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Finanzplanung für junge Familien : Eine Familie erfordert gemeinsame Finanzplanung

Bild: Kircher Burkhardt

Der 32 Jahre alte Peter Maier hat gerade seinen ersten, festen Job als Ingenieur bei einem Autobauer angetreten. Mit seiner Freundin freut er sich auf Nachwuchs. Ein guter Zeitpunkt, um seine Finanzen der neuen Lebenssituation anzupassen.

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          Peter Maier glaubte, alles richtig gemacht zu haben. Frühzeitig hat er auf Anraten seiner Eltern eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen. Genauso wie für die Unfallpolice hat er einen Bericht aus der Zeitung, die er seit seiner Studienzeit täglich liest, als Basis für einen Internetvergleich genommen und die günstigste Police gekauft. Bei der Altersvorsorge dagegen war er etwas unsicher und hat deshalb schon vor Studienende Kontakt mit einem größeren Finanzvertrieb aufgenommen, der ihm eine Basisrente mit 300 Euro monatlichem Beitrag vermittelt hat. Mehr Provision war aus dem jungen Maschinenbaustudenten nicht herauszuquetschen, betont er nicht ohne Stolz.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Inzwischen aber hat Maier seine erste feste Stelle angetreten. Mit seinem Fachhochschulabschluss war seine Arbeitskraft gefragt, und er hatte mehrere Angebote, so dass er ein Einstiegsgehalt von monatlich 2500 Euro netto aushandeln konnte. Erst kürzlich aber kam ihm der Gedanke, seine Finanzen noch einmal zu sortieren. Denn seine Freundin erfuhr, dass sie schwanger ist. Eine neue Lebenssituation würde auch ein angepasstes Finanzkonzept erforderlich machen, dachte der 32 Jahre alte Diplomingenieur. Zudem hatte er festgestellt, dass er durch einige kritischere Berichte über Strukturvertriebe, die ihm ein Freund per Twitter auf sein iPhone weitergeleitet hat, etwas verunsichert worden war.

          Höchste Zeit für einen Finanzcheck

          Weil er bald Vater wird, hat sich Maier gefragt, wie das ständige Minus auf dem Girokonto mit seinem Ziel vereinbar ist, in wenigen Jahren ein eigenes Haus für die junge Familie zu bauen. Seine Schulfreunde sind alle etwas weiter als er, haben nicht das Studienfach gewechselt. Nun fahren sie Leasingautos und wohnen in ihren eigenen vier Wänden. Seine Freude an Technik führt regelmäßig zu höheren Media-Markt-Rechnungen. Und die gemeinsamen Wochenenden mit der alten Clique von zu Hause sind auch nicht gerade günstig. Schließlich kam auch noch der Brief seines Arbeitgebers, dass er mit seinem Jahresbruttogehalt von knapp 53.000 Euro erstmals über der Versicherungspflichtgrenze liege und nun wählen könne, ob er sich privat oder gesetzlich krankenversichern will.

          Höchste Zeit also für einen neuen Finanzcheck. Von einem Bekannten, der in der Finanzbranche arbeitet, hat Maier drei Telefonnummern von seriösen Finanzmaklern bekommen, die sich der Sache annehmen sollen: Einer sitzt in München, einer in Köln, der Dritte in Mainz.

          Peter Przybilla ist bei seinem Anruf zunächst skeptisch. Warum er sich an ihn wende, wenn er zuvor schon mit dem Finanzvertrieb zusammengearbeitet habe, will der Münchener Versicherungsmakler wissen. Maier muss den Eindruck ausräumen, dass er den Geschäftsführer von Hengstenberg & Partner nur als Ideengeber missbrauchen will. Als er einwilligt, sich umfassend beraten zu lassen und seinen gesamten Versicherungsbestand von dem Büro betreuen zu lassen, ist eine Geschäftsgrundlage hergestellt.

          Logisch gedacht

          Was Maier in allen drei Gesprächen feststellt: Mit seinem aufwendigen Lebensstil wird das Ziel, ein Haus zu bauen, nicht zu erreichen sein. "Er muss seinen Konsum einschränken, sonst kann er nichts zurücklegen", rät ihm Wolfgang Morlock, unabhängiger Finanzmakler aus Mainz. "Reißt er sich zusammen, kann er vielleicht monatlich 250 bis 300 Euro sparen", erwartet Przybilla. Und Jörg Wrobbel sagt: "Als Erstes muss er aus dem Dispo herauskommen. Sonst können wir Geldanlage betreiben, bis der Arzt kommt", erklärt der Kölner Finanzmakler. Mit einem Kunden wie Maier würde er schon im ersten Gespräch einen Liquiditätsplan machen. Beweise er bis zum dritten Gespräch nach einem halben Jahr nicht, dass er 300 Euro monatlich zurücklegen könne, werde es kaum etwas mit einer längeren Zusammenarbeit. "Wenn er nicht zeigt, dass er diszipliniert für sein Ziel spart, wird er auf Dauer nicht mein Kunde", sagt Wrobbel.

          Doch auch sein scheinbar so lückenloses Versicherungspaket rupfen alle drei Makler sofort auseinander. Allein die Haftpflicht: zu geringe Deckungssumme. Über mindestens 5, mehr als 10, gar bis zu 50 Millionen Euro raten sie Maier, selbst verursachte Schäden abzusichern. "Zudem sollte er einen Selbstbehalt von 150 Euro vereinbaren, sonst läuft er Gefahr, wegen Bagatellen eines Tages seinen Vertrag zu verlieren", rät Morlock. Sein Kölner Kollege Wrobbel hält den jungen Maschinenbauer aber davon ab, sofort zu kündigen. "Im November würde ich noch nichts machen, sondern es in einem halben Jahr noch einmal ansprechen, um fristgerecht kündigen zu können. Dann stehen auch wieder andere Tarife im Vergleichsprogramm an der Spitze", sagt er.

          Die Arbeitskraft absichern

          Alle drei Berater fragen Maier zudem, warum er seine Partnerin nicht zum Gespräch dazugebeten habe. Eine Familie erfordere eine gemeinsame Finanzplanung. Obwohl Makler Przybilla auf private Krankenversicherungen spezialisiert ist, spricht er einen Wechsel in die PKV nicht von sich aus an. "Wenn er noch ein zweites Kind bekommt und seine Frau zu Hause bleibt, verdient er mir einfach zu wenig", sagt er. Viel wichtiger sei es, seine eigene Arbeitskraft abzusichern. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung halten daher alle drei Makler für unverzichtbar. Wrobbel sammelt dafür schon im ersten Gespräch die Gesundheitsfragen, um Maier beim nächsten Termin eine Excel-Tabelle mit einem Vergleich echter Vertragsangebote aushändigen zu können. "Als Diplomingenieur vergleicht er ja gern", sagt er augenzwinkernd. Die Unfallversicherung des Maschinenbauers sehen alle drei dagegen als eine ergänzende "Kann"-Versicherung an.

          Ein leidiges Thema ist die Altersvorsorge. Hier dachte Maier, mit seiner Basisrente auf der sicheren Seite zu sein. Allerdings hindert ihn der monatliche Beitrag daran, seine anderen Wünsche auf die Reihe zu bekommen. "Viel zu hoch", schimpft Przybilla über den Strukturvertrieb. Auf keinen Fall kündigen, sagen trotzdem alle drei Makler, sonst sei die Abschlussprovision komplett verloren. "Ich würde den Vertrag stilllegen und mir eingestehen, dass ich zu viel Geld für den Abschluss ausgegeben habe", sagt der Mainzer Makler Morlock, während sein Münchener Kollege Przybilla rät, den Vertrag zumindest auf 100 Euro monatlich zu reduzieren, was ebenfalls mit einem Verlust verbunden ist - ein Anfängerfehler eben.

          Hoher psychischer Druck

          Als dritte Pflichtpolice empfehlen die Makler eine Risikolebensversicherung, die seiner Freundin und dem gemeinsamen Kind 300.000 bis 400.000 Euro auszahlt, wenn er stirbt. "Für monatlich 200 Euro hat Maier sein komplettes Versicherungspaket - weniger als 10 Prozent seines Einkommens", sagt Morlock.

          Bleibt Maiers Wunsch, in einigen Jahren zu bauen. Wrobbel weist ihn schon im ersten Gespräch auf die künftigen Kapitalregeln der Banken (Basel III) hin, die eine Kreditfinanzierung teurer machen werden. "Für die Immobilie braucht er Eigenkapital, oder er muss bis dahin ein Supergutverdiener sein", sagt er. Und mit Morlock muss sich der Diplomingenieur schließlich auf eine Grundsatzdiskussion einlassen. Nach dem halbstündigen Gespräch sind ihm zwei Sätze des Mainzer Finanzfachmanns in Erinnerung geblieben: Eine Immobilie sei für ihn noch viel zu früh, weil sie ihm den Wunsch weiterzukommen verbauen und er dann seine Zielstrebigkeit verlieren könne. Und durch den hohen psychischen Druck werde das Haus am Ende seine Lebensplanung bestimmen, anstatt dass sich der Finanzplan seinem Lebensplan anpasse.

          Was Peter Maier braucht:

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