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Denkfehler, die uns Geld kosten (45) : Weniger schenken ist mehr

Wie ein zusätzliches Geschenk die Freude verringert

Wer es zum Beispiel gut meint und zum großen Heimkino-System noch ein paar Süßigkeiten dazulegt, hat ganz schnell einen Fauxpas begangen. Diese Falle nennt ein Team amerikanischer Psychologen um Kimberlee Weaver „Schenker-Paradox“: Eine zusätzliche Kleinigkeit kann die Freude über das gesamte Geschenk deutlich verringern.

Getestet haben das die Psychologen mit einem iPod. Der iPod selbst wäre Amerikanern in einer Umfrage rund 240 Dollar wert gewesen. Wenn es den iPod aber nicht allein gab, sondern noch ein Musikdownload dazukam, schrumpfte der Wert für die Beschenkten auf rund 175 Dollar.

Zum Glück sind die Schenker tolerant

Ähnlich reagierten die Menschen übrigens im Fall von Hotelwerbung: Die Hoteliers sollten darin nur die besten Ausstattungsdetails ihrer Zimmer angeben, denn der Hinweis auf weitere Ausstattungsgegenstände entwertet die Zimmer eher. Selbst für juristische Plädoyers gilt laut den Ergebnissen der Forscher der Ratschlag, dass man auf die schwächeren Argumente lieber verzichten sollte.

Weil das Schenken so schwierig ist, liegen Enttäuschungen also wirklich nahe. Vermutlich käme es ständig zum Streit - wenn nicht die Leute, die etwas verschenken, in vielen Fällen so tolerant wären. Ihnen kommt es meistens tatsächlich nur darauf an, möglichst viel Freude zu machen.

Darf man Geschenke weitergeben?

Das zeigt sich an der Frage, ob man unbeliebte Geschenke weiterverschenken darf. Da gehen die Meinungen weit auseinander, und zwar oft im selben Kopf. Wer ein Geschenk bekommen hat, hält es typischerweise für ziemlich unhöflich, ebenjenes weiterzuverschenken. Beim Empfänger einer hässlichen Sammeltasse beispielsweise bleibt das Gefühl, der Schenker habe noch ein gewisses Anrecht auf diese Tasse - und wenn’s blöd läuft, stellt der Empfänger künftig vor jedem Besuch ebenjene Sammeltasse prominent in den Schrank.

Dabei sind die Menschen gar nicht so, zumindest nicht, wenn sie selbst etwas verschenken. Dann haben sie gar nicht so viel dagegen, dass die Empfänger das Geschenk weitergeben. In einer Umfrage der Londoner Forscherin Gabrielle Adams mussten die Schenker auf einer Skala von 1 bis 5 Punkten angeben, wie beleidigt sie in so einem Fall wären. Im Durchschnitt blieben sie noch unter einem Wert von zwei Punkten. Die Empfänger dagegen schätzten die Beleidigung auf einen Wert von fast drei Punkten.

Deshalb schlagen Gabrielle Adams und ihre Kollegen eine neue Idee vor: den sogenannten „Weiterschenk-Tag“, an dem jeder dazu aufgerufen wird, seine ungeliebten Geschenke weiterzugeben. In den Vereinigten Staaten hat sich sogar eine Initiative gebildet, die so einen Tag propagiert (gegründet von einer gemeinnützigen Finanzberatungsgesellschaft).

Zum jährlichen „Weiterverschenk-Tag“ hat diese Initiative inzwischen den dritten Donnerstag im Dezember ausgerufen. Warum ausgerechnet den? Weil an jenem Tag offenbar in besonders vielen amerikanischen Betrieben Weihnachtsfeiern angesetzt werden. Und die Initiative hat in einer Umfrage festgestellt, dass bei betrieblichen Weihnachtsfeiern besonders viele alte Geschenke einen neuen Besitzer finden.

Und wer das weiß, kapiert auch etwas anderes sehr schnell - warum der Brauch des Wichtelns in deutschen Unternehmen so beliebt ist.

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