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Finanzplanung kurz vor dem Ruhestand : Bitte das Leben nicht vergessen

Bild: Kircher Burckhardt

Eigentlich hat Konrad Gerstenbach wenig Grund zur Sorge. Das Haus des 62-Jährigen ist abbezahlt, 400.000 Euro liegen auf der hohen Kante. Nun muss er sein Vermögen nur breit anlegen - in Anleihen, Aktien und Rohstoffe.

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          Otto ist beinahe wieder komplett genesen. Der Labrador der Gerstenbergs wurde an der Hüfte operiert. Mehr als 2000 Euro kostete das. Viel Geld zwar, aber dafür ist in der Welt des 7 Jahre alten Vierbeiners jetzt wieder jeder Knochen auf seinem Platz.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Otto lebt übrigens alles andere als ein Hundeleben. Immer bekommt er bestes Futter, viele Leckerlis und regelmäßig neues Spielzeug. Rund 150 Euro, manchmal mehr, niemals weniger, gibt sein Herrchen dafür jeden Monat aus. Außerdem wurde Ottos Hundehütte gerade renoviert und blau gestrichen, denn Frau Gerstenberg glaubt, dass das Ottos Lieblingsfarbe ist.

          Ahnungslose Millionäre

          Für Konrad Gerstenberg, den Hundehalter, ist das kein Problem. Er ist Richter, verdient 4500 Euro netto im Monat. Das Haus der Gerstenbergs ist abbezahlt; außerdem haben sie ein Vermögen von 400.000 Euro. Gesund ist er überdies und als Hundefreund hat er auch schon genügend Ideen, was er in drei Jahren, wenn er im Alter von 65 Jahren in den Ruhestand eintritt, tun könnte. Kein Grund zu sorgen, aber viele Gründe zu leben und zu tun, was er gerne möchte. Einerseits.

          Andererseits, da bricht das protestantische Arbeitsethos regelmäßig aus ihm heraus, will Konrad Gerstenberg natürlich in Finanzdingen keinen Fehler machen. Zunächst einmal sollte er aufschreiben, wie hoch sein gesamtes Vermögen tatsächlich ist. Sein Haus, hat ihm ein befreundeter Immobilienfachmann gesagt, brächte ungefähr 300.000 Euro, wenn er jetzt verkaufen würde. Die 400.000 Euro Erspartes hinzuaddiert sind das 700.000 Euro. Hinzuzählen, das hätte Konrad Gerstenberg beinahe vergessen, muss er aber noch die nicht unbeträchtliche Pension, die er in seinem Ruhestand beziehen wird.

          Er setzt dafür rund zwei Drittel seines letzten Monatsnettogehalts an, was rund 3000 Euro sind, und geht einmal davon aus, dass er 20 Jahre lang Pension beziehen wird. Unter der Annahme eines über die Jahre durchschnittlichen Zinses von 3 Prozent ergibt sich damit ein Wert von noch einmal knapp 500.000 Euro. Zusammengerechnet ergibt sich damit am 65. Geburtstag Gerstenbergs ein Gesamtvermögen von 1,2 Millionen Euro. Allein darüber freut er sich zunächst sehr, denn er wusste bisher gar nicht, dass er Euro-Millionär ist.

          Diversifizierung im Gesamtvermögen

          Doch wie soll ich mein Vermögen anlegen, damit es wenigstens durch die Teuerungsrate nicht weniger wird, fragt sich Gerstenberg. Er ist erwachsen und muss das grundsätzlich selbst entscheiden und verantworten, sagen ihm Bekannte, die sich mit Finanzen auskennen. Nicht alles sollte er auf ein Pferd setzen, sprich sein Vermögen auf verschiedene Anlagemöglichkeiten verteilen, damit die Risiken möglichst breit gestreut sind - gerade in Zeiten wie diesen. Grundsätzlich kann er diese Frage allerdings aus zwei verschiedenen Perspektiven beantworten.

          Die eine geht so: Alleine mit seinem Haus hat er ein Viertel seines Vermögens schon in Immobilien angelegt. Die kapitalisierten Pensionsansprüche basieren wesentlich auf festverzinslichen Wertpapieren und repräsentieren rund 40 Prozent seines Portfolios. Bleiben noch 35 Prozent übrig für Aktien - der Anlageklasse, die er noch überhaupt nicht abdeckt und die ebenfalls gegen hohe Teuerung schützen sollte. Abzüglich vielleicht einer Summe von 50.000 Euro, die er auf dem Konto lassen sollte, weil ihm sein Handwerker während des letzten Besuchs voraussagte, dass die Heizung wahrscheinlich eher früher als später kaputtgeht. Und außerdem ist auch der Wagen der Gerstenbergs schon älter.

          Oder nur liquides Vermögen?

          Die zweite Sichtweise lautet wie folgt: Haus und Pension sind beide sehr schön, aber nun einmal einfach da und deswegen außen vor. Bleiben die 400.000 Euro Erspartes, die er gleichsam breit streuen sollte. Eine Möglichkeit wäre dabei, jeweils 100.000 Euro in Aktien (zum Beispiel in verschiedene Indexfonds oder Investmentfonds), Anleihen (von soliden Staaten und Unternehmen) und Immobilien zu stecken.

          50.000 Euro blieben aus den zuvor genannten Gründen auf dem Tagesgeldkonto. Und 50.000 Euro könnte Gerstenberg in Gold und Rohstoffen anlegen, um auch in dieser Anlageklasse engagiert zu sein. So, sagt er sich, funktioniert zwar vielleicht eine Anlageklasse nicht, aber die Wahrscheinlichkeit, dass alle fünf Bereiche zugleich kollabieren, ist dann doch nahe null.

          Lieber Lady Gaga

          Wie auch immer Gerstenberg entscheidet, kann er einfach auf die Rendite warten, die er nach einem Jahr erzielt hat. Dann sollte er sich wieder kurz Zeit nehmen und nachsehen, wie sich die Kurse seiner Anlagen entwickelt haben und ob die Anlageklassen noch ungefähr der Vermögensaufteilung entsprechen, für die er sich entschied.

          Übrigens: Als Konrad Gerstenberg mit dem wieder beinahe gesund gewordenen Otto das letzte Mal Gassi ging, traf er einen befreundeten Finanzberater und fragte ihn, ob er eine Pflegeversicherung brauche für den Fall, dass er ein Pflegefall würde. Der Berater sagte ihm, er brauche nur fünf Versicherungen: Kranken-, Privathaftpflicht-, Kfz-, Hausrat- und Gebäudeversicherung, mehr wirklich nicht, denn für alles andere sei er vermögend genug.

          Auch darüber freute sich Gerstenberg sehr, denn so viel Zeit will er auch nicht aufwenden, nur um seine Finanzen zu verwalten. Zumal ihn gerade jetzt anderes bewegt: Demnächst will er auf Vorschlag seines Sohnes mit ihm und dessen Freundin zu einem Lady-Gaga-Konzert gehen.

          Was Konrad Gerstenbach braucht:

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