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Geld und Trennung : Sich scheiden lassen mit kühler Vernunft

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Aus und vorbei: Wenn die Scheidung ansteht, wird es ungemütlich. Bild: dpa

Wenn sich ein Paar trennt, müssen Bankkonten, Häuser und Rentenansprüche aufgeteilt werden. Doch eine Finanzkatastrophe lässt sich verhindern.

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          Wir fragen ja nicht gern, aber: Streiten Sie und Ihr Partner oft übers Geld? Dann Vorsicht, es ist Gefahr im Verzug. Wenn zwei sich mal streiten, ist das zwar ganz normal, zumal die Finanzen in der Partnerschaft immer wieder ein Thema sind: Wer arbeitet wie viel und wer trägt was zum Lebensunterhalt bei? Wer gibt welche Summen aus - und wofür? Die meisten Liebenden werden sich in solchen Fragen einig.

          Doch in jeder dritten Partnerschaft gibt es darüber Dauerstreit, geben die Deutschen in Umfragen zu, und dann wird’s gefährlich: „Streit ums Geld ist mit weitem Abstand primärer Auslöser für eine spätere Scheidung“, haben Forscher in Langzeitstudien entdeckt.

          Der ständige Kampf um die Finanzen ist im Grunde nur ein Indikator dafür, dass hier zwei Menschen einen sehr viel tiefer liegenden Konflikt austragen. Es geht um Macht, um Wertschätzung und um unterschiedliche Lebensziele, sagen Psychologen. Deshalb artet der Krach ums Geld viel heftiger aus als andere Streitigkeiten. Da ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass sich beide ausgerechnet, wenn die Beziehung am Ende ist, in noch heikleren Fragen einig werden, wie: Wem gehört welcher Teil vom Besitz? Wer bleibt im Haus? Und wie lange ist Unterhalt für Kinder und Expartner fällig?

          Eine Scheidung macht alle Beteiligten zu Kämpfern in eigener Sache und die streiten für drei Ziele, beobachten Familienanwälte: Es geht um das Sorgerecht für die Kinder, darum, möglichst wenig Unterhalt zu zahlen und für sich selbst viel Geld herauszuschinden. Scheidungsanwalt Hermann Messmer hat 5000 solcher Verteilungsdramen begleitet. Er findet: „Die Scheidungsverfahren sind heute auf jeden Fall härter als früher. Es ist nicht mehr derjenige der Held, der menschlich anständig ist, sondern die Person, die sich mit allen Tricks die meisten Vorteile verschafft.“ Gestritten werde immer, „egal, ob viel oder wenig Geld da ist“.

          Nur jedes vierte Paar schließt einen Ehevertrag ab

          Bei vielen Paaren gibt es etwas zu verteilen: Im Schnitt halten deutsche Ehen 14,6 Jahre. Jedes Jahr geben rund 180.000 Paare auf, am häufigsten nach rund sechs Jahren. In den allermeisten Fällen sind bereits gemeinsame Kinder da, die versorgt werden wollen, oder Immobilien, die noch abbezahlt werden müssen. Doch auch wenn ein Paar Silberhochzeit feiert, heißt das nicht, dass es zusammenbleibt: Die Zahl der Trennungen nach 26 Jahren hat sich seit 1992 verdoppelt auf 24.600 Paare pro Jahr. Bei ihnen geht es um richtige Werte: um Rentenansprüche, Immobilien und Bankdepots. Das alles heißt für Verheiratete und jene, die darüber nachdenken: Die Ehe ist ein Bund, nur nicht mehr fürs Leben und erst recht keine Versorgungsgemeinschaft. Man sollte also über das mögliche Ende dieses Lebensabschnitts nachdenken, so lange man sich noch liebt.

          Doch nur jedes vierte Paar sorgt vor und regelt in Eheverträgen, wie Verdienst und Vermögen aufgeteilt werden, wenn sich beide auseinanderdividieren, belegen Umfragen. Bei Vermögenden sind solche Verträge Usus und bis zu 60 Seiten dick. Da wird genau geregelt, womit der Partner abgefunden wird. „Für Familienunternehmer sind solche Verträge geradezu Pflicht“, sagt Rechtsanwalt Christian von Oertzen von der Kanzlei Flick Gocke Schaumburg. Sonst verlieren sie im Ernstfall auch die Firma. Denn gibt es keinen Vertrag, lebt ein Paar per Gesetz im Stand der Zugewinngemeinschaft. Das heißt, der Vermögenszugewinn, der während der Ehe eintritt, wird zweigeteilt. Bei normalverdienenden Angestellten erscheint die Regelung gerecht. Selbständige, Freiberufler und Gesellschafter aber, deren Firmen, Agenturen und Praxen während der Ehe aufblühen, kann es beruflich die Existenz kosten, wenn sie die gestiegenen Unternehmenswerte hälftig auszahlen müssen.

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