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Denkfehler, die uns Geld kosten (5) : Sicher ist nicht gleich sicher

  • -Aktualisiert am

Bild: Alberto Ruggieri/SIS

Wenn Kurse stark schwanken, halten viele das für ein Zeichen von hohem Risiko. Falsch gedacht.

          4 Min.

          Der Mensch ist ein emotionales Wesen. Dass die Sehnsucht der Anleger nach Sicherheit derzeit besonders stark ausgeprägt ist, ist angesichts der Turbulenzen in der Eurozone verständlich. Bloß keinen Kapitalverlust erleiden, lautet die Devise. Auf der Suche nach einem „sicheren Hafen“ flüchten die Investoren in Sparbriefe, Geldmarktfonds oder Anleihen. Doch nicht jedem von ihnen dürfte überhaupt bewusst sein, welchen Risiken er sich und seinem Vermögen damit aussetzt.

          Geldanlagen mit festen Zinszahlungen reduzieren zwar die Schwankungsintensität (Volatilität) eines Portfolios. Solche Papiere sind deswegen aber noch lange nicht sicher. Dies gilt auch für eine der liebsten Geldanlagen der Deutschen, das Sparbuch. Kaum jemand macht sich Sorgen um sein dort geparktes Geld. Schließlich garantiert die gesetzliche Einlagensicherung die Rückzahlung, auch wenn die Bank irgendwann insolvent werden sollte. Aber es gibt derzeit ja noch weitere Risiken: So ist zum Beispiel ein Auseinanderbrechen der Eurozone kein völlig abwegiges Hirngespinst. Im Fall einer Währungsreform mit der Rückkehr zu nationalen Währungen würden Sparguthaben vermutlich vom Staat kurzerhand eingefroren und zu einem ungünstigen Umtauschverhältnis auf eine neue Währung umgestellt werden.

          Wert der Kapitalanlage erhalten

          Doch selbst wenn der Kollaps des Euro vermieden wird, besteht für Sparer, die stark auf Zinstitel setzen, die Gefahr, ein wichtiges Ziel der Geldanlage zu verfehlen: den Erhalt des Wertes ihrer Kapitalanlage, wenn man die Geldentwertung berücksichtigt.

          Denn die Preise könnten angesichts der aktuellen Geldschwemme der Notenbanken in Zukunft stärker als bisher steigen und den Zinsanlagen inflationsbedingte Kaufkraftverluste bescheren. Die aktuellen Nominalrenditen entschädigen nicht einmal annähernd für dieses Risiko. Staatsanleihen, von denen Investoren eine risikolose Rendite erwarten, sind zu Wertpapieren mutiert, mit denen man sich ein renditeloses Risiko auflädt.

          Die inflationäre Saat ist gelegt

          Die reale Entwertung des Sparvermögens ist alles andere als ein abstraktes Risiko. In den vergangenen drei Jahren haben die Notenbanken ihre Bilanzen massiv aufgebläht und damit den Nährboden für einen kräftigen Inflationsschub bereitet, mit dem die Staaten ihre außer Kontrolle geratenen Schuldenberge abzutragen hoffen. Die inflationäre Saat ist also gelegt.

          In den offiziellen Preisstatistiken ist davon bislang noch nicht viel zu spüren. Angesichts der noch trüben Konjunkturaussichten ist dies aber auch kein Wunder. Es wäre jedoch riskant, sich davon täuschen zu lassen. Die relativ geräuschlose reale Entwertung der Sparvermögen ist nämlich bereits in vollem Gange. Da die Inflationsrate höher ist als die Rendite der Zinstitel ist die reale Rendite solcher Anlagen in den wichtigsten westlichen Volkswirtschaften negativ.

          Große Verlustrisiken bei schwankungsarmen Investments

          Auch in Deutschland ist dies der Fall, das heißt inflationsbereinigt büßen die Anleger mit Sparguthaben oder dem Kauf von Bundeswertpapieren einen Teil ihres investierten Kapitals ein. Über einige Jahre hinweg kann es den Staaten auf diese Weise schon mit relativ unspektakulären Inflationsraten gelingen, ihre Schuldenquote zu reduzieren, ohne allzu unbequeme Einschnitte in den Wohlfahrtsstaat vornehmen zu müssen.

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