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Finanzplanung in der Lebensmitte : Gemessenen Schrittes durch die Lebensmitte

Bild: F.A.Z.

Fazzi Indecks, der 50 Jahre alte Familienvater, hat das Haus fast abbezahlt und will nun fürs Alter sparen. Er sollte sein Vermögen streuen und die Finger von Immobilien lassen.

          Früher galt der 50. Geburtstag vielen Menschen als ein Einschnitt und als eine Art Höhepunkt, an den sich ein, wenn auch langsamer, Abstieg anschließt. Als Fazzi Indecks am 4. September das halbe Jahrhundert vollendete, fühlte er sich überhaupt nicht so. Zufrieden mit dem, was er erreicht hat, blickt er zuversichtlich nach vorne, getreu dem Motto „Was geht uns die Sintflut an, solang man hier noch tanzen kann?“ (BAP). Und warum auch nicht? Indecks hat eine nette Familie, an der er sehr hängt, einen Kreis treuer Freunde, eine ordentliche und nicht schlecht bezahlte Arbeit und ein Haus, das beinahe abbezahlt ist.

          Dennoch hat Indecks das Erreichen der ehemals magischen Fünfzig zum Anlass genommen, einen finanziellen Kassensturz vorzunehmen und sich zu fragen, wie seine längerfristige Finanzplanung aussieht. Diese Entscheidung war weise. Zwar hat Indecks keine finanziellen Sorgen und dürfte auch zumindest so lange keine bekommen, wie er seinen Arbeitsplatz nicht ersatzlos verliert. Aber er befindet sich doch in einer Situation, in der er seine finanzielle Zukunft und die seiner Familie sorgfältig planen sollte. Indecks Problem besteht nicht darin, dass ihm Armut droht. Sein Problem besteht darin, dass er vielleicht sein Potential nicht nutzt - oder dass er im Gegenzug sein Potential überschätzt.

          Der Sohn will auf eine private Uni

          Indecks arbeitet im mittleren Management eines kleinen, aber feinen Maschinenbauunternehmens, das in seiner Nische globaler Marktführer ist. Zusammen mit kleinen Einkünften seiner Frau, die gelegentlich in der Boutique einer Freundin aushilft, verfügt das Paar über ein monatliches Nettoeinkommen von rund 6000 Euro. Sein Haus ist 250.000 Euro wert und nahezu abbezahlt. Wegen des Hausbaus und eines in früheren Jahren gelegentlich etwas großzügigen Ausgabeverhaltens ist Indecks bisher nicht dazu gekommen, sich ein stattliches Geldvermögen jenseits eines Notgroschens von 20.000 Euro zuzulegen.

          Jetzt geht es darum, eine ordentliche Altersvorsorge aufzubauen - dabei muss er berücksichtigen, dass dem talentierten Filius eventuell der Besuch einer privaten Hochschule finanziert werden muss. Auch wird seine Frau in ein paar Jahren ein neues Auto benötigen. (Indecks fährt einen Firmenwagen.) Dieses Vorhaben erscheint realistisch, sofern es Indecks und seiner Frau gelingt, nach der bevorstehenden Tilgung des Immobilienkredits 2000 Euro im Monat zu sparen.

          Schach statt jüngerer Geliebter

          Das sollte möglich sein. Als Mann von 50 Jahren ist Indecks die geheime Sehnsucht, ab und zu aus dem geordneten Leben auszubrechen und wie in seiner Jugend hin und wieder etwas völlig Verrücktes zu tun, natürlich nicht unbekannt. Doch er geht mittlerweile gemessenen Schrittes durch sein Leben. Anstatt sich eine deutlich jüngere Geliebte zuzulegen, die den Altersunterschied früher oder später durch immer drängendere Aufforderungen zu kostspieligen Juwelierbesuchen in der fernen Großstadt kompensieren könnte, rührt er außerhalb seiner Ehe nur die Dame auf dem Schachbrett an. Indecks liebt das Königliche Spiel auch heute noch, wo der jugendliche Traum von der Weltmeisterschaft längst ausgeträumt ist. Nunmehr reicht es ihm völlig, seinem jungen und ambitionierten Schachfreund Magnus Karlsson im lokalen Verein eine Partie um die Ohren zu hauen. Das ist ein Hobby, das nicht viel Geld kostet und trotzdem Spaß macht.

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