Jetzt geht es nur noch um Finanzwerte und Zahlen. Das Härteste war überstanden. Zu ihrer Lebensversicherung hatte sie ohnehin schon immer ein zwiespältiges, ziemlich emotionsfreies Verhältnis gehabt. Schon während des Studiums hatte sie die Police über einen Finanzvertrieb abgeschlossen und außer beim Blick auf ihre monatlichen Zahlungen auf den Kontoauszügen kaum mehr an sie gedacht.

          Von einer Freundin hatte Marie Küster aber gehört, dass alle ihre Verträge nun noch einmal angeschaut werden müssten. Generell gilt nämlich, dass jeder der beiden Ehepartner einen Anspruch auf die Hälfte dessen hat, was während ihrer Ehe angespart wurde. Das Familiengericht zieht einen Unterschied zwischen Kapital und Rentenansprüchen. Alles, was sich an Vermögen angesammelt hat, fällt unter den Zugewinnausgleich und ist etwas flexibler zu handhaben. Denn hier ist ein Ausgleich außerhalb bestehender Verträge vorgesehen, man kann also einen Geldwert gegen einen anderen tauschen.

          Anders sieht es bei Rentenansprüchen aus, die unter den strikter geregelten Versorgungsausgleich fallen. Lassen Marie und Markus Küster die Behörde entscheiden, verdoppelt sich die Zahl ihrer privaten Altersvorsorgeverträge, denn jeder der beiden hat Ansprüche an die Anwartschaften des früheren Ehepartners. So erhält Markus für die mehr als zehn Jahre währende Verbindung Rentenansprüche an das Versorgungswerk für Ärzte, gleichzeitig hat Marie über ihn Rentenpunkte in der gesetzlichen Rentenversicherung gesammelt.

          Anspruch an die Pensionskasse des Ex-Mannes

          Zwar werden diese Anwartschaften künftig separat weitergeführt, aber durch die Ansprüche an das Ärzteversorgungswerk bleibt Ingenieur Markus seiner Frau weiterhin verbunden. Zum Glück hat sie es als Ärztin im Versorgungswerk auch aus seiner Sicht ganz gut getroffen. Wenn auch ansonsten in Gelddingen nie auf Markus zu bauen war, bringt er mit seiner betrieblichen Altersversorgung ebenfalls ein recht attraktives Pfund ein.

          Wie beim Versorgungsausgleich üblich, werden die Ansprüche vorrangig innerhalb des Vertrags ausgeglichen. Marie erhält also für die Jahre ihrer Ehe einen Anspruch an die Pensionskasse ihres Ex-Mannes. Es kann aber sein, dass die günstigen Konditionen aus dem Gruppenvertrag nur für ihn als Angestellten seines Arbeitgebers gelten, für sie aber nicht. Auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung fällt unter den Versorgungsausgleich.

          Bei ihm könnte eine Versorgungslücke entstehen

          Da sie keinen privaten Rentenversicherungsvertrag besitzt, könnte bei ihm nun eine Versorgungslücke entstehen. „Weil für den Ehemann nun ein etwas geringerer Anspruch besteht, könnte es notwendig sein, dass er seine ergänzende Altersvorsorge aufstockt“, sagt Miriam Michelsen, Leiterin Vorsorge des Finanzvertriebs MLP. Das aber muss sie nach allem, was passiert ist, wirklich nicht mehr kümmern.

          Anders als seine betriebliche Altersversorgung (die Rentenansprüche beinhaltet) fällt Marie Küsters Lebensversicherung unter die Regelungen des Zugewinnausgleichs, so dass sie gegen andere Vermögenswerte verrechnet werden kann. Weil die Scheidung sie dazu zwingt, über den Ausgleich nachzudenken, hat sie sich ihren Vertrag noch einmal genauer angesehen. Sie hat ihn mitten in der Hochzinsphase abgeschlossen, so dass der Versicherer ihr jährlich eine Garantie von 4 Prozent zugesprochen hat.

          „Besser kann man Vermögenswerte nicht vernichten“

          Was das wert war, zeigt sich in der derzeitigen Niedrigzinsphase: Obwohl durchschnittlich nur noch eine jährliche Verzinsung von 3,4 Prozent erreicht wird, stehen Marie ihre vereinbarten 4 Prozent weiterhin zu. Für die Jahre ihrer Ehe steht nun aber auch Markus die Hälfte des Zugewinns zu. So sehr die Zuneigung des früheren Ehepaares auch abgekühlt ist, in diesen Fragen sollten sie sich aber noch einmal zusammenraufen, rät der unabhängige Finanzfachmann Yan Steinschen. „Klagt ein Partner auf Versorgungsausgleich, wird es teuer“, sagt er.

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          Zur Vollansicht bitte das Bild anklicken. : Bild: Kircher Burkhardt

          „Besser kann man Vermögenswerte nicht vernichten.“ Wenn man die Vorsorgeverträge aufteile, müsse es immer darum gehen, am Ende nur wenige verstehbare Verträge übrig zu behalten. Werde die Lebensversicherung in zwei einzelne Verträge aufgeteilt, sei der mit der geringeren Versicherungssumme zu unattraktiv. Zudem fiele für sie die Summe – sie hätte also anteilsmäßig eine zu hohe Provision für den Abschluss gezahlt. „Geht der Rosenkrieg los, gewinnen nur die Anwälte“, sagt Steinschen aus seiner Beratungserfahrung.

          Auch Risikolebensversicherung und Haftpflicht müssen angepasst werden

          Durch diesen Ratschlag ist Marie Küster motiviert, zumindest in dieser Frage nach einem Konsens mit Markus zu suchen. Dass nur wegen seiner dusseligen Affäre Geld vernichtet oder damit gar Anwaltskanzleien subventioniert werden sollen, darin kann sie nun wirklich keinen Sinn erkennen. „Das Familiengericht kann Individualvereinbarungen zustimmen, wenn es von beiden so gewünscht ist“, sagt Miriam Michelsen von MLP.

          Um eines aber kommen beide Ex-Partner nicht herum: Auch ihre anderen Versicherungsverträge müssen sie einmal überprüfen. Ihre Risikolebensversicherung muss angepasst werden, weil Markus nicht mehr der Begünstigte bleiben soll. Statt eines gemeinsamen Haftpflichtvertrags müssen sie nun beide eine separate Police abschließen.

          Die Single-Deckung kostet etwa 10 bis 15 Euro im Jahr weniger als der Familienvertrag, was in der Summe also auch teurer wird. Keinen Anpassungsbedarf gibt es bei der gesetzlichen Krankenversicherung und der Autoversicherung, die auf das jeweilige Auto weiterläuft. Lange hat sich Marie Küster gesträubt, mit ihren Nachbarn übers Geld zu reden. Jetzt aber fühlt sie sich so informiert, dass sie Begegnungen auf der Straße nicht mehr scheut.

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