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Bargeld-Entgelte : Vier Euro für Bargeld am Bankautomaten

Die Bargeld-Entgelte sind bei vielen Banken inzwischen deutlich gestiegen. Bild: dpa

Sieben Jahre ist es her, dass das Bundeskartellamt die übertrieben hohen Bargeld-Entgelte an den Geldautomaten bemängelt hatte. Und was ist seither passiert?

          Die Bargeld-Entgelte sind bei vielen Banken inzwischen deutlich gestiegen. Die ING Diba beispielsweise nimmt seit zwei Monaten 3,90 Euro, wenn ein Fremdkunde an ihren Automaten Geld abhebt. Bis dahin waren es 1,95 Euro gewesen, eine Preiserhöhung also um 100 Prozent. „Die bis dahin geltende Begrenzung auf 1,95 Euro war eine freiwillige Vereinbarung zwischen den privaten Banken“, sagte eine Banksprecherin. „Bedauerlicherweise haben mittlerweile fast alle beteiligten Banken ihre Fremdkunden-Gebühr auf mindestens 3,90 Euro erhöht.“

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die FMH-Finanzberatung in Frankfurt, die unterschiedliche Konditionen von Banken vergleicht, bestätigte das. „An der damaligen Absprache hatten sich die Sparkassen ja nie beteiligt und immer höhere Gebühren verlangt“, sagte Sigrid Herbst von FMH. „Daran hat sich auch nichts geändert.“ Die Cash-Group der privaten Banken verlange von Fremdkunden an ihren Automaten mittlerweile in der Regel 3,95 Euro.

          Immer mehr Banken verlangen auch von eigenen Kunden mittlerweile Entgelte fürs Geldabheben am Automaten – zumindest, wenn ein günstiges Kontomodell gewählt wird. Das Internetportal Biallo hatte in einer Erhebung 69 Sparkassen, eine Direktbank und 311 Volks- und Raiffeisenbanken ausgemacht, die in irgendeiner Form ein Entgelt am Automaten auch von eigenen Kunden erheben.

          Die Möglichkeit der kostenlosen Kündigung

          Die Verbraucherzentralen verfolgen die Auswüchse dieser Entwicklung kritisch und suchen die rechtliche Auseinandersetzung mit den Banken. In Berlin landet jetzt der Streit zwischen der Verbraucherzentrale Sachsen und der Sparda-Bank Berlin nach Informationen der F.A.Z. vor dem Kammergericht. Die Bank hatte ein Entgelt von 2 Prozent des Umsatzes, mindestens jedoch fünf Euro fürs Geldabheben mit der Kreditkarte eingeführt.

          Sie berief sich dazu auf die Belastung durch das Zinsniveau und die EZB-Politik negativer Einlagenzinsen. Die Verbraucherzentrale fand das Entgelt ganz schön happig und griff sich daher die Informationsschreiben der Bank heraus, mit denen diese ihre Kunden über die Anhebung des Entgelts informiert hatte.

          Die Verbraucherschützer monierten, dass die Kunden nicht hinreichend über die Möglichkeit einer kostenlosen Kündigung informiert worden seien. Das sollte als Hebel angesetzt werden, um das Entgelt zu kippen. Dazu sagen muss man allerdings, dass die Bank weiter die Möglichkeit anbot, mit der Bankkarte zumindest im Inland unentgeltlich Geld abzuheben. Das Landgericht Berlin hatte der Verbraucherzentrale am 19. Januar in den wesentlichen Punkten recht gegeben (Aktenzeichen 15 O 235/17).

          Die Bank wurde verurteilt, es zu unterlassen, sich auf die Wirksamkeit der entsprechenden Formulierung zu berufen. Nach Ansicht der Verbraucherzentrale hätte dies bedeutet, dass die Bankkunden gezahlte Entgelte zurückfordern könnten oder die Bank sogar von sich aus die Automatenentgelte an alle Kunden zurückzahlt. Die Sparda-Bank legt jedoch Berufung ein, deshalb landet der Fall vor dem Kammergericht.

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