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Kleinkindbetreuung : Teure Krippen, billige Krippen

Bald sollen viel mehr Kinder in eine Krippe gehen. Aber was kostet das eigentlich? Und sind Tagesmütter billiger? Bild: dpa

Ein und zweijährige Kinder haben ab dem 1. August einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Was kostet so ein Platz die Eltern? Wir haben in fünf deutschen Großstädten nachgerechnet.

          5 Min.

          Vom 1. August an soll für Eltern alles besser werden. Die Bundesregierung jubelt schon, der Krippenausbau sei weiter fortgeschritten, als erhofft; für den neuen Rechtsanspruch der ein- und zweijährigen Kinder auf einen Betreuungsplatz sieht man sich gut gerüstet. Ein Thema allerdings ist über dem eifrigen Plätzeverteilen ins Hintertreffen geraten: die Kostenfrage.

          Nadine Bös
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Es gibt einen wahren Dschungel aus Betreuungsarten und –preisen. Wie können sich Eltern darin zurechtfinden? Um diese Frage zu klären, hat FAZ.NET eine fiktive Akademikerfamilie mit einem einjährigen Kind auf Betreuungsplatzsuche in den fünf größten deutschen Städten geschickt. Das Ergebnis: Krippen und Tagesmütter verlangen für unter Dreijährige höchst unterschiedliche Beiträge. Meist hängen sie vom Einkommen ab, manchmal auch von der Betreuungsform. Und auch von Stadt zu Stadt variieren die Elternbeiträge zur U-3-Betreuung kräftig.

          Die Betreuungs-Möglichkeiten

          Grundsätzlich gilt: Eltern haben nun zwar einen Rechtsanspruch auf eine Betreuung von unter Dreijährigen, der nicht weiter als fünf Kilometer vom Wohnort entfernt sein darf. Aber das heißt nicht, dass das ein Krippenplatz sein muss. Die Betreuung kann auch eine Tagespflegeperson (also eine Tagesmutter oder ein Tagesvater) übernehmen, wenn diese mit dem Jugendamt zusammenarbeitet. Meistens gibt es zudem neben den städtischen Einrichtungen auch noch Krippenplätze bei anderen Trägern, die von der Stadt gefördert werden, etwa bei der Arbeiterwohlfahrt oder der Kirche. In der Regel arbeiten diese Träger mit den Städten zusammen, um den Rechtsanspruch abzudecken.

          Die Wahlmöglichkeiten für Eltern sind aber noch größer: Außerhalb der öffentlichen Einrichtungen gibt es vielerorts privat-gewerblich arbeitende Betreuungseinrichtungen oder -personen. Die sind normalerweise deutlich teurer als die städtischen oder von der Stadt geförderten Angebote (dafür bekommen die Eltern jetzt oft Betreuungsgeld). Vor dem 1.8. galt: Wer keinen günstigen Platz bekommt, muss notgedrungen auf den teureren, privaten ausweichen. Der Unterschied ist jetzt: Aufgrund des Rechtsanspruchs können Familien die Kostendifferenz einklagen.

          Interessant für Eltern ist aber: Auch die von der Stadt angebotenen oder geförderten Lösungen kosten keineswegs überall das gleiche. Nur in drei der fünf von uns befragten Großstädte gab es Einheitspreise für alle Varianten:  in Frankfurt, Hamburg und Berlin. In Köln und München dagegen zahlen die Eltern überall andere Beträge und teilweise unterscheiden diese sich um mehrere hundert Euro.

          Höchstsätze für 45 Stunden Betreuung von unter dreijährigen Einzelkindern in den fünf größten Deutschen Städten
          Frankfurt Berlin Hamburg München Köln
          Städtische Krippe 198 Euro 395 Euro 396 Euro 397 Euro 341 Euro
          Geförderte Krippe anderer Träger 198 Euro 395 Euro 396 Euro Rd. 397 Euro* Rd. 341 Euro*
          Tagesmutter / Tagesvater 198 Euro 395 Euro 396 Euro 330 Euro Rd. 825 - 1215 Euro*
          *) Werte mithilfe der im Text beschriebenen Annahmen geschätzt. Quellen: Stadt Frankfurt, Senat Berlin, Behörde für Arbeit Hamburg, Stadt München, Stadt Köln, freie und kirchliche Träger, eigene Berechnungen

          Um zu diesem Ergebnis zu kommen, haben wir eine Beispielfamilie - nennen wir sie Familie Frisch - auf Krippenplatzsuche geschickt. Sie besteht aus Herrn und Frau Frisch und ihrem Sohn Friedolin. Friedolin ist am 1.7. ein Jahr alt geworden und soll zu Beginn des Kindergartenjahres 2013/14 in eine Krippe oder zu einer Tagesmutter gehen. Herr und Frau Frisch sind beide Akademiker und ab diesem Zeitpunkt wieder in Vollzeit berufstätig. Sie verdienen im Jahr zusammen 80.000 Euro. Friedolin hat keine Geschwister und soll jeden Tag  neun Stunden lang betreut werden. Das ist realistisch, wenn man von einem 8-Stunden-Arbeitstag ausgeht, und je eine halbe Stunde für den Weg der Eltern von der Betreuung zur Arbeit und zurück einplant. Aus den Erfahrungen der Familie Frisch können Eltern die Nachricht mitnehmen: Es lohnt sich, in der eigenen Stadt in Erfahrung zu bringen, ob von der Stadt geförderte Tagesmütter und Krippen wirklich das gleiche kosten oder nicht.

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