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Denkfehler, die uns Geld kosten (17) : Vorsicht, Gehaltserhöhung!

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Bild: © Images.com/Corbis

Brutto ist nicht gleich Netto. Das weiß jedes Kind. Trotzdem erliegen wir der Nettolohn-Illusion und lassen uns von den höheren Zahlen gerne blenden.

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          Wenn es eine Konstante in unserem Leben gibt, dann ist es die Tatsache, dass wir praktisch ständig besteuert werden. Steuern begleiten uns von der Wiege bis zur Bahre. Ob wir etwas kaufen, etwas vererben, verschenken oder ob wir Einkommen erzielen - der Fiskus ist immer dabei. Er sorgt dafür, dass die Waren, die wir kaufen, teurer werden, und dafür, dass wir nicht den Marktpreis für unsere Arbeit erhalten, sondern nur das, was die Besteuerung davon übrig lässt.

          Angesichts der Tatsache, dass wir ein Leben lang tagtäglich Steuern zahlen, sollte man eigentlich annehmen, dass wir gelernt haben, damit umzugehen. Kurz gesagt: Wir sollten Brutto und Netto auseinanderhalten können. Beispielsweise sollten wir beim Einkauf immer nur den Bruttopreis beachten, denn das ist der Preis, den wir an der Kasse entrichten müssen. Wie viel davon in die Staatskasse fließt, sollte uns bei der Kaufentscheidung eigentlich kalt lassen.

          Wie viel wir arbeiten wollen, sollte vom Steuersatz abhängen

          Es spricht tatsächlich vieles dafür, dass sich die meisten Menschen nicht für die Höhe der Steuer interessieren, die sie gerade zahlen, wenn sie an der Supermarktkasse stehen oder dem Tankwart die Kreditkarte reichen. Oder wissen Sie, wie viel Steuern Sie im vergangenen Monat als allgemeine oder spezielle Verbrauchsteuer gezahlt haben? Warum sollte einen das auch interessieren?

          So wenig wir beim Konsum auf die Steuersätze achten müssen, weil für uns nur der Bruttopreis wichtig ist (und der steht in aller Regel auf dem Etikett), so sehr sollten wir allerdings auf den Steuersatz achten, wenn wir entscheiden, wie viel wir arbeiten wollen. Denn nicht nur die Preise für Pullover und Kaffee sind in aller Regel als Bruttogrößen ausgewiesen, sondern auch Löhne und Gehälter. Das ist auch notwendig, denn was netto übrig bleibt, ist von den jeweiligen persönlichen Einkommensverhältnissen abhängig.

          Der Grenzsteuersatz steigt mit dem Einkommen

          Wenn man also wissen will, was man mit seiner Arbeit verdient, dann sollte man die Steuer beachten. Das ist nicht so einfach wie bei der Umsatzsteuer, denn wir haben schließlich einen progressiven Einkommensteuertarif. Der hat zur Folge, dass beispielsweise eine Gehaltssteigerung von 100 Euro bei einem Jahreseinkommen von 20.000 Euro anders zu Buche schlägt, als bei einem Einkommen von 80.000 Euro. Der Grenzsteuersatz steigt mit dem Einkommen. Das heißt: Im ersten Fall bleiben von den 100 Euro mehr übrig als im zweiten Fall. Für die Entscheidung, ob sich zusätzliche Arbeit lohnt, ist es wichtig, dies zu beachten. Technisch gesprochen muss man bei der Entscheidung über das Arbeitsangebot immer diesen Grenzsteuersatz beachten und nicht den Durchschnittssteuersatz, der in den meisten Fällen deutlich niedriger ist.

          Aber beherrschen Menschen den Umgang mit Steuern? Schätzen sie die Steuerhöhe richtig ein? Eine ganze Reihe von experimentellen Befunden lässt daran Zweifel aufkommen. Schon 1995 beispielsweise zeigte sich in einem Experiment von Bartholome, dass Menschen nicht in der Lage sind, Grenz- und Durchschnittssteuersatz auseinanderzuhalten. Weiteres Ergebnis: Bei der Entscheidung darüber, wie viel sie arbeiten möchten, orientieren sie sich eher am Durchschnittssteuersatz als am Grenzsteuersatz.

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