https://www.faz.net/-hbv-7qfsx

Steuertipp : Kindergeld für Erwachsene

  • -Aktualisiert am

Wird noch bis zu 25 Jahre später gezahlt: das Kindergeld. Bild: dpa

Auch für Kinder ab dem 18. Lebensjahr können Eltern Kindergeld erhalten - etwa, wenn der Nachwuchs als arbeitssuchend gemeldet ist oder eine Berufsausbildung absolviert.

          2 Min.

          Kindergeld gibt es auch für volljährige Kinder, wenn ein paar Bedingungen erfüllt werden. Dann überweist die Familienkasse an die Eltern für das erste und zweite Kind monatlich jeweils 184 Euro, für das dritte 190 und ab dem vierten Kind 215 Euro.

          Bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres wird Kindergeld gezahlt, wenn das Kind in keinem Beschäftigungsverhältnis steht und bei der Agentur für Arbeit als arbeitssuchend gemeldet ist. Darüber hinaus besteht ein Anspruch bis zum 25. Lebensjahr, solange eine Berufsausbildung absolviert wird. Das kann auch eine Schulausbildung oder ein Hochschulstudium sein. Danach ist grundsätzlich Schluss mit dem Kindergeld. Für behinderte Kinder, die ihren Lebensunterhalt nicht oder nur zum Teil selbst bestreiten können, zahlt die Familienkasse ohne Altersbeschränkung und unabhängig von einer Berufsausbildung, wenn die Behinderung vor Vollendung des 25. Lebensjahres eingetreten ist.

          Auch wenn eine Ausbildungsstelle noch gesucht wird, gibt es Kindergeld. Man sollte nachweisen können, dass wirklich ernsthaft gesucht wird, zum Beispiel durch Bewerbungen. Eine Meldung bei der Agentur für Arbeit ist hingegen nicht erforderlich, kann aber den Nachweis erleichtern.

          In der „Findungsphase“ zwischen zwei Ausbildungsabschnitten wird Kindergeld ebenfalls gezahlt. Allerdings dürfen höchstens vier Monate dazwischen liegen. Wer also zwischen Abitur und Ausbildungs- oder Studienbeginn länger als vier Monate auf Reisen geht, riskiert eine Kindergeldlücke. Wer eine längere Auszeit plant, bewahrt den Kindergeldanspruch, wenn in der Fremde eine anerkannte Berufsausbildung absolviert wird. Dazu kann bereits ein Sprachunterricht mit wöchentlich mindestens zehn Stunden im Rahmen eines Au-pair-Aufenthalts ausreichen (Bundesfinanzhof, Az. VIII R 83/00).

          Entscheidet sich der Nachwuchs dafür, vor dem nächsten Ausbildungsschritt zunächst einen bestimmten Freiwilligendienst zu leisten, wie etwa ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr, bleibt der Kindergeldanspruch ebenfalls bestehen. Gleiches gilt während eines Auslandsstudiums in einem EU- oder EWR-Staat (Norwegen, Liechtenstein, Island). Bei einem Studienaufenthalt in anderen Ländern gibt es Kindergeld nur, wenn das Kind weiterhin im Inland einen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt hat. Ein Kinderzimmer in der Heimat ist dafür nicht ausreichend. Entscheidend ist vielmehr die Aufenthaltsdauer. Kurze Besuche in den Semesterferien reichen nicht aus. Eine Aufenthaltsdauer von jährlich fünf Monaten in der Wohnung der Eltern genügt jedenfalls (Bundesfinanzhof, Az. III R 52/09). Ein einzelnes Auslandssemester ist daher unproblematisch.

          Eigenes Vermögen oder eigenes Einkommen der Kinder spielt seit 2012 übrigens keine Rolle mehr. Die volljährigen Kinder dürfen also unbegrenzt dazuverdienen. Selbst mit der Hochzeit des volljährigen Kindes entfällt der Kindergeldanspruch nicht, auch wenn nun vorrangig der Ehepartner unterhaltsverpflichtet ist. Seine bislang anderslautende Rechtsprechung hat der Bundesfinanzhof aufgegeben (Az. III R 22/13).

          Beim unbegrenzten Hinzuverdienen gibt aber eine Ausnahme, wenn nach der ersten Ausbildung mit einer weiteren Ausbildung begonnen wird. Dann darf das Kind keine Erwerbstätigkeit ausüben, damit es noch Kindergeld gibt. Zulässig sind aber eine bis zu 20 Stunden regelmäßige Wochenarbeitszeit, ein weiteres Ausbildungsdienstverhältnis oder ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis (450 Euro-Job). Entscheidend ist, ob die Erlangung beruflicher Qualifikationen oder die Erbringung von Arbeitsleistungen im Vordergrund steht (Bundesfinanzhof, Az. III R 88/08). Als Ausbildung stuften Gerichte das juristische Referendariat, den Vorbereitungsdienst der Lehramtsreferendare und den Arzt im Praktikum ein.

          Sie haben Fragen an unsere Steuerexperten? Dann schreiben Sie uns unter steuertipp@faz.de Wir wählen regelmäßig Fragen aus, die unsere Fachleute hier im Steuertipp beantworten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bahn-Chef Richard Lutz (rechts) und der bisherige Finanzvorstand Alexander Doll

          Führungschaos bei der Bahn : Höchste Eisenbahn

          Zuletzt hatte es noch Hoffnung geben, die Bahn könnte ihre Probleme hinter sich lassen. Doch nun tobt ein Führungschaos in der Chefetage. Das erste Opfer: Finanzvorstand Alexander Doll. Aber der eigentliche Skandal liegt woanders.

          Parteitag der Grünen : Alles scheint möglich

          Die Grünen profitieren enorm von der Debatte über den Klimaschutz. Auf ihrem Parteitag in Bielefeld wollen sie sich inhaltlich trotzdem weiter öffnen. Und eine Frage schwebt über allem: Wird es einen grünen Kanzlerkandidaten geben?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.