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Ferienhaus in Spanien : Und dann in die Sonne

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Einfach nicht an die Steuern denken Bild: dpa/picture-alliance

Wie nasskalt und scheußlich ein Winter auf Mallorca sein kann, erlebte die französische Schriftstellerin George Sand beispielhaft schon im Jahr 1838.

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          Wie nasskalt und scheußlich ein Winter auf Mallorca sein kann, erlebte die französische Schriftstellerin George Sand beispielhaft schon im Jahr 1838. Sie schrieb darüber sogar ein ganzes empörtes Buch, in welchem der Deutschen heutzutage liebste Insel und die Einheimischen überhaupt nicht gut wegkamen.

          Sie hatte natürlich auch Grund zur Besorgnis. Neben ihr hüstelte Freund Frédéric Chopin ohne Pause. Der Komponist, schwach auf der Brust, fühlte sich bisweilen zwischen den ungastlichen Klostermauern von Gott und allen guten Geistern verlassen. Außerdem wollte zu seinem besonderen Chagrin auch das in Paris bestellte Klavier monatelang nicht ankommen.

          Mit Bratwurst keine Angst vor Hautkrebs

          Ein kerniger deutscher Rentner hingegen, der von zu Hause wettermäßig Schlimmeres gewohnt ist, lässt sich von derlei freilich nicht abschrecken. Deshalb wohnen auch die meisten der Altersauswanderer nach Spanien auf dem Balearen-Archipel. Weder Quallen noch andere Unbilden der Fauna vermögen ihren Traum vom Leben auf der Sonnenseite nachhaltig zu stören.

          Das gilt auch für die von der Costa Brava über die Costa Blanca bis zur Costa del Sol siedelnden Sechziger und Siebziger und ihre Landsleute auf den Kanaren. In ihren gediegen mit vertrauter Wurst und Bier versorgten Enklaven müssen sie nicht unbedingt Spanisch sprechen. Und den Hautkrebs fürchten die meisten weniger als die Kälte.

          Gesund sollte man sein

          Rund eine halbe Million Deutsche sind gegenwärtig mit Wohnsitz in Spanien gemeldet. Dazu kommt eine Grauzone, die auf bis zu 300.000 geschätzt wird. Dazu gehören „Pendler“, die noch einen Wohnsitz in Deutschland haben oder es mit dem eigentlich vorgeschriebenen Aufenthalt für „residentes“ von mindestens einem halben Jahr nicht so genau nehmen. Die Zahl der deutschen Auslandsrentner wird auf rund 220.000 beziffert. Von ihnen leben jeweils etwa 20.000 in Spanien, Österreich, der Schweiz, den Vereinigten Staaten und Frankreich.

          Die beste Voraussetzung dafür, den Ruhestand in Spanien sorglos zu verbringen, ist, dass man einigermaßen gesund ist. Für Deutsche, die bei einer staatlichen Krankenkasse sind, gilt, dass sie mit ihrer Versicherungskarte Zugang zur spanischen „Seguridad Social“ bekommen. Die Wartezeiten insbesondere bei Facharztterminen können mitunter nerven. Wer dann zu einem privaten Arzt geht und daheim die Rechnung einreicht, findet erst dann genau heraus, wie viel ihm nach deutschem Tarif erstattet wird. Deshalb sind Krankheit und/oder Pflegebedarf im Alter neben einer manchmal doch vermissten Nestwärme zwei der Hauptgründe für die Rückkehr in die alte Heimat.

          Kein Steuerparadies

          Dann sind da die Steuern. Für den spanischen Fiskus sind deutsche Rentner, vor allem, wenn zu der staatlichen noch eine stattliche Betriebsrente hinzukommt, hochwillkommene Besserverdiener. So werden sie entsprechend eingestuft und zur Ader gelassen. In den ersten Jahren zahlen sie im mittleren und höheren Bereich garantiert mehr als in Deutschland, wo sich die Dinge erst ändern, wenn die „kalte Progression“ zupackt. Informationsaustausch und Kontrollmitteilungen sorgen im Übrigen für immer mehr Transparenz und Ehrlichkeit.

          Weil der deutsche Fiskus mit einigem Missvergnügen die Wanderungsbewegung der älteren Zugvögel nach Süden verfolgt, ließ er sich nun im Falle Spaniens etwas Neues einfallen. Lange blieben die Rentner unbehelligt, weil es ja ein Doppelbesteuerungsabkommen gibt. Aber nun müssen Rentner, die erstmals seit dem 1. Januar 2015 eine deutsche Rente beziehen, diese fortan mit 5 Prozent noch in Deutschland versteuern und dort auch eine Steuererklärung abgeben. Ab 2030 soll sich der abgezweigte deutsche Steuersatz sogar auf 10 Prozent erhöhen.

          Erben wird kompliziert

          Für Rentner, die ihren spanischen Ruhestand vor dem Januar 2015 antraten, ändert sich - vorerst - nichts. Die Gesetze besagen, dass der in Deutschland partiell geschröpfte Rentner den dort zu entrichtenden Betrag in Spanien geltend machen könne. Das kann er wohl, und da ist ihm Glück zu wünschen. Auf jeden Fall schadet es nicht, einen tüchtigen Steuerberater damit zu betrauen, der sich mit dem Anrechnen unterm Strich vielleicht nicht nur das eigene Honorar verdient.

          Schließlich ist an das Erben zu denken. Denn die Erbrechte Deutschlands und Spaniens sind noch weit davon entfernt, kompatibel zu sein. In Spanien haben die Ehegatten ein paar wesentliche Nachteile. Dafür haben die Eltern des Verstorbenen Ansprüche, die mit denen der Kinder vergleichbar sind.

          Die neue europäische Regelung, wonach der Hauptwohnsitz zählt, mag die Dinge ein bisschen vereinfachen. Außerdem hat der Erblasser noch die Möglichkeit, in seinem Testament für den Nachlass zwischen beiden Ländern zu wählen. Das Wichtigste jedoch ist, wie bei der Steuerberatung, sich rechtzeitig und detailliert mit einem kundigen Fachmann zu beraten und auch die Übersetzungskosten für ein doppelsprachiges Testament nicht zu scheuen.

          Doch wie bei der Ankunft von Chopins Klavier kommt immer wieder der frühe spanische Frühling. Dann ist es auf Mallorca noch Monate hin, bis die spanische Steuererklärung fällig wird. Und auch die Post des Auslandsfinanzamtes in Brandenburg ist noch nicht unterwegs.

          Wenn also in einem Strandcafé auf Mallorca einem pensionierten Gymnasiallehrer aus Gelsenkirchen plötzlich der unsterbliche Vers „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche …“ einfällt, blinzelt so mancher an den Nachbartischen wissend in die Sonne und denkt bei sich: Wir haben doch, was wir verdienen.

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