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Denkfehler, die uns Geld kosten (5) : Sicher ist nicht gleich sicher

  • -Aktualisiert am

Der gutgläubige, zinsfokussierte Sparer, Festgeldanleger und Rentner wird der größte Verlierer davon sein; er wird im wahrsten Sinne des Wortes um seine Lebensleistung gebracht. Es ist also ein teurer Denkfehler, das Risiko einer Geldanlage nur in ihrer Volatilität zu sehen: Ein schwankungsarmes Investment kann enorme Verlustrisiken beinhalten.

Schwankung von Aktienkursen aushalten

Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Gegen die schleichende Entwertung der Ersparnisse kann man sich schützen. Wer die Kaufkraft seines Kapitals erhalten möchte, muss dafür aber bewusst ins Risiko gehen und zum Beispiel Aktien guter Unternehmen kaufen. Er muss also die bei Aktien üblichen Schwankungen in Kauf nehmen, was vielen Deutschen mit ihrer Angst vor Volatilität ein radikales Umdenken abverlangt. Wer dagegen auf verzinsliche Anlagen setzt, sucht ausgerechnet dort nach Sicherheit, wo die größten Risiken für die Kaufkraft seines Vermögens lauern.

Ohne eine ausgeprägte Sachwertorientierung der Geldanlagen und die bewusste Inkaufnahme von Kursrisiken wird der reale Kapitalerhalt also nicht zu schaffen sein. An der Beteiligung am unternehmerischen Produktivvermögen einer Volkswirtschaft vor allem über Aktien führt daher kein Weg vorbei. Viele Anleger lassen sich zwar davon abschrecken, dass die Aktienkurse von Unternehmen täglichen Schwankungen unterliegen. Aber was ist daran eigentlich so schlimm? Sollten wir nicht froh darüber sein, wenn mit der Börse ein Barometer zur Verfügung steht, das uns sehr zeitnah den Marktwert eines Investments anzeigt?

Illiquide Vermögenswerte bergen herbe Verlustrisiken

Die Tatsache, dass für bestimmte Vermögenswerte wie etwa Immobilien keine täglichen Kurse festgestellt werden, bedeutet noch lange nicht, dass solche Anlagen nicht auch im Wert schwanken. Im Gegenteil! Vermögenswerte, für die keine liquiden Märkte existieren, können herbe Verlustrisiken beinhalten. Wer etwa als Kapitalanlage ein Einfamilienhaus in Wolfsburg gekauft hat, wird sehr schnell merken, wenn das operative Geschäft des wichtigsten Arbeitgebers Volkswagen ins Stottern gerät.

Natürlich kann es auch an den Aktienmärkten zu heftigen Kurskorrekturen kommen. Wer seinen Fokus jedoch auf stabile Qualitätsunternehmen legt, kann das Risiko von Kursverlusten deutlich begrenzen. Das sind Firmen mit nachhaltigem Geschäftsmodell, solider Bilanz und hoher Preissetzungsmacht. Erstklassige Unternehmen wie Nestlé oder Coca-Cola profitieren erfahrungsgemäß wegen ihrer Marktstellung von Inflation, weil sie höhere Preise durchsetzen können.

Solche Firmen leiden zudem kaum unter einer Konjunkturabkühlung, weil sie Produkte des täglichen Bedarfs herstellen, die auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten benötigt werden. Es spricht also viel dafür, dass Beteiligungen an guten Unternehmen auf längere Sicht zu den attraktivsten Investments gehören werden. „Sicherer“ als die vermeintlich sicheren Zinspapiere sind sie allemal.

Der Autor ist Analyst der Kölner Vermögensverwaltung Flossbach von Storch.

Volatilität ist nicht Risiko

Der Fehler: In turbulenten Zeiten flüchten die Sparer in Anleihen und andere vermeintlich sichere Zinspapiere, weil sie Kursschwankungen (Volatilität) mental nicht aushalten.

Die Gefahr: Die Rückzahlung der Anleihen ist nicht sicher. Und die Inflation nagt an der Rendite.

Die Abhilfe: Wer die Kaufkraft seines Kapitals erhalten möchte, muss bewusst riskante Sachwerte wie Aktien kaufen und dabei Kursschwankungen in Kauf nehmen.

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