https://www.faz.net/-hbv-86ovz

Was Paare zusammenhält : Geld oder Liebe?

Geld zerstört die Freundschaft - auch die Liebe? Bild: Stefan Finger

Nur die Liebe zählt? Mitnichten. Nur einem Drittel ist das Einkommen ihres Partners egal. Manche wünschen sich sogar, dass ihr Partner mehr verdient als sie. Das ist allerdings ungesund - für beiderlei Geschlecht.

          3 Min.

          Ist es Liebe, oder geht es doch nur ums Geld? Diese Frage stellt sich zuweilen, wenn Paare zumindest auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen: zum Beispiel dann, wenn sich das Alter des einen Partners deutlich von dem des anderen unterscheidet. Auf solche Gedanken könnte man aber auch dann kommen, wenn einer der beiden sehr viel attraktiver ist als der andere. Denn innere Werte oder eine tiefe Verbundenheit erkennt man im ersten Moment in der Regel kaum.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Eine repräsentative Umfrage der Postbank bringt dabei Ernüchterndes zutage. Das Einkommen des Partners ist lediglich 62 Prozent der Deutschen egal. Nur die Liebe zählt also für weniger als zwei Drittel. Je jünger die Paare sind, desto wichtiger ist ihnen aber das Gefühl. Fast 14 Prozent der Bundesbürger sehen dies ganz anders: Sie wünschen sich, dass der Partner mehr verdient als sie selbst.

          Doch es gibt auch vieles, das zwischen diese Extreme passt: Rund 20 Prozent der Befragten fänden es nämlich zum Beispiel gut, wenn der Partner gleich viel Geld nach Hause bringt. Dies kann dann aber durchaus weniger finanzielle als vielmehr andere Gründe haben. Für einige hat das vielleicht mit einer Begegnung auf Augenhöhe zu tun oder einfach mit weniger Streit. Denn Streit um das Geld kommt ja bekanntlich in den besten Beziehungen vor. Fast 29 Prozent der Paare in Deutschland streiten wegen ihrer Finanzen, hat die Postbank festgestellt. Die Fachleute raten deswegen zu klaren Regeln und einem Haushaltsbuch, um solche Zwistigkeiten zu vermeiden.

          Frauen sind berechnender, Männer häufiger untreu

          In diesem Zusammenhang ist eine repräsentative Umfrage der Consorsbank interessant, nach der 41 Prozent der Deutschen nicht einmal über das Einkommen des Partners Bescheid wissen. Dies wiederum sei bei Männern und Frauen gleichermaßen der Fall. Je jünger die Paare seien, desto weniger wisse man voneinander. Doch je höher das Einkommen sei, desto eher habe der Partner davon Kenntnis. Dabei sind Frauen durchaus berechnender als Männer. Denn nach den Ergebnissen der Postbank-Studie wünscht sich ein Fünftel der Frauen, dass der Freund oder Ehemann mehr verdient als sie selbst - und das vielleicht sogar deutlich. Von den deutschen Männern trifft dies dagegen nur auf rund 8 Prozent zu. Rund 65 Prozent der Männern ist laut ihrer Selbstauskunft das Einkommen der Partnerin völlig egal. Von den deutschen Frauen wiederum sagen nur 59 Prozent, dass für sie allein die Liebe zählt.

          Ein deutliches Gefälle zeigt sich zudem zwischen dem Westen und dem Osten Deutschlands. Im Westen wünschen sich im Durchschnitt fast 16 Prozent über beide Geschlechter hinweg, dass der Partner mehr verdient als sie selbst. Ein höheres Einkommen des Partners ist dagegen nur 5 Prozent der Ostdeutschen wichtig. Mit Blick auf die Altersvorsorge scheinen die Deutschen eher auf eigenen Beinen zu stehen: Rund drei Viertel der Bürger sorgen laut der Postbank-Studie für sich selbst vor. Es gibt aber auch das andere Extrem: Ein Fünftel der Befragten verlässt sich auf den Partner - mehr als 5 Prozent sogar ganz. Dabei setzt jede vierte Frau in der Vorsorge auf ihren Mann. Unter den Männern ist es jeder achte, der sich auf seine Frau verlässt.

          Auch regional gibt es hier große Unterschiede: Die Bürger im Osten Deutschlands sind demnach viel selbständiger in ihrer Vorsorge. Während etwa ein Fünftel der Westdeutschen für das Alter ganz oder teilweise auf den Partner setzt, sind es in den östlichen Bundesländern nur 12 Prozent. Je jünger die Paare sind, desto seltener verlassen sie sich in der Vorsorge auf den Partner. Der Familienstand ändert das Verhalten: Während 92 Prozent der Unverheirateten für sich selbst vorsorgten, seien es nur 70 Prozent der Verheirateten, ergibt die Studie der Postbank. Gut 40 Prozent der Deutschen nutzen demnach ausschließlich ein gemeinsames Konto für alle Geldeingänge und Ausgaben. Je älter die Bürger sind, desto eher haben sie demnach ein Gemeinschaftskonto. Im Osten Deutschlands ist es dabei beliebter als im Westen. Bei Ehepaaren leben sogar 50 Prozent nach der Devise: ein Paar, ein Konto. Dies wiederum geht aus einer ebenfalls repräsentativen Umfrage im Auftrag des Online-Versicherers Cosmos Direkt hervor.

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Ungleiche Einkommen können fatale Folgen haben. In Amerika ergab zum Beispiel eine Studie der Cornell University in Ithaca im Jahr 2010, dass Männer umso eher untreu würden, je stärker sie finanziell auf ihre Frau angewiesen seien - und das, um bis zu fünfmal häufiger. Dies gelte auch für junge Väter, die sich bereit erklären, der Kinder wegen zeitweilig zu Hause zu bleiben. Frauen, die ökonomisch von ihrem Mann abhängig seien, neigten dagegen weniger häufig zu Seitensprüngen. Dieses Ergebnis könne mit der Unzufriedenheit des Mannes über seine Abhängigkeit in der Beziehung zu tun haben und seinem Versagen, nicht der Ernährer der Familie zu sein, heißt es in der Studie, die auf einer sechsjährigen Befragung von Paaren im Alter von 18 bis 28 Jahren beruht. Für Frauen sei dieser Zustand weniger unangenehm. Häufig untreu sind laut dieser Studie aber auch diejenigen Ehemänner, die deutlich mehr verdienen als ihre Frauen. Das „sicherste“ Einkommensverhältnis zwischen Männern und Frauen liegt demnach bei 100 zu 75 Prozent. Wie schön also, wenn es in einer Partnerschaft einfach nur um Liebe geht.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.